Referenz - Neue CDs, Viedos und Bücher

Bücher/Noten

Patrick Steinbach
„Irische Melodien für Akustik Gitarre“ (Schell Music, 36 Seiten, inkl. CD)
Erfreulich hoch war die Resonanz auf unseren letzten Gastworkshop von Patrick teinbach zum Thema „Irische Gitarrenmusik“. Scheinbar war es bislang noch wenig bekannt, dass der sympathische Guitarrero bereits eine größere Sammlung mit Lehrwerken zu diesem Genre verfasst hat. Eines dieser Werke ist der vorliegende Band. Zeitgemäß mit CD-Beilage und - dies dürfte gerade die Interessenten dieser Musik (Steelstringer und Fingerpicker) interessieren - komplett mit Noten als auch TABs niedergeschrieben. Die 15 Stücke sind auf einfachem spieltechnischen Niveau gehalten - wer bereits über Grundkenntnisse verfügt, wird ohne weiteres klar kommen mit den geschickt arrangierten Jigs, Reels, Hornpipes, Polkas und den Songs des legendären Turlough O’Carolan. Im Grunde führt lediglich der Titel des Bandes ein wenig in die Irre: es werden hier nämlich nicht nur die reinen Melodien geboten, sondern komplett polyphone (meist zwei bis vierstimmige Sätze) Fingerstyle-Arangements für die Gitarre. Spieltechnische Hinweise gibt es in diesem Band leider kaum (was allerdings bei dem Schwierigkeitsgrad der Stücke auch nicht unbedingt erforderlich ist) - dafür aber Anmerkungen und Kommentare zu den einzelnen Tunes. Im Zweifelsfall sollte man die Stücke vielleicht mit einem Lehrer durchgehen - so oder so wird man an diesen Titeln (die selbstverständlich auch auf der Konzertgitarre spielbar sind) seine Freude finden! Gregor Hilden

Peter Bursch
„Zupftechniken für Gitarre“ (Voggenreiter Verlag, 128 Seiten, inkl. CD)
Kaum ein deutscher Gitarrenlehrer hat mit seinen Gitarrenbüchern so vielen Menschen das Spielen beigebracht wie der Duisburger Musiker Peter Bursch. Etliche Profis würden vielleicht heute als Anlageberater bei der Sparkasse arbeiten, wenn es seine zu hunderttausenden verkauften Bücher nicht gegeben hätte, und wenn eben diese Lehrbücher heute namhaften Gitarristen nicht die ersten Griffe vermittelt hätten. Peter Bursch betreibt in seiner Heimatstadt eine private Schule und - wen wundert’s - schreibt immer noch regelmäßig Lehrwerke für die Gitarre. Seine unbestrittene Spezialität ist die Kunst, dem Lernenden mit ansprechend klingenden Übungen über die ersten Hürden zu helfen. Und so finden sich auch in diesem neuen Band - geeignet für Anfänger - wieder jede Menge durchdachter „Eselsbrücken“ für das Umgehen der ersten Hindernisse. Wie man etwa mit den ungeliebten Barré-Griffen klar kommt, wie aus einfachen Zupftechniken Wechselbass-Pickings gestrickt werden, wie man auf „Geschwindigkeit“ kommt, jazzige Harmonien einflechten lässt und vieles mehr. Schwerpunkt des Buches liegt auf den verschiedenen Zupftechniken - Spielarten, die einen Weg vom „Geschrammel“ hin zum konzertanten Vergnügen aufzeigen. Das Ganze ist Bursch-typisch klar gegliedert, verständlich erklärt und auf der beigefügten CD ansprechend vertont. Mit diesem Buch werden sicherlich eine Reihe weiterer künftiger Gitarrenprofis ihre ersten Spielversuche starten... -gh-


