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Bekannt ist
der Gitarrenbauer Boris Dommenget für superbe Sonderanfertigungen
und einen durchaus
eigenen
Stil. Aktuell ist eins seiner ganz besonderen Werkstücke auf
vielen Musiksendern zu sehen und zwar immer dann, wenn die Scorpions
ein Acoustic-Set anbieten.
Deren Kopf Rudolf
Schenker pflegt bekanntlich eine große Leidenschaftfür
die Flying V, jener gewagten E-Gitarrenkonstruktion
in Pfeilform also, die Gibson Ende der 50er Jahre auf den Markt
brachte. Um auch in akustischen Parts nicht auf sein geliebtes Instrument
verzichten zu müssen, hat er sich von Boris Dommenget kürzlich
eine Steelstring-V bauen lassen. Das klingt verrückt und ist
es wohl auch - aber es muss offensichtlich funktionieren, denn Rudolf
hat inzwischen zwei weitere Versionen in Auftrag gegeben. Gitarren
von Dommenget spielen aber auch andere bekannte Musiker, wie Stephen
Stills, Neil Schon, Ken Hensley, Ali Claudi oder Carl Carlton. Seine
alte Heimat Hamburg hat der Gitarrenbauer kürzlich verlassen,
um in Balje an der Elbmündung im tiefsten Friesland nun im
eigenen Haus sein Handwerk auszuüben.
Erste Schritte
Den Weg zur Gitarre fand Boris Dommenget, Bj. 60, durch ein frühes
Erlebnis: Im Alter von acht Jahren hatten ihn seine Eltern zu einem
Flamenco-Konzert mitgenommen und in der Folge wollte der faszinierte
kleine Boris unbedingt Gitarre lernen. Es dauerte immerhin noch
ganze drei Jahre bis sich sein Wunsch endlich erfüllte. In
der väterlichen Schreinerei verdiente er sich später mit
Aushilfsjobs das Geld für den ersten Verstärker, die E-Gitarre
etc. und spielte fortan in verschiedenen Bands. Mit dem Faible für
technisches Zeichnen und der Arbeit mit Holz bewarb er sich für
eine Ausbildung als Gitarrenbauer bei der renommierten Firma Hopf
im Taunus. Nach dreijähriger Lehrzeit bei Dieter Hopf und mit
dem Abschluss in der Tasche verließ er die Firma, richtete
sich mit Anfang 20 eine eigene Werkstatt ein und begann, selbständig
Gitarren zu bauen und Reparaturen auszuführen, er restaurierte
aber auch Möbel um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Hilfreich
war damals die im Wiesbadener Raum stationierte US Air Force mit
gut besoldeten GIs, die haben gut gekauft. Anfang der
80er Jahre war Boris dann auch schon im Schlepptau von Pickup-Guru
Bill Lawrence (vormals bekannt als Billy Lorento) auf der Frankfurter
Musikmesse vertreten, allerdings damals noch unter dem Pseudonym
Anyway, da im gestrengen Deutschland für die Ausübung
selbständiger Handwerkskunst nach wie vor der Meistertitel
gefordert ist. Nach einigem auf und ab war dann 1985 Schluss mit
dem Gitarrenbau, die Air Base war aufgelöst, das Geschäft
ging in die Knie und Boris verkaufte alles, was nicht in seinen
Kasten-R4 ging und siedelte um nach England. Schnell fasste er als
Möbelrestaurator in London Fuß und suchte nach einer
Band, um musikalisch aktiv zu werden. Tatsächlich stieg er
bei einer Gruppe namens Bollock Brothers ein, war in
der Folge viel unterwegs und verlor natürlich daraufhin seinen
guten Job als Restaurator. 1988 brach er sich unglücklich die
Hand und Schluss wars mit der Gitarristen-Karriere. Er zog
nach Hamburg, fing wieder an Gitarren zu bauen und gründete
nach englischem Vorbild die Altona Rehearsal Studios.
Über den direkten Kontakt zu Musikern kam er schnell wieder
ins Geschäft und erwarb sich einen guten Ruf mit fachgerechten
Reparaturen und mit zum Teil eigensinnigen Gitarrendesigns.
Know-how
Seither baut Boris Dommenget stetig seine Instrumente und das fast
ausschließlich im Kundenauftrag. Sein Repertoire ist vielfältig
und doch von bestimmten Grundzügen geprägt. Neben E-Gitarren
versteht er sich besonders auf Archtops, wie etwa seine exklusiven
Jazz-Modelle Governor, Imperator oder Rio
belegen - aber auch in Sachen Flattops hat er einiges zu bieten.
Er selbst schätzt sich als ganz traditionellen Gitarrenbauer
ein, ist dem Handwerk tief verbunden. Gelernt hat er am Anfang viel
von Dragan Musulin, Schüler von Körössi, der heute
in Taunusstein klassische Gitarren und Flamencogitarren baut und
als einziger in Deutschland lebender Gitarrenbauer einmal Paco DeLucia
eine Gitarre verkauft hat. Boris hat also von der Pike auf gelernt
und baut auch heute noch jede Gitarre Stück für Stück
im Alleingang auf seine eigene Art und Weise. Um Stückzahlen
geht es ihm nicht. Er sieht sich selbst als Gitarrist, hat viel
auf der Bühne und im Studio gearbeitet und weiß inzwischen
aus Erfahrung, worauf es ankommt, und das ist für ihn, wie
er sagt, einfach nur der Klang. Ohne alte, gut abgelagerte, dadurch
jedoch nur begrenzt vorrätige Hölzer geht das auf einem
gewissen Niveau aber nicht und so schließen sich große
Serien für diese Art des künstlerischen Gitarrenbaus schon
aus diesem Grunde aus. Natürlich bietet er einige Standards
an, erprobte Konstruktionen sozusagen, die sich formal und bautechnisch
auf der Grundlage vielfältiger Erfahrungen entwickelt haben.
Das aber ist ein Prozess, der fortdauert und je nach Kundenwunsch
variiert werden kann.
Den vollständigen Artikel
finden Sie in AKUSTIK GITARRE 2/2002
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