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James
Taylor: „Leb mit deinem Instrument, leb mit deinen Songs“
„October Road“
Ein Kritiker hat James Taylors Songs einmal mit (guten) Flanellhemden
verglichen. Gemeint war, dass sie nichts sensationell Neues bieten,
sondern sich einfach bequem anfühlen, überaus solide Qualität
vorweisen können und sich so Jahrzehnte tragen lassen. Dass
der Amerikaner keinen Anlass sieht, von seinem unnachahmlichen Stil
abzuweichen, beweist seine aktuelle Produktion eindrucksvoll: Eingeleitet
von drei klasse Songs mit einer heiter-melancholischen Aura, zeigt
sie anschließend mit „Whenever You´re Ready“
funky Biss und mit dem dezenten Swing von „Mean Old Man“
funkelnde Selbstironie. Und so geht es denn auch weiter: glänzende
Mitspieler, eine Gitarrenstimme im Mittelpunkt, nach der sich vom
Sound wie von den Arrangements her Tausende von Songwritern die
Finger lecken würden, Songs von großer handwerklicher
Gediegenheit in einem einfach überragenden Klangbild und transparenter
Natürlichkeit. Bei James Taylor also nichts Neues – nur
mehr von dem gewohnt guten Alten.

Pat Metheny ist sein größter Fan. Dabei ist er gar kein
hoch gehandelter Jazz-Instrumentalist, sondern ein Mann, dessen
sensible Folk-Rock-Songpoesie ihn seit 1970 zum guten Begleiter
für Millionen Menschen gemacht hat. Dass das auch nach fünf
Jahren Pause und mit dem neuen Album „October Road“
so bleibt, bewies die enthusiastische Publikumsreaktion bei James
Taylors Auftritt in Frankfurts Alter Oper.
Im Umfeld der
neuen Veröffentlichung und der Tournee ergab sich die Gelegenheit
zum folgenden Gespräch mit dem legendären Songwriter.
Wie bewahrst
du deine Kreativität beim Musikmachen – nach all den
Jahren?
James Taylor: Nun... Es lässt sich einfach kein Gefühl
mit dem vergleichen, wenn ein Song sich ergibt und Form annimmt.
Und es ist wunderbar, eine Idee anderen Musikern mitzuteilen und
zu erleben, wie das Ganze dann beim Arrangieren heranreift. Das
ist das Kreativste das ich kenne. Und ich spüre immer noch
den starken inneren Antrieb Songs zu schreiben.
Und die
Inspiration kommt aus deinem eigenen Leben?
James Taylor: Ja, sehr viele meiner Songs haben einen engen persönlichen
Bezug zu mir selbst. Ich schreibe auf eine sehr emotionale Weise
- über Dinge aus meinem Leben und Projektionen davon, über
Phantasien. Z.B. geht es in „The Frozen Man“ darum,
dass ein im Eis eingefroren aufgefundener Mann ins Leben zurückfindet.
Das ist aber eigentlich ein Bild für mein eigenes Aufwachen
damals, als ich aus meiner Sucht in der Wirklichkeit ankam –
nach 17-18 Jahren des Eingefrorenseins. Obwohl die Schilderungen
nicht im faktischen Sinn zutreffen, haben meine Songs neben einer
Phantasiekomponente auch eine direkte, bedeutende emotionale Brücke
zu mir selbst. Manchmal werden die Zuhörer die gleiche Verbindung
spüren und den Song auf die gleiche Art wie ich verwenden....
Siehst du dich eigentlich auch als regional verwurzelt? Immerhin
taucht „Carolina“ bei dir oft auf.....
James Taylor: Es gibt wirklich eine Reihe von Songs, die sozusagen
einen bestimmten Punkt in der Landschaft abstecken. „Copperline
etwa. Und „Carolina In My Mind“. Oder – auf meinem
jüngsten Album – „October Road“.
Ist das
wirklich ein Straßenname?
James Taylor: Kein offizieller. Ich habe mal an einer Straße
auf Marthas Vineyard gewohnt, die keinen Namen hatte, weil ich sie
selbst gebaut habe. Und dann habe ich sie immer October Road nennen
wollen. Ein Nachbar, der später kam, hat der Straße dann
ihren amtlichen Namen gegeben - ich verrate ihn lieber nicht, sonst
kommen demnächst jede Menge Deutsche angerauscht um zu sehen
wo ich wohne.... Na, jedenfalls mag ich „October Road“
lieber, als Klang und Idee...und so taucht das in diesem Song auf.
Und „Copperline“,
das in keinem Autoatlas zu finden ist?