Videos

Merle Travis
„Rare Performances 1946-1981“ (60 min., DVD, Vestapol, MMP)
„Video kills the radio star“, hieß es noch Mitte der 80er-Jahre pseudokritisch in einem Pop-Song. Und bereits zu Beginn des Milleniums zeichnete sich ab, dass auch bald der Video-Star abzudanken hat: zugunsten des DVD-Heros nämlich. Den Anfang machen nun Firmen mit ersten Konzert- und Lehr-Gitarrendrehs auf diesem unbestritten hochüberlegenen Medium. Schön, dass es dabei ausgerechnet ein musikalisches Fossil ist, welches uns als eine der ersten Rezensionsmuster in der Redaktion erreicht hat: Konzertmitschnitte eines der für die Fingerpicking-Gitarre wohl einflussreichsten und wichtigsten Vertreters - Merle Travis! Unzählige Male fiel sein Name in Interviews mit namhaften Gitarristen, wenn es um deren wichtige Einflüsse ging. Und skipt man sich (ja wohl, das Spulen und Suchen auf endlosen Video-Bändern hat nun, dem Himmel sei Dank, ein Ende) durch die 19 Titel dieser DVD, wird auch klar, warum dieser Musiker einen solchen Stellenwert in der Szene genießt. Sein Spiel war revolutionär, ähnlich der Kunst seines „Schülers“ Chet Atkins, raffiniert, temporeich, vertrackt, verblüffend und inspirierend. Sehr „amerikanisch“ ist das Ganze natürlich, wenn sich Merle Travis, ganz der Cowboy, im Schwarz-Weiß-Ambiente früher Filmaufnahmen seine Lieder zum Besten gibt, oder bei späteren Aufnahmen in rustikaler „Heile-Welt-Country-Szenerie“ mit tiefer Stimme und einschlägigem Slang mit so allerhand Geschichten und „Dönekes“ aufwartet. Für Fans ist aber bereits diese Scheibe schon mal ein definitiver Grund, sich einen DVD-Player anzuschaffen. -gh-

Jim Hall
„Jazz Basics“ (60 min., Rittor Music/MMP)
Ein „passiver Teilnehmer“ ist ein Meisterkurs- oder Workshopbesucher, der zwar nicht selbst den Unterricht erhält, aber - gegen ein geringeres Honorar - dem Unterricht eines Lehrers beiwohnen darf. Das Konzept des vorliegenden Videos beruht auf genau dieser Unterrichtsform: Eine Stunde sieht man der lebenden Jazz-Legende Jim Hall dabei zu, wie er einen seiner Schüler unterrichtet. Wer es nun aber gewohnt ist, Lick für Lick mit einem üblicherweise vorhanden Begleit-Heft zum Video zu studieren, wird hier möglicherweise enttäuscht. Noten gibt es überhaupt keine - leider nicht einmal sporadische Einblendungen auf dem Bildschirm. Wer allerdings des Englischen mächtig ist und den anschaulichen Ausführungen Halls folgen kann, dürfte mit dieser Basis-Einführung in die Jazzgitarre (auf allerdings ziemlich hohem Niveau) viele wertvolle Anregungen entnehmen können. Das Thema „Blues“ wird behandelt, „II-V-I-Verbindungen werden analysiert, Fingersätze demonstriert, und - besonders interessant - Hall erzählt von seinen eigenen ersten Begegnungen mit dem Jazz und dem Pionier Charlie Christian. Dazwischen wird viel gejammt, ab und an wird auch mal das Spiel-Tempo für einzelne Beispiele gnädigerweise etwas reduziert; wer aber dieses Video nicht nur als Konzert-Mitschnitt nutzen möchte (durchaus auch ergiebig), sollte bereits über Kenntnisse im Bereich der Jazzgitarre verfügen. -gh-


Notiert - weitere Neuerscheinungen

Dass Weihnachtsfest ist vorbei - die erste Gitarre war eine schöne Bescherung - aber nun geht es darum, dem großzügigen Geschenk die ersten Töne zu entlocken... In kleinen Schritten und mit Übungen sowie Gitarren-Klassiker-Hits führt Jürgen Kumlehn den unbeleckten Anfänger zum Instrument. Knapp 200 Seiten Material, Spiel- und Übematerial bietet „Das neue Gitarrenbuch“ (AMA Verlag), das unlängst in einer aktualisierten Auflage inklusive CD erschienen ist und die verschiedensten Techniken pädagogisch geschickt erläutert.

