Hochkomplexes
Gerät auf Profi-Niveau: Yamaha AW 2816
Mit einem Paukenschlag
stieg Yamaha zur Frankfurter Musikmesse 2001 in den Markt der Audio-Workstations
ein: das "AW 4416" kombinierte das bekannte Oberklasse-Digital-Pult
02R mit einem 16-Spur HD-Rekorder und wurde so zum professionellen
Standard der digitalen 16-Spur-Klasse. Nun können wir mit dem
"AW 2816" einen etwas abgespeckten Ableger vorstellen,
der für anspruchsvolle Heimstudio-Enthusiasten mit gut gefülltem
Geldbeutel genau das Richtige sein könnte.
Man beachte:
Die "AW 2816" Workstation ist kein Gerät, mit dem
man eben mal zwei Gitarrenspuren aufnimmt. Die technischen Daten
und die Fülle der Ausstattungsdetails sprechen eine klare Sprache:
hier ist Musikproduktion auf professionellem Level angesagt. Dazu
passt auch, dass ein Einschub-Slot für ein CD/RW-Laufwerk gleich
integriert ist. So kann man bis zur fertigen CD alle wichtigen Produktionsschritte
mit nur einem Gerät vornehmen. Im Klartext: für den Recording-Einsteiger
ist dieses Gerät überdimensioniert. Die angesprochene
Zielgruppe sind Musiker mit einem gewissen Maß an Studio-Erfahrung,
die bereits in einer 8- oder 16-Spur-Umgebung gearbeitet haben und
nun auf den neuesten technischen Stand updaten möchten. Verschaffen
wir uns einen ersten ...
Überblick
Eine Audio-Workstation
beinhaltet alle Komponenten, die für eine Musikproduktion benötigt
werden, in einem kompakten Gerät. Folgende Sektionen verrichten
unter der Haube des AW 2816 ihren Dienst:
· Ein digitaler Mixer mit 28 Kanälen und bis zu 18 Ausgangswegen
· Zwei interne Multieffekt-Prozessoren
· Eine mächtige Mixer-Automation mit Szenen-Speichern
und motorisierten Fadern
· Ein 16-Spur/24-Bit Festplatten-Rekorder, der unkomprimiert
aufzeichnet
· Ein interner Schacht für ein CD/RW-Laufwerk zur Daten-Archivierung
und zum direkten Brennen von Audio-CDs
· Eine zusätzliche Stereo-Spur für den Master-Track
· Ein Dynamik-Prozessor für jeden Kanal
· Einen Slot für Erweiterungskarten
Anschlüsse
Sämtliche
Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Insgesamt
finden wir acht analoge Eingänge, von denen zwei mit XLR-Buchse
und schaltbarer Phantomspeisung ausgeführt sind (wichtig für
den Anschluss von hochwertigen Kondensator-Mikrofonen). Die übrigen
Inputs liegen als symmetrische Klinkenbuchsen vor, Input 8 zusätzlich
in einer hochohmigen Variante für den direkten Anschluss von
Gitarren. Zu jedem Eingang gehört ein Gain-Regler mit warnender
Peak-LED. Auf der Ausgangsseite finden wir den Stereo-Out (Cinch),
einen Monitor-Out (Klinke symmetrisch) sowie vier Omni-Outputs,
die intern konfiguriert werden und praktisch jedes denkbare und
sinnvolle Signal ausgeben können. Natürlich gibt es auch
digitale Ein- und Ausgänge in coaxialer Ausführung. Die
Midi-Fraktion wird über Midi-In und Out/Thru bedient; zusätzlich
gibt es einen MTC-Out, an dem nur Timecode anliegt, wodurch die
Midi-Schnittstelle im Datendurchsatz entlastet wird. Anschlüsse
für Fußschalter und Kopfhörer dürfen nicht
fehlen, ebenso eine SCSI-Buchse (für externe CD-Brenner oder
Speichermedien) und eine Computer-Schnittstelle (To-Host), die bei
der Zusammenarbeit mit einem PC ein Midi-Interface ersetzt. Monitor-
und Kopfhörer-Ausgang sind in der Lautstärke separat zu
regeln. Insgesamt ist die beschriebene Ausstattung praxisgerecht
und bietet alle Anschlüsse, die man für die tägliche
Arbeit braucht. Der Option-Slot nimmt bei Bedarf Erweiterungs-Platinen
für diverse im Studiobereich übliche Datenformate auf
oder stellt zusätzliche Ein- oder Ausgänge bereit. Aufgenommen
wird auf eine 2,5-Zoll-DIE-Festplatte; ein 20-GB-Modell von IBM
war beigelegt. Darauf passen bei normaler Spurenauslastung im CD-Format
(16-Bit/44,1 kHz) fast vier Stunden Musik.
