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Interessante
Instrumente für Individualisten: Balance/Kirkland Baritone
Gitarren
Der Test dieser
beiden Balance Bariton-Modelle ist aus mehreren Gründen hochinteressant.
Schließlich sind Bariton-Gitarren nicht gerade
an der Tagesordnung, zudem sind die vorliegenden elektro-akustischen
Kreationen technisch wie optisch bemerkenswert, und schlussendlich
können wir das handgefertigte Original direkt mit dem weniger
als halb so teuren Fernost-Modell vergleichen.
Johannes Vogel
(geb. 1959), Erfinder und Erschaffer der Balance-Gitarren, lernte
als Kind Klavier und Cello, entdeckte später die E-Gitarre
und gründete 1989 mit einem Partner die Firma „Custom
Made Guitars“. Schwerpunkt sind anspruchsvolle Sonderanfertigungen,
Umbauten und Restaurierungen. Aus den gewonnen Erfahrungen entstanden
die Balance-Instrumente, gedacht als kreative Lösungen für
individuelle Spieler. Zum Test erhielten wir eine Balance Bariton-Guitar
sowie das entsprechende, in Lizenz in China gebaute Fernost-Pendant.
Konzept
Der Einfachheit
halber beschreiben wir zunächst das von Johannes Vogel gebaute
Instrument und vermerken die Unterschiede der „Kirkland-Version“.
Basis ist ein leicht abgewandeltes Design im Stratocaster-Stil.
Die Korpus-Hörner sind verlängert, das weiche Shaping
der Kanten wird man bei der Balance vergeblich suchen. Der Korpus
besteht aus zwei massiven Mahagoni-Stücken und ist im Innern
in drei Klangkammern unterteilt. Die Gitarre ist zum größten
Teil hohl und hat entsprechend ein angenehm geringes Gewicht. Das
Holz besitzt eine attraktive Maserung und hat durch die perfekte
Hochglanzlackierung eine fast dreidimensionale Wirkung. Die Decke
besteht aus zwei Fichtenflügeln und einem erhöhten Mittelstreifen
aus Mahagoni. Auch hier gilt: die Hölzer sind von guter Qualität,
ebenso Verarbeitung und Lackierung. Vier kleine Schalllöcher
wurden in einem Halbkreis in die Decke gefräst. Umrahmt ist
der Korpus von einem elfenbeinfarbenen Plastik-Binding und einer
mehrstreifigen Perlmutt-Einlage. Die optische Wirkung ist trotz
des ungewöhnlichen Designs gediegen und dürfte auch konservative
Naturen nicht vor den Kopf stoßen.
Der dreiteilige Ahornhals ist eingeleimt und ebenfalls von einem
Binding umrahmt. Die Kopfplatte ist recht deutlich nach hinten abgewinkelt,
hat eine elegant geschwungene Form und trägt die Mechaniken
in unsymmetrischer 3/3-Anordnung. Der Übergang zwischen Hals
und Kopfplatte ist auffallend kräftig ausgefallen, der Headstock
selbst ist mit Mahagoni furniert, in das die kleinflügeligen
Mechaniken leicht versenkt eingebaut wurden. Das feinporige Palisander-Griffbrett
trägt 24 Medium-Jumbo-Bünde, die perfekt eingelassen und
abgerichtet sind. Einzige Verzierung ist ein Mother-Of-Pearl-‚Balance‘-Inlay
am 12. Bund. Das Griffbrett ist etwas breiter als bei einer Standard-Gitarre,
die Maße sind am Sattel ca. 4,6 cm, am 12. Bund ca. 5,5 cm.
Auch die Mensur ist naturgemäß verlängert: wir messen
68,5 cm bei der hohen und 69 cm bei der tiefen E-Saite. Das rückseitige
Hals-Shaping entspricht einem stark abgeflachten ‚D‘.
Trotz der vergrößerten Maße lässt sich der
Hals leicht und angenehm spielen. Man bekommt spontan eine gute
Verbindung zur Balance-Bariton und kann praktisch wie auf jeder
anderen Gitarre spielen. Auch Spieler mit tendenziell kleinen Händen
dürften kaum Probleme haben. Dank der weit in den Korpus gezogenen
Cutaways ist der oberste Halsbereich gut zugänglich (Hals-Korpus-Übergang
am 17. bzw. 21. Bund). Brücke und Saitenhalter bestehen aus
Palisander und sind passend zum individuellen Gesamt-Design geformt.