James Taylor: (lacht) Also - nicht weit von meinem Haus im ländlichen
North Carolina gibt es an einem Bach namens Morgan´s Creek
diesen Steinbruch, den wir „Copperline“ nannten. Es
geht um die Landschaft in der ich aufgewachsen bin und die etwas
ganz Besonderes hat. Diese Berge um Asheville, North Carolina, wo
meine Familie väterlicherseits herkommt, auf der Grenze zu
Tennessee, die mag ich sehr.
Das bringt mich
auf Musiktraditionen, in denen du dich selbst siehst.
James Taylor: Na ja... ich kann meine frühen Einflüsse
aufzählen. In North Carolina haben wir im Radio immer eine
gute Dosis Country & Western mitbekommen: Hank Williams, Flat
& Scruggs, etwas Grand Ole Opry aus Nashville. Meine Eltern
mochten Show-Tunes – Rodgers & Hammerstein, Rodgers &
Hart, Cole Porter - und diese ganzen wunderbaren alten Musicals:
„My Fair Lady“, „Oklahoma“ usw. Und selbst
spielten sie Folk – Pete Seeger, die Weavers, Woody Guthrie,
Leadbelly - und leichtere klassische Musik und Satire-Songs –
vielleicht kennst du Tom Lehrer....
... „Poisoning
Pigeons In The Park“ (Vorbild für Georg Kreislers „Tauben
vergiften im Park“)....
James Taylor: (lacht) Ja, genau! So etwas habe ich also als Kind
gehört – bis mein älterer Bruder mich auf Elvis
gebracht hat, Ray Charles, James Brown, Jackie Wilson, das Kingston
Trio. Und daraus wurde dann, noch als ich Teenager war, eine Beschäftigung
mit Folk und Blues – hauptsächlich Country Blues: Reverend
Gary Davis, Sonny Terry & Brownie McGhee, John Lee Hooker, Lightnin´
Hopkins. Und natürlich Tom Rush, Bob Dylan, Joan Baez. Und
dann kamen die zwei Gitarristen ins Spiel, die ich mehr als alle
anderen zu imitieren versucht habe. Einer war Ry Cooder mit „Paradise
& Lunch“. Und dann gab es da noch ein Album namens „Music
Of The Bahamas“. Und nun fällt mir der Gitarrist nicht
ein....
Joseph Spence?
James Taylor: Natürlich! Dieser Steinmetz von den Bahamas spielte
einen ganz bemerkenswerten Gitarrenstil. Spence und Cooder haben
mich auf ein völlig neues Niveau gebracht. Eine dritte Person
gehört vielleicht noch dazu: ein Trace-Spieler namens Arsenio
Rodriguez. Der öffnete sozusagen den Deckel zu meinem musikalischen
Erleben. Auch Salsa, Samba und Bossa Nova haben mich beeinflusst
- ich habe wohl eine für damals ziemlich typische Musikprägung
bekommen.....
Sind das teils Dinge, die du entdeckt hast, als du selbst schon
berühmt warst?
James Taylor: Nein. Spätestens mit 20 hatte ich all das gehört.
Und natürlich spielen auch die eine Rolle, die mir persönlich
begegnet sind: Carole King, Joni Mitchell, Bonnie Raitt und viele
so genannte Studiomusiker ohne große Namen, aber mit beeindruckendem
Können.
Der Unterschied zwischen ihnen und dir ist ja die Motivation
des Songwriters, ganz persönliches Material zu schreiben. Wie
schreibst du? Suchst du bewusst Inspiration?
James Taylor: Meine Methode besteht darin, mich mit meiner Gitarre
zurückzuziehen und geduldig abzuwarten, bis sich die Musik
einstellt. Was sich dann einstellt, enthält gewöhnlich
schon eine emotionale Komponente, die eine Richtung andeutet, also
meist Themen, die ich immer wieder angehe, aus verschiedenen Blickwinkeln.
Das nehme ich mir nicht vor – es passiert einfach. Die Gitarre
deutet also die emotionale Bindung zum Thema an, und die Worte die
mir dazu einfallen, haben einen Sprachfluss, der schon Bedeutung
enthält und den Song mit entstehen lässt. Es kommt eine
Idee ins Spiel, und der Song beginnt darum herum Form anzunehmen.
Ich muss dann nur immer wieder daran arbeiten; nach und nach fügen
sich die Teile an der richtigen Stelle ein, und das Puzzle ist fertig.
Manchmal kann man auch aus zwei völlig verschiedenen Ideen
einen Song machen - „The Fourth Of July“ auf meinem
neuen Album besteht aus zwei unterschiedlichen musikalischen Einfällen,
die nicht gleichzeitig auftauchten, aber gut zusammenpassten.
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 01/03
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