Arbeitsoberfläche
Trotz der opulenten
Funktionsvielfalt findet man sich recht schnell zurecht. Verantwortlich
dafür ist das gelungene Design und der große Bildschirm
der AW 2816. Die Aufteilung aller Bedienelemente ist übersichtlich
und räumlich klar voneinander abgegrenzt. Die Auswahl des Arbeitsganges
erfolgt mittels Work-Navigate mit den Unterpunkten Song, File, CD
und Quick-Record. Für alle Belange des Betriebssystems und
der Datenverwaltung zuständig ist Unit mit den Unterpunkten
Setup, Utility, Midi und Patch. Der digitale Total-Recall-Mixer
ist in der Praxis die Schaltzentrale dieser Workstation. Einen guten
Zugang bieten die Tasten View (Ansicht), Pan, EQ und Dyn; weiter
geht es mit der Anwahl der Aux-Wege 1 bis 6. Acht motorisierte Kanal-Fader
plus der Master warten auf ihren Einsatz. Dank der Motorisierung
stimmt ihre Position immer mit dem tatsächlichen numerischen
Wert überein. Die beiden Stereo-Return-Wege haben je ein Endlos-Drehpoti
bekommen. Die Bildschirmnavigation wird mit den Cursor-Tasten oder
direkt mit den Funktionstasten F 1 bis 5 , Shift und Control vorgenommen.
Die Bedienelemente des Rekorders haben samt dem Szenenspeicher und
der Mixer-Automatisierung ebenfalls einen eigenen Bereich bekommen;
gleiches gilt für das Laufwerk und das Transportfeld. Eine
ganze Kaskade von Tastern und Reglern wartet also auf den Benutzer.
Dank einer logischen Aufteilung und der gelungenen Konzeption verliert
man dennoch selten den Überblick. Wer Erfahrung im Umgang mit
digitalen Geräten hat, wird wissen, dass eine möglichst
große Anzahl von Parametern mit eigenen Tastern/Reglern im
direkten Zugriff absolut wünschenswert ist und die Bedienung
vereinfacht. Als Zwischenfazit im Fach Ergonomie kann bereits jetzt
die Note "sehr gut" vergeben werden. Trotzdem sollten
sich potentielle Käufer eines klarmachen: bis zu einem intuitiven
Umgang mit einem so komplexen Gerät ist eine längere Einarbeitungszeit
nötig. Wer bisher nur mit einem 4-Spur-Cassetten-Recorder gearbeitet
hat, muss enorme Anfangsschwierigkeiten in Kauf nehmen. Die allerdings
sind dem AW 2816 keinesfalls negativ anzukreiden, sondern spiegeln
die explosionsartige Vervielfachung der Funktionen wider.
Rekorder
Die Aufnahmeeinheit
bietet 16 Audio-Spuren mit je 8 virtuellen Unterspuren, insgesamt
also 128 Tracks. Dazu kommt die Stereo-Spur, auf der das fertige
Master landet. Lobenswert, dass dazu keine Aufnahmespuren geopfert
werden müssen. Die Daten dieser Stereo-Spur werden beim Mastering
auf einer Audio-CD verewigt. Mit den Record-Select-Tasten schaltet
man die Spuren scharf, kontrolliert die Pegel im Meter-Display und
sieht bereits aufgenommene Parts im Track-View-Fenster. Auch die
Einstellungen der V-Tracks und der Stereo-Spur sind kinderleicht:
einfach die zugehörigen Funktionstaster anwählen, mit
Hilfe von Cursor und Datenrad die gewünschten Einstellungen
vornehmen und bei Bedarf mit Enter bestätigen, fertig. Wer
Spuren bearbeiten möchte, drückt Edit und wählt dann
die Bearbeitungsebene aus (Song, Spur, Part oder Region). Die jeweils
zur Verfügung stehen Operationen sind umfassend und lassen
keine Wünsche offen. Auch die Import-Funktionalität ist
komplett: so lassen sich Daten von CD einladen oder als WAV-File
einfügen. Ganze Spuren anderer Songs kann man gezielt ansprechen
und in den aktuellen Song einfügen. Auch den Datenexport im
WAV-Format beherrscht das AW 2816. Die maximale Kapazität der
internen Festplatte beträgt 64 GB. Aufnehmen kann man bis zu
acht Spuren gleichzeitig, so dass auch Live-Mitschnitte sinnvoll
erscheinen. Die Rekorder-Sektion des AW 2816 ist sinnvoll ausgestattet
und einfach zu bedienen. Die Rückmeldungen der verschiedenen
Display-Seiten sind eindeutig, die Seiten selbst übersichtlich
gestaltet. So wird flüssiges und intuitives Arbeiten glücklicherweise
nicht ständig durch kryptische Bezeichnungen oder verwirrende
Bildschirmdarstellungen unterbrochen.
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 6 / 2001
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