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Peter
Fessler
Bonn, Pantheon
Foto:
Lohr
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Nach
qualitativ unterschiedlichen Alben (einer berauschend schönen
Live-CD aus dem Kölner "Stadtgarten" 1998 mit größerer
Band und den trockenen, bescheiden instrumentierten "East Side
Moments") ist Peter Fessler nun solo unterwegs, nur mit Stimme
und Gitarre. In der intimen, entspannten Atmosphäre des Bonner
Pantheon wird indes bald klar, dass diese Besetzung für einen
bezaubernden Abend voll und ganz ausreicht, zumal der Rheinländer
die Gitarre keineswegs nur auf dem Oberschenkel
liegen hatte, um seinen Händen beim Singen ein Alibi zu verschaffen.
Doch ehe man dieses Gitarrenspiel überhaupt registriert, ist
man von Fesslers Vokalarbeit vollauf - pardon: gefesselt. Einen solch
wahrhaft und im positivsten Sinne Gesangssüchtigen live bei der
Arbeit zu sehen, löst kopfschüttelndes, ergriffenes und
vergnügtes Erstaunen aus, als habe man diese Musik erstmals auf
dieser Ebene gehört: jeder gesungene Ton anscheinend mühelos
perfekt modelliert, jede Phrase so leicht und doch kontrolliert ausschwingend.
Und wenn der künstlerische Gehalt eines Songs schon erschöpft
scheint, öffnet Fessler überhaupt erst seine Trickkiste:
Aus Brustkorb und Stimmbändern holt er je nach Bedarf ganz verschiedene
Stimmen und Instrumente in jeder Tonlage hervor; einem Posaunensolo
folgt eine meisterhafte jazzige Kontrabass-Improvisation, deren Töne
in Glucksern und perkussiven Geräuschen untergehen, um wieder
zurückzukehren als Töne, in die allmählich sinnvolle
Lautfolgen menschlicher Sprache eingeblendet werden.
Sein Repertoire für solche ekstatischen bis clownesken Ausflüge
entstammt dem guten alten American Songbook, also den Federn von Gershwin
("Summertime"), Rodgers/Hart, Johnny Mercer usw., vesetzt
mit einem guten Schuss Jobim und aktualisiert durch einen hohen Prozentsatz
Fessler. Der Sänger führt als produktiver und annehmbarer
Songwriter die Tradition der Standards behutsam weiter mit zeitgemäßeren
Liebes- und Beziehungssongs: "Bei mir ist das so", sagt
er zwischendrin, "wenn es mir gut geht, schreibe ich Lieder.
Und wenn es mir schlecht geht, schreibe ich noch mehr Lieder."
Dabei heben sich seine geschmeidig und idiomatisch formulierten englischen
Songtexte wohl tuend ab von dem unauthentischen Niemandsenglisch,
das Deutsche oft ahnungslos von sich geben. Das "Girl From Ipanema"
gab es dann - wie noch einige andere Stücke (u.a. "So Danco
Samba") - im portugiesischen Original, und so geriet der Abend
kurioserweise manchmal zu dem Auftritt, den man 1999 in Bonn von Baden
Powell erwartet hätte. Denn Peter Fessler interpretiert etwa
einen Jobim vokal und gitarristisch exakt mit brasilianischem Balancado,
jenem Schweben über alle aufgeschriebenen Notenwerte hinweg,
und doch mit der klaren rhythmischen Kontur des Bossa Nova. Und da
Fessler mit der Gitarre alleine auf der Bühne sitzt, bleibt er
natürlich vollkommen Herr seiner eigenen Band, gibt sich sein
Timing, kann seine Ausbrüche selbst spontan steuern. Zwar bleibt
sein Spiel auf der Konzertgitarre eher funktionell, da er sich kaum
Bassläufe und schon gar keine Soli zutraut. Sein Begleiten aber
hält sich innerhalb dieser (selbst auferlegten?) Grenzen auf
beachtlichem Niveau - rhythmisch auf das Nötigste beschränkt,
aber alles gewissenhaft harmonisiert. Zugleich diszipliniert und locker
gespielt, reicht das allemal, um die Titel auch gitarristisch mehr
als solide zu skizzieren, obwohl Fessler kaum etwas anderes macht
als die Akkorde im Grundgroove zu spielen. Lediglich bei seiner angefunkten
Version von "Over The Rainbow" fällt dem gitarristisch
bewanderten Zuhörer auf, dass da die ausgefuchsten Bassfiguren
fehlen, die den Arrangements eines Thomas Günther, eines Thorsten
Plath und natürlich eines Tuck Andress ihre Authentizität
verleihen. Andererseits: Keiner der genannten Gitarristen singt auch
nur annähernd in Fesslers Liga.
Doch just aus dieser Fesslerschen Kombination aus Vokalkunst und instrumentaler
Kompetenz könnte sie bestehen, die gesuchte Marktnische mit Potenzial:
Vielleicht lässt sich aus der Erfahrung dieser Solo-Tournee mit
etwas Investition in ein flexibleres Gitarrenspiel langfristig Kapital
schlagen. Dann könnte - und man muss kein Gitarrenfetischist
sein, um solche Visionen von "Deutschlands Al Jarreau" verstummen
zu lassen, zu Gunsten der Erkenntnis: "Deutschland hat einen
Al Jarreau, der zugleich ein guter Gitarrist" ist. Von dem Amerikaner
ist jedenfalls bisher nicht überliefert, dass er jemals allein
mit sechs Saiten zwei Stunden lang ein Publikum ähnlich mitgerissen
hätte wie Peter Fessler in Bonn. Michael Lohr
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