Die Brücke ist nicht fest verleimt und lässt sich zur
etwaigen Korrektur der Intonation verschieben. Die Saiten werden
mit Pins verankert und laufen über sechs dreieckig geformte
Stegreiter, unter denen der Piezo-Pickup sitzt. Als zweiter Tonabnehmer
wurde in Hals-Position in einem Holzrahmen ein Shadow-Humbucker
höhenverstellbar eingebaut. Sollte die Halskrümmung einer
Veränderung bedürfen, muss man den Pickup entfernen und
erhält dann Zugang zum Halsstab.
Die „Balance
by Kirkland“ zeigt einige Unterschiede. So ist die Mensur
ca. einen Zentimeter länger, der Hals entspricht mit 4,3 bzw.
5 cm (Sattel/12. Bund) dem normalen Maß. Für den Korpus
wurde hier bei ansonsten identischer Auswahl massive Erle verwendet.
Die Korpusdimensionen weichen leicht ab, das gilt auch für
die Bundierung mit schmalen und flachen Stäbchen. Logischerweise
wurde bei der Materialauswahl gespart, allerdings auf qualitätserhaltende
Weise. Verarbeitung und Lackierung sind auf einem dem Preis gemäßen
Niveau, kleinere Unsauberkeiten wird man gern verzeihen. Kritisch
zu werten ist allerdings die Tatsache, dass sich die Saitenaufhängung
leicht von der Decke gelöst hat; auf der Rückseite ist
ein Spalt sichtbar. Könnte sein, dass sich das Palisanderteil
demnächst komplett löst – hier sollte der Hersteller
unbedingt die Qualitätskontrolle optimieren. Unterm Strich
ist auch die „China-Balance“ ein angenehmes und ausgereiftes
Instrument, das sich komfortabel handhaben lässt. Es wurde
an den richtigen Stellen modifiziert und gespart. Auffallend ist
das spürbar geringere Gewicht des Fernost-Modells.
Elektronik
Die „Balance“-Bariton
ist mit einem Piezo im Steg und einem magnetischen Humbucker in
Halsposition ausgestattet. Beide Aggregate stammen vom deutschen
Hersteller Shadow. Auf der Rückseite befindet sich ein einfach
zu öffnendes Batteriefach und ein 3-Band-EQ für den Piezo
in Form von drei versenkten Mini-Potis. Drei weitere Drehregler
sitzen auf der Decke: ein Master-Volume, ein Piezo/Humbucker-Mix-Regler
mit Mittenrasterung und ein passiver Tonregler für den Magnet-Pickup.
Letzterer ist ein Push/Pull-Poti und schaltet den Mono bzw- Stereo-Betrieb.
Das so geformte Signal der Balance-Baritone wird über eine
Stereo-Klinkenbuchse in der unteren Zarge ausgegeben. In Sachen
Elektronik unterscheidet sich die Kirkland deutlich. Der magnetische
Tonabnehmer ist ein Humbucker im Single-Coil-Format (also deutlich
schmäler), außerdem wurde auf den EQ für den Piezo
komplett verzichtet. Die Batterie ist etwas fummelig hinter einer
abschraubbaren Blende verborgen, in dem darunter liegenden Fach
liegt die Platine der elektrischen Schaltung lose herum (eine Art
aufklebbarer Klett-Verschluss hatte sich gelöst). Hier ist
dringend eine Verbesserung gefordert, außerdem ist der Austausch
der Batterie unnötig schwierig. Die Regelung der Kirkland erfolgt
über zwei Potis für die Lautstärken der beiden Tonabnahme-Systeme.
Eine Klangregelung entfällt gänzlich, außerdem ist
das System mono ausgelegt. Nun gut, über den Piezo-EQ kann
man reden, aber dass es gar keinen Klangregler gibt, außerdem
keinen praxisgerechten Mischungsregler und keine Stereo-Option,
ist bedauerlich. Hier wurde Einiges von dem ansonsten guten Potential
des Fernost-Instrumentes verschenkt.
Den
vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 01/03
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