Open Strings 2001 in Osnabrück
Von Andreas Schulz (Text & Fotos)

Wieder einmal luden Acoustic Music Records und AKUSTIK GITARRE zum jährlichen Gitarrenspektakel in die Osnabrücker Stadthalle. Und mittlerweile scheint es sich auch unter den Freistaatlern wie auch sonstigen Europäern herumgesprochen haben, dass dieses Akustikgitarrenfestival in seiner Art etwas besonderes darstellt. Der Andrang war jedenfalls gut - und die Stimmung hervorragend.

Konzerte, Ausstellung, Workshops und ein Nachwuchswettbewerb bildeten den Rahmen für das klangvolle Vergnügen - und doch ist es - neben dem großen Angebot - vor allem auch das Treffen der Musiker und Musikinteressierten, welches den Reiz dieses Festivals ausmacht. Profis treffen auf Amateure, Gitarrenfans auf Gitarrenfans und Hersteller auf Endkunden. Prima Atmosphäre also - und wer’s verpasst hat, sollte sich den Termin für das nächste Jahr nicht entgehen lassen.
Hier nun ein kleiner Überblick zur Ausstellung und zu den Konzerten im Rahmen der „Open Strings“. Viel Vergnügen.

Aus der Werkstatt von Albert & Müller kommen hervorragende, handgebaute Instrumente mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei den Open Strings in Osnabrück konnte man einen Blick auf das Programm der beiden Gitarrenbauer werfen. Die Steelstring-Serie (S 1 bis S 6) kommt in verschiedenen Korpusformen und Optionen (Preise von 3100,- bis 6500,- DM); modifizierte Halsbreiten, Mensur-Längen und die Lefthand-Ausführung gibt es sogar ohne Aufpreis, eine 12-String-Version des jeweiligen Modells muss mit 450,- DM bezahlt werden. Auch die sinnvoll aufgebaute Klassikserie mit CL, CL 1, CL 2 und CL 4 dürfte viele Gitarristen ansprechen (Preise zwischen 2600,- und 7200,- DM; Aufpreis für Cutaway 700,- DM).

Alvarez führt das bekannte Programm von Yairi weiter. Angeboten wird eine breite Palette von Steel- und Nylonstrings. Praktisch alle Korpusformen und Holzkombinationen sind vertreten, Besonderheiten sind die „AD 65 CE“ (eine Archtop-Jazzgitarre) und der „RB 30 C“ (ein Cutaway-Jumbo-Bass). Die Preise liegen moderat zwischen 795,- und 1650,- DM.

Andreas Cuntz ist ein junger Gitarrenbauer, der konsequent ein eigenständiges Design verwirklicht. Seine Steelstring-Acoustic „CWG-23“ ist mit Cutaway und auf Wunsch abgestimmten Tonabnehmer-Systemen prädestiniert für Bühne und Studio (DM 3250,-). Auch an Akustikbässe hat er sich gewagt. Ergebnis: „CAB-4“ und „CAB-5“ als 4- bzw. 5-Saiter in der Ausführung Fichte/Padouk (DM 3900,-). Gut gelungen auch ein Weissenborn-Nachbau für DM 3250,-.

Dean, früher ausschließlich auf dem E-Gitarrensektor aktiv, bietet ein umfangreiches Akustik-Programm. Neben Variationen bekannter Modelle aus der traditionellen Ecke bauen die Jungs auch eigenständig-modernistische Gitarren. Besonders auffallend: die Contour-Serie mit abgerundeten Korpuskanten, massiver Fichtendecke, Mahagoni-Korpus und vier auffälligen Lackierungen in rot, blau, schwarz und weiß (650 €). Weitere Dean-Serien: „Stylist“ (Jazzgitarren), „Exotica“ (typische Cutaway-Bühnengitarre), „Tradition“ (Dreadnought-Modelle) oder „Performer“ (Cutaway-Jumbo). Weiter im Programm: Nylonstrings, Resonator-Gitarren und Akustikbässe.

In Waldems baut der Zupfinstrumentemacher-Meister Henning Doderer seine Gitarren. Im Programm finden sich Konzertgitarren (Schülerinstrumente von DM 1300,- bis 2500,-; Meistergitarren von DM 3500,- bis 9500,-), Mandolinen (DM 2100,- bis 4500,-), Steelstrings (z.B. Ahorn/Fichte DM 1850,- oder Palisander/Fichte DM 2100,-). Ein Leckerbissen sind die Django-Modelle, die sich am Selmer-Original orientieren (DM 2800,- bis 4500,-). Spezialitäten lassen sich ebenfalls entdecken, so eine Sitar-Gitarre und ein auffällig gestalteter Akustikbass mit 4 bis 6 Saiten (ab DM 2600,-).

