Yamaha AW 2816
Professional Audio Workstation
Von Andreas Schulz


Hochkomplexes Gerät auf Profi-Niveau: Yamaha AW 2816

Mit einem Paukenschlag stieg Yamaha zur Frankfurter Musikmesse 2001 in den Markt der Audio-Workstations ein: das "AW 4416" kombinierte das bekannte Oberklasse-Digital-Pult 02R mit einem 16-Spur HD-Rekorder und wurde so zum professionellen Standard der digitalen 16-Spur-Klasse. Nun können wir mit dem "AW 2816" einen etwas abgespeckten Ableger vorstellen, der für anspruchsvolle Heimstudio-Enthusiasten mit gut gefülltem Geldbeutel genau das Richtige sein könnte.

Man beachte: Die "AW 2816" Workstation ist kein Gerät, mit dem man eben mal zwei Gitarrenspuren aufnimmt. Die technischen Daten und die Fülle der Ausstattungsdetails sprechen eine klare Sprache: hier ist Musikproduktion auf professionellem Level angesagt. Dazu passt auch, dass ein Einschub-Slot für ein CD/RW-Laufwerk gleich integriert ist. So kann man bis zur fertigen CD alle wichtigen Produktionsschritte mit nur einem Gerät vornehmen. Im Klartext: für den Recording-Einsteiger ist dieses Gerät überdimensioniert. Die angesprochene Zielgruppe sind Musiker mit einem gewissen Maß an Studio-Erfahrung, die bereits in einer 8- oder 16-Spur-Umgebung gearbeitet haben und nun auf den neuesten technischen Stand updaten möchten. Verschaffen wir uns einen ersten ...

Überblick

Eine Audio-Workstation beinhaltet alle Komponenten, die für eine Musikproduktion benötigt werden, in einem kompakten Gerät. Folgende Sektionen verrichten unter der Haube des AW 2816 ihren Dienst:
· Ein digitaler Mixer mit 28 Kanälen und bis zu 18 Ausgangswegen
· Zwei interne Multieffekt-Prozessoren
· Eine mächtige Mixer-Automation mit Szenen-Speichern und motorisierten Fadern
· Ein 16-Spur/24-Bit Festplatten-Rekorder, der unkomprimiert aufzeichnet
· Ein interner Schacht für ein CD/RW-Laufwerk zur Daten-Archivierung und zum direkten Brennen von Audio-CDs
· Eine zusätzliche Stereo-Spur für den Master-Track
· Ein Dynamik-Prozessor für jeden Kanal
· Einen Slot für Erweiterungskarten

Anschlüsse

Sämtliche Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Insgesamt finden wir acht analoge Eingänge, von denen zwei mit XLR-Buchse und schaltbarer Phantomspeisung ausgeführt sind (wichtig für den Anschluss von hochwertigen Kondensator-Mikrofonen). Die übrigen Inputs liegen als symmetrische Klinkenbuchsen vor, Input 8 zusätzlich in einer hochohmigen Variante für den direkten Anschluss von Gitarren. Zu jedem Eingang gehört ein Gain-Regler mit warnender Peak-LED. Auf der Ausgangsseite finden wir den Stereo-Out (Cinch), einen Monitor-Out (Klinke symmetrisch) sowie vier Omni-Outputs, die intern konfiguriert werden und praktisch jedes denkbare und sinnvolle Signal ausgeben können. Natürlich gibt es auch digitale Ein- und Ausgänge in coaxialer Ausführung. Die Midi-Fraktion wird über Midi-In und Out/Thru bedient; zusätzlich gibt es einen MTC-Out, an dem nur Timecode anliegt, wodurch die Midi-Schnittstelle im Datendurchsatz entlastet wird. Anschlüsse für Fußschalter und Kopfhörer dürfen nicht fehlen, ebenso eine SCSI-Buchse (für externe CD-Brenner oder Speichermedien) und eine Computer-Schnittstelle (To-Host), die bei der Zusammenarbeit mit einem PC ein Midi-Interface ersetzt. Monitor- und Kopfhörer-Ausgang sind in der Lautstärke separat zu regeln. Insgesamt ist die beschriebene Ausstattung praxisgerecht und bietet alle Anschlüsse, die man für die tägliche Arbeit braucht. Der Option-Slot nimmt bei Bedarf Erweiterungs-Platinen für diverse im Studiobereich übliche Datenformate auf oder stellt zusätzliche Ein- oder Ausgänge bereit. Aufgenommen wird auf eine 2,5-Zoll-DIE-Festplatte; ein 20-GB-Modell von IBM war beigelegt. Darauf passen bei normaler Spurenauslastung im CD-Format (16-Bit/44,1 kHz) fast vier Stunden Musik.

