Erschwinglich
Taylor Dreadnought "310"
Von Christian Veith

Bis 1997 boten die Gitarren der 400er-Serie den preiswertesten Einstieg in das exklusive Taylor-Sortiment. Durch Verwendung von mehr und mehr verschiedenen Tonhölzern war die Klassifizierung dieser Reihe damals jedoch etwas unübersichtlich geraten, und so wurde den Mahagonimodellen unter der Bezeichnung "300" eine eigene Plattform geschaffen. Etwa zur selben Zeit hat Bob Taylor sein Dreadnought-Design überarbeitet. Das Ergebnis dieser Entwicklungen, die 310 Dreadnought, stellt sich hier zum Test.

Modellpflege

Die Bezeichnung Mahagoni muss im Zusammenhang mit der 300er-Reihe differenziert werden, handelt es sich doch hier um das so genannte Sapele-Mahagoni, das in Nigeria und der Elfenbeinküste heimisch ist. Es ist im Vergleich zu dem bekannteren Honduras-Mahagoni etwas dichter und härter und oft auch deutlicher gezeichnet. Nicht zuletzt deshalb verwenden renommierte Piano-Hersteller wie "Steinway & Sons" oder "Schimmel" Sapele für hochwertige Tasteninstrumente. Schon die älteren Taylor-Dreadnoughts wiesen eine erkennbar eigenständige Linienführung auf. Im Vergleich zur Martin-Urform waren die Taylors um durchschnittlich einen Zentimeter breiter, dafür aber um ebenso einen Zentimeter weniger tief. Dieses Format wurde zwar grundsätzlich beibehalten, die Korpussilhouette jedoch im Schulter- und Bauchbereich abgerundet. Das gibt eine Prise "Round-Shoulder"-Design dazu und wirkt (auf mich) insgesamt wesentlich eleganter. Verschwunden ist auch der in der alten 400er-Serie verwendete pin-lose Steg mit dem von Klassikgitarren bekannten oberen Saitendurchzug. Stattdessen erhielten die 300er den in der Taylor-Familie üblichen Knöpfchensteg mit den abgeschrägten Flügeln. Im grundsätzlichen Aufbau des Saitenweges unterscheiden sich die 300er da in keiner Weise von den Instrumenten der "Presentation"-Serie am anderen Ende der Taylor-Skala (Preisregion deutlich über 20.000,- DM) Hier wie dort werden die gleichen Materialien verwendet, nämlich schwarzes Ebenholz für Steg und Griffbrett, sowie ein "Tusq" genannter Spezialkunststoff für Sattel und Stegstäbchen. Dies unterstreicht den hohen konstruktiven Anspruch, den Bob Taylor selbst an seine unterste Modellreihe stellt.
Eine pfiffige Idee ist sicherlich die Einführung einer Art Zwitterlackierung. Während die empfindliche Decke auf schutzfähigeres Hochglanz poliert ist, begnügt sich der Rest mit einem simpleren matten Finish. Das garantiert der 300er einerseits einen "glänzenden" Auftritt im Scheinwerferlicht. Andererseits hilft es, die Kosten niedrig zu halten, da ein matter Auftrag weniger Arbeitsschritte erfordert. Taylor verwendet übrigens ein Verfahren zur Härtung des Lacks mittels UV-Licht, das besonders dünne, gleichzeitig aber extrem widerstandsfähige Oberflächen ermöglicht.
Dass im Detail nicht nur der Teufel sitzt, zeigen kleine aber sinnvolle Features, wie etwa der vordere Gurtknopf am Halsfuß. Ein nachträglicher Einbau an dieser Stelle ist eine heikle Angelegenheit. Welcher Käufer einer Hochwert-Gitarre bohrt schon gern seiner heiß ersehnten Neuerwerbung als erstes ein Loch? Bei Taylors muss man zudem noch die Lage der beiden Bolzenmuttern im Inneren des Halsfußes berücksichtigen, die eine exakte Positionierung der Bohrung erfordern. Der hintere Gurtknopf ist ebenfalls eine Taylor-Spezialität. Er besteht aus schwarz eloxiertem Alu und ist verschraubt. Nach Lösen von Schraubstift und Einschlagmutter wird eine Bohrung freigegeben, die für die Aufnahme einer Endbuchse bemessen ist. Nachträgliche Umrüstung auf Tonabnehmerbetrieb wird somit wesentlich erleichtert. Was oben schon über die Saitenführung gesagt wurde, gilt ebenso für das Innenleben der 300er. Anstatt das aufwendige Scalloped Bracing den teureren Instrumenten vorzubehalten, wird es in gleichem Maß in allen Taylor-Linien verwendet.


Bespielbarkeit ...

Neben all den großen und kleinen Neuerungen bietet die 310 natürlich auch Bekanntes, weil Bewährtes. Dazu zählt sicher der Taylor-Hals und dessen leimlose Befestigung am Korpus. Diese mittlerweile patentierte Konstruktion erlaubt ein Höchstmaß an Eingriff in die Feinjustierung des Halses und damit der Saitenlage. Laut O-Ton des Herstellers belegen Rückmeldungen von Händlern, dass Taylor-Gitarren unter allen neu gelieferten Instrumenten mit der besten Einstellung kommen. Die 310 macht hier wohl keine Ausnahme. Ein Blick mit verkürzter Perspektive entlang des Halses zeigt ein perfektes Bild. Leicht einschränkend muss ich sagen, dass bei härterer Spielweise mit Picks oder Plektrum schon mal Scheppern auftritt, eine entsprechende Nacheinstellung ist jedoch kein Problem.
Die stabile und doch äußerst flexible Hals-Korpusverbindung bedingt in diesem Bereich ein Innenleben aus Schrauben und Muttern. Dies ist auch der Grund, warum bei den Taylors der Austritt des Stahlstabes nicht im Schallloch zu finden ist. Zur Veränderung der Stabspannung muss man lediglich die kleine Abdeckplatte auf der Kopfplatte entfernen. Der viel gepriesene flache Taylor-Hals ist m.E. gar nicht soo flach, und das finde ich auch gut so. Es ist wohl das Zusammenwirken vieler Faktoren, die dem Hals das "schnelle" Gefühl verleihen. Der zügige Übergang in die Rundung an den Flanken des Griffbretts, der anschließend weiche Radius des Profils, die gleich bleibende Stärke bis zum Halsfuß und natürlich die globale Halseinstellung spielen dabei zusammen.

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 2/2001