Wer ist nicht von der Jazzgitarre fasziniert, insbesondere dann, wenn es um die unbegleitete Fingerstyle-Solotechnik geht? Das Problem ist nur, dass das spieltechnische Niveau etwa eines Joe Pass für kaum jemanden zu meistern ist. Anders bei diesem Band von Paul Musso: 18 kurze Instrumentaltitel sind in „Graded Fingerstyle Jazz Guitar Solos“ (Mel Bay/Schell Music) in Noten und TABs zu finden und auf der beiliegenden CD zu hören, die auch den Einsteiger mit Grundkenntnissen auf der Gitarre nicht überfordern werden, trotzdem aber im „amtlichen“ Sound der großen Meister erklingen. Empfehlenswert.

„Offene Stimmungen“ sind für viele Gitarristen eher ein offenes Geheimnis - insbesondere dann, wenn man sich ein wenig mit der Systematik der Materie befassen will. Das Handbuch „Open Tunings“ (Voggenreiter Verlag) von Jan Mohr und Robert Klen bietet dazu hervorragende Hilfestellung: Die wichtigsten Grundakkorde und Tonleitern von über 20 (!) offenen Stimmungen sind hier übersichtlich verzeichnet. Wer nach neuen Inspirationsquellen sucht, dürfte mit diesem kleinen, aber um so effektiveren Band gut beraten sein.

Wer sich hingegen lieber erst einmal auf die Interpretation von bekannten Gitarreninstrumentals aus verschiedenen Epochen beschränken möchte, findet in Gerd Maersmanns Sammelband „Classic Guitar Collection“ (Bosworth Edition) 40 bekannte, kurze Titel aus fünf Jahrhunderten in leichter Bearbeitung und mit TABs versehen.

Rhythmus ist neben dem Ton der wichtigste Bestandteil der Musik. Aber gerade Gitarristen ist dies oftmals nicht im vollen Umfang bewusst und arbeiten eher intuitiv am Thema Metrum. Für professionelle Unterstützung im Selbststudium kann dabei das umfangreiche Werk „Zahl und Rhytmik“ (Leu Verlag) inklusive CD von Thomas Arens sorgen, das für jeden Instrumentalisten genreübergreifend nutzbar ist. Hunderte von Übungen finden sich hier und bieten gerade auch Gitarristen eine umfassende Vertiefung der Materie.

Eine „Etüde“ ist ein ansprechend klingendes Spielstück, welches gleichzeitig dem Erlernen einer spezifischen Spieltechnik dienen soll. 22 solcher Stücke finden sich in dem Band „22 leichte Gitarren-Etüden“ (AMA Verlag) von Hubert Käppel. Hervorragend ist dabei das didaktische Konzept dieses Werkes. „Spielend“ werden die verschiedensten Gitarrentechniken erlernt - allerdings muss man die Notenschrift beherrschen, denn TABs gibt es hier keine. Wie es dann klingen sollte, demonstriert Käppel vorzüglich auf der mitgelieferten CD.

Wer nicht gerade in Nashville zu Hause ist, hat mitunter Schwierigkeiten beim Erlernen von typischen Spielweisen der „Bluegrass“-Gitarre. Abhilfe verspricht Szene-Star Russ Barenberg mit seinem aufmunternden Titel: „Teach Yourself Bluegrass Guitar“. Komplette Songs und Soli sind hier verzeichnet (Noten & TABs), und die entsprechenden Erklärungen zu den Spieltechniken (in englischer Sprache) liefert der Maestro ebenfalls mit, wie auch eine Begleit-CD mit allen Tracks. -gh-

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 1 - 2002