Arbeitsoberfläche

Trotz der opulenten Funktionsvielfalt findet man sich recht schnell zurecht. Verantwortlich dafür ist das gelungene Design und der große Bildschirm der AW 2816. Die Aufteilung aller Bedienelemente ist übersichtlich und räumlich klar voneinander abgegrenzt. Die Auswahl des Arbeitsganges erfolgt mittels Work-Navigate mit den Unterpunkten Song, File, CD und Quick-Record. Für alle Belange des Betriebssystems und der Datenverwaltung zuständig ist Unit mit den Unterpunkten Setup, Utility, Midi und Patch. Der digitale Total-Recall-Mixer ist in der Praxis die Schaltzentrale dieser Workstation. Einen guten Zugang bieten die Tasten View (Ansicht), Pan, EQ und Dyn; weiter geht es mit der Anwahl der Aux-Wege 1 bis 6. Acht motorisierte Kanal-Fader plus der Master warten auf ihren Einsatz. Dank der Motorisierung stimmt ihre Position immer mit dem tatsächlichen numerischen Wert überein. Die beiden Stereo-Return-Wege haben je ein Endlos-Drehpoti bekommen. Die Bildschirmnavigation wird mit den Cursor-Tasten oder direkt mit den Funktionstasten F 1 bis 5 , Shift und Control vorgenommen. Die Bedienelemente des Rekorders haben samt dem Szenenspeicher und der Mixer-Automatisierung ebenfalls einen eigenen Bereich bekommen; gleiches gilt für das Laufwerk und das Transportfeld. Eine ganze Kaskade von Tastern und Reglern wartet also auf den Benutzer. Dank einer logischen Aufteilung und der gelungenen Konzeption verliert man dennoch selten den Überblick. Wer Erfahrung im Umgang mit digitalen Geräten hat, wird wissen, dass eine möglichst große Anzahl von Parametern mit eigenen Tastern/Reglern im direkten Zugriff absolut wünschenswert ist und die Bedienung vereinfacht. Als Zwischenfazit im Fach Ergonomie kann bereits jetzt die Note "sehr gut" vergeben werden. Trotzdem sollten sich potentielle Käufer eines klarmachen: bis zu einem intuitiven Umgang mit einem so komplexen Gerät ist eine längere Einarbeitungszeit nötig. Wer bisher nur mit einem 4-Spur-Cassetten-Recorder gearbeitet hat, muss enorme Anfangsschwierigkeiten in Kauf nehmen. Die allerdings sind dem AW 2816 keinesfalls negativ anzukreiden, sondern spiegeln die explosionsartige Vervielfachung der Funktionen wider.

Rekorder

Die Aufnahmeeinheit bietet 16 Audio-Spuren mit je 8 virtuellen Unterspuren, insgesamt also 128 Tracks. Dazu kommt die Stereo-Spur, auf der das fertige Master landet. Lobenswert, dass dazu keine Aufnahmespuren geopfert werden müssen. Die Daten dieser Stereo-Spur werden beim Mastering auf einer Audio-CD verewigt. Mit den Record-Select-Tasten schaltet man die Spuren scharf, kontrolliert die Pegel im Meter-Display und sieht bereits aufgenommene Parts im Track-View-Fenster. Auch die Einstellungen der V-Tracks und der Stereo-Spur sind kinderleicht: einfach die zugehörigen Funktionstaster anwählen, mit Hilfe von Cursor und Datenrad die gewünschten Einstellungen vornehmen und bei Bedarf mit Enter bestätigen, fertig. Wer Spuren bearbeiten möchte, drückt Edit und wählt dann die Bearbeitungsebene aus (Song, Spur, Part oder Region). Die jeweils zur Verfügung stehen Operationen sind umfassend und lassen keine Wünsche offen. Auch die Import-Funktionalität ist komplett: so lassen sich Daten von CD einladen oder als WAV-File einfügen. Ganze Spuren anderer Songs kann man gezielt ansprechen und in den aktuellen Song einfügen. Auch den Datenexport im WAV-Format beherrscht das AW 2816. Die maximale Kapazität der internen Festplatte beträgt 64 GB. Aufnehmen kann man bis zu acht Spuren gleichzeitig, so dass auch Live-Mitschnitte sinnvoll erscheinen. Die Rekorder-Sektion des AW 2816 ist sinnvoll ausgestattet und einfach zu bedienen. Die Rückmeldungen der verschiedenen Display-Seiten sind eindeutig, die Seiten selbst übersichtlich gestaltet. So wird flüssiges und intuitives Arbeiten glücklicherweise nicht ständig durch kryptische Bezeichnungen oder verwirrende Bildschirmdarstellungen unterbrochen.

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 6 / 2001