Die Rahmengitarren von Frame erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Angeboten werden die Modelle „Classic“, „Modern Classic“ (mit schmalerem Hals) und „Steelstring“. Neu im Programm: eine „Seven-String-Classical-Guitar“ für alle, die ihren Bassisten arbeitslos machen wollen. Sinnvoll konzipiert ist auch die „Jazz-Frame“, die das bekannte akustische Tonabnahme-System um einen magnetischen Pickup ergänzt (Preise von 3600,- bis 4660,- DM; bei allen Modellen besteht eine Midi-Option!).

Im Vertrieb der GEWA befinden sich die Cort-Gitarren, die sich in den letzten Jahren in Modellvielfalt und Qualität beständig weiterentwickelt haben. Mit der „NTL-CE Custom“ spricht der Hersteller nun auch professionell orientierte Bühnenprofis an. Das Instrument ist vollmassiv aus Engelmann-Fichte und Palisander gebaut und besitzt ein Ebenholz-Griffbrett. Weitere Ausstattung: Cutaway, Fishman-Matrix-Pickup, Prefix-Plus-Preamp. Preis: 1450,- €. Interessante Acoustic-Amps kommen von Kustom (ebenfalls im GEWA-Vertrieb). Die Modelle „KAA 30“ und „65“ haben jeweils zwei Kanäle und einen Digital-Effekt (Preis: 540,- bzw. 780,- DM).

Die wichtigste Neuheit aus dem Hause Godin konnten AKUSTIK-GITARRE-Leser bereits exklusiv in der letzten Ausgabe kennenlernen: die „Multiac-Jazz“, eine Semi-Solid-Acoustic aus der „Multiac“-Serie mit integriertem Jazz-Pickup. Die Multiac- und die bekannte A-Serie sind inzwischen so flexibel ausgebaut, dass für jeden Geschmack etwas dabei sein dürfte (Preise ab DM 2350,-).

Die Gitarren von Stefan Hahl aus Mudershausen (bei Limburg) wussten bei Tests in AKUSTIK-GITARRE ebenso zu gefallen. Für das Open-Strings-Festival hatte er eine Auswahl von Jazzgitarren, Steelstrings, Nylonstrings und Django-Modellen mitgebracht, die von den Besuchern gewürdigt wurden. Die einzelnen Details der Hahl-Gitarren kann der Gitarrist individuell aus einer Vielzahl von Möglichkeiten zusammenstellen.

Der Gitarrenbaumeister Hartmut Hegewald arbeitet in Bönen/Westfalen und baut nur acht bis zehn hochwertige Instrumente pro Jahr. Er orientiert sich an der spanischen Bauweise und empfiehlt seinen Kunden vor dem Neubau eine individuelle Beratung.

Die Vintage-Experten von Henkes & Blazer waren besonders stolz auf ihr Modell „Milwaukee“, das als Custom-Gitarre in allen gewünschten Hölzern als hochwertiges Einzelstück gebaut werden kann. Preis: ab DM 8000,-. Eine Reihe von außergewöhnlichen, schönen und raren Sammlerstücken aus verschiedenen Jahrzehnten waren ebenso an ihrem Stand zu bewundern

Auch in Finnland werden hochwertige Gitarren gebaut. In Osnabrück bewies dies Markku Henneken. Neu sind die „Concerto“-Nylonstring-Modelle mit Ahorn- oder Mahagoni-Korpus und Fishman-Prefix-Plus-Tonabnehmer (ca. DM 5200,-). Eine noble Archtop-Gitarre ist die „Royale-Blue-Special“, die mit ca. 7400,- DM zu Buche schlägt.

Der deutsche Vertrieb Gitarren-Consult Hohdorf vertreibt ausgesuchte amerikanische Instrumente, u.a. von Thompson, Gallagher, Everett, Ryan oder Soloette. Diese Gitarren sind in Deutschland sonst nur schwer zu bekommen (Preise ab DM 4950,-). Die Soloette-Reisegitarre gibt es mittlerweile in den drei Ausführungen „Classic“, „Hybrid“ und „Steelstring“, letztere mit Padouk-Body und Graphit-Hals (Preise zwischen DM 1790,- und 2550,-).

In Hamburg arbeitet die Gitarrenbaumeisterin und Diplom-Designerin Annabelle Kießig. Ihr Programm umfasst verschiedene Klassik-, Flamenco- und Django-Modelle. Alle Instrumente bestehen aus vollmassiven Hölzern und werden in der Regel mit einer Schellack-Lackierung versehen. Auffallend sind die individuell designten zackigen Rosetten. Preis: ab DM 5000,- inkl. Koffer

Martin Seeliger von Lakewood präsentierte u.a. das M-Cherry-Sondermodell (DM 4000,-). Diese Gitarre ist massiv aus Fichte/Kirschbaum gebaut, hat einen Mahagoni-Hals, ein Ebenholz-Griffbrett und Abalone-Inlays um das Schallloch.

Selbstverständlich waren auch die irischen Instrumente von Lowden in Osnabrück vertreten. Neugierig waren viele Gitarristen auf das in AKUSTIK-GITARRE bereits getestete „Pierre-Bensusan-Signature-Model“.

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 1 - 2002