Vom Fach
Von Ralf Bauer und Ernst Stern

Musik für den Flohzirkus: die Ukulele

Als "Instrument des kommenden Jahrtausends" kündigt einer der größten US Gitarrenhändler ein eher unscheinbares Gerät an. Ohne buntes Display, ohne Digitalausgang, ja sogar ohne jedwede Elektronik kommt es aus.

Es verfügt nur über vier Saiten, einen winzigen Korpus (ähnlich Schuhgröße 46) und einfachste Mechaniken ohne Übersetzung. Ukulele heißt das Instrument, wurde vor mehr als hundert Jahren "erfunden" und hat in der Zwischenzeit so viele Booms und Comebacks erlebt, dass die Sache mit dem nächsten Jahrtausend gar nicht einmal so unwahrscheinlich ist.

Historie
"Die Möglichkeiten der Ukulele sind unbegrenzt, denn sie kann die kompliziertesten Stücke ebenso wie einfache Melodien begleiten. Und Anfänger haben an der Ukulele nach einigen Wochen Unterricht mehr Freude als an anderen Instrumenten nach Jahren", schrieb Ernest K. Kaii aus Honolulu 1916 in seiner Schule "The Ukulele and how it is played". Ein anderer Lehrer wollte die Beschränkung auf die Funktion eines Begleitinstruments nicht gelten lassen: "Die Autoren haben festgestellt, dass die Ukulele als Soloinstrument vernachlässigt wurde, schätzen aber ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet und haben dieses Werk in der Hoffnung zusammengestellt, dass es ein lang gehegtes Bedürfnis befriedigen möge" (Bailey/Awai: A Collection of Ukulele Solos,1916).
Als dies geschrieben wurde, war der kleine Viersaiter noch keine 40 Jahre in Gebrauch. Seine Geschichte hatte im Jahr 1879 begonnen. Damals landete ein Schiff aus Madeira in einem hawaiianischen Hafen. An Bord befanden sich vor allem portugiesische Handwerker und Bauern. Sie hatten ein kleines Instrument dabei, das auf Madeira recht verbreitet war. Es besaß einen winzigen Korpus in Gitarrenform, vier Stahlsaiten, ein kurzes Griffbrett, auf dem mit Mühe vier Finger unterzubringen waren und hieß Braguinha. Im Handstreich gelang es der Braguinha, das Terrain hawaiianischer Saiteninstrumente zu erobern. Der Korpus wurde ein wenig vergrößert, die Stahl- durch Darmsaiten ersetzt, die Stimmung von Quint- auf Quartintervalle umgestellt. Das neue Instrument hieß bald Ukulele, was u.a. mit "hüpfender Floh" übersetzt werden kann. Diese Bezeichnung mag für vieles gestanden haben: den Spitznamen des Mannes, der das Instrument populär gemacht hatte, die flinke Bewegung der Finger auf dem kleinen Griffbrett oder den unaufdringlichen perkussiven Klang des kleinen Instruments.
Der Name Ukulele birgt auch eine gewisse Anlehnung an das Wort "Ukeke". So hieß ein einfaches Saiteninstrument der Urbevölkerung, das nur eine einzige Saite besaß und zur Erzeugung von Resonanz an den Mundraum gepresst wurde. Hawaii war zum Zeitpunkt des Braguinha-Importes schon verstärkt unter dem Einfluss amerikanischer Missionare und Kaufleute. Diese hatten die einheimische Kultur stark zurückgedrängt und europäische Elemente eingeführt. Die hawaiianische Musik hatte hauptsächlich aus Chorgesängen mit Perkussionsbegleitung bestanden, in der Melodieinstrumente wie die erwähnte Ukeke oder eine einfache Nasenflöte kaum eine Rolle spielten. Durch Vermischung mit europäischen Elementen entstanden Lieder, die im Falsettstil vorgetragen und u.a. von Gitarren begleitet wurden. Bald gesellte sich die Steel-Guitar dazu, die die Sänger nachahmte, ergänzte oder auch Instrumentalversionen der Lieder lieferte.

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Technik
Standardgröße ist die Sopran-Ukulele mit einer Mensur von 13 5/8 Zoll. Sie dient vor allem als Rhythmusgerät. Das Geheimnis des besonderen Klangs liegt in der speziellen Stimmweise: Die oberen drei Saiten sind in den aufsteigenden Intervallen eine Gitarre gestimmt (d-f#-h oder c-e-a). Die unterste Saite (a bzw. g) fügt sich in das Quartenschema ein, ist aber nicht am tiefsten gestimmt, sondern erklingt eine Oktave höher als erwartet und liegt damit nur einen Ganzton unter der höchsten Saite. Solisten spielen meist akkordisch in Jazzmanier. Für Einzeltonsoli verwendet man die größeren (und selteneren) Tenor- oder Bariton-Ukulelen. Letztere hat schon etwa die Größe einer Tenorgitarre. Als optimal betrachten viele Musiker die Concert-Größe mit einer Mensur von etwa 14 3/4 Zoll. Sie ist allerdings sehr selten. Beim Kauf sollte auf Folgendes geachtet werden: Ist das Instrument bundrein? Lässt es sich mit den Reibmechaniken stimmen? Hält es die Stimmung? Sind die Bünde gut abgerichtet? Kommen unterschiedliche Anschlagsstärken zur Geltung? Bei reinen Spielzeugen wird die Antwort in den meisten Fällen "nein" lauten, eine als Instrument eingesetzte Ukulele sollte als Minimum alle obigen Kriterien erfüllen können. Gute Instrumente besitzen federbelastete Reibmechaniken (Schaller, Grover, Gotoh), die die Stimmung beim Stimmen wesentlich verbessern.

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 2/2001