"Vor
der Markteinführung schon im Museum"
Künstlerischer Gitarrenbau und Computertechnologie - ist das
nicht ein Widerspruch
in sich? Sicher stoßen wir mit dieser Frage in einen sensiblen
Bereich vor, aber vielleicht muss man da auch einfach nur ein paar
überkommene Vorurteile hinterfragen und darf sich nicht gleich
durch Reizwörter abschrecken lassen.
Skepsis ist in vielen
Gesichtern zu lesen, sobald das Thema der mikroelektronischen Bearbeitung
von Bünden und der allgemeinen Optimierung eines beliebigen
Halsprofils mittels eines softwaregesteuerten Roboters auf den Tisch
kommt, denn genau darum geht es bei Plek profile. Dabei stellt die
hochsensible Technologie, die von einem kleinen Berliner Team nach
den Ideen und Entwürfen des Konstrukteurs und Gitarristen Gerd
Anke entwickelt und zur Serienreife geführt wurde, überhaupt
keinen Widerspruch im Sinne der künstlerischen Wertigkeit einer
Gitarre dar. Es geht einzig und allein um die Feinjustierung eines
gegebenen Halses einer beliebigen Gitarre im Hinblick auf die verwendete
Saitenstärke, die individuelle Spielweise und die gewünschte
Saitenlage. Jedes Instrument soll so zu einem Optimum an Schwingungsfreiheit,
damit auch Klangreinheit und Bespielbarkeit geführt werden,
das durch eine Abrichtung mit dem Auge nicht erzielt werden könne,
da es sich - so Plek - um 100stel Millimeter im Verhältnis
jeder einzelner Saite zu den jeweiligen Bünden in der idealen
Halskrümmung handelt. Nicht nur der VDI (Verband Deutscher
Ingenieure) war von dem eindrucksvollen technischen, aber auch wirtschaftlich
aussichtsreichen Konzept überzeugt und gab Mittel für
die Entwicklung frei, auch das Berliner Musikinstrumentenmuseum
unterstützte die aufstrebende Firma durch den prompten Ankauf
des Prototyps der Maschine als wegweisende Neuentwicklung im Bereich
der Instrumentenfertigung sowie eines ebenfalls von Gerd Anke konstruierten
Stroboskops zur Darstellung der Saitenschwingung für seine
ständige Ausstellung. Rückendeckung bekam man ebenfalls
von wissenschaftlicher Seite. Prof. E. Meinel von der FH Zwickau,
Studiengang Musikinstrumentenbau, bezeichnete die Plek-Technologie
als eine "viel versprechende Entwicklung zur Qualitätsverbesserung
von Bundinstrumenten" für handgearbeitete Künstlerinstrumente
wie auch für den Einsatz in der Serienproduktion.
In verschiedenen zentralen Musikgeschäften arbeiten die Plek-Roboter
bereits mit Erfolg, Sondierungsgespräche zum Einsatz in der
Instrumentenproduktion könnten zu bedeutenden neuen Tendenzen
führen, und zu guter Letzt ist nun auch vom Patentamt der USA
die Patenturkunde ausgestellt worden. Das Gleiche gilt für
Kanada und Mexiko. Servicemaschinen werden, wie es scheint, in Kürze
in London aufgebaut, und noch im ersten Quartal 2001 ist mit der
Installation des ersten Plek-Roboters in den USA zu rechnen. Grund
genug also, sich diese Entwicklung doch einmal etwas genauer anzuschauen.
Was also ist dran am Plek-System?
Geschäftsführer Bernd Steinmeyer und Konstrukteur Gerd
Anke berichteten in den Betriebsräumen in Berlin über
Anstöße und Umstände, die zur Entwicklung der Arbeitsmethoden
und technischen Realisation der innovativen Maschinen geführt
haben. Sie demonstrierten mit der Bearbeitung einer Steelstring
Acoustic die Arbeitsweise ihres feinfühligen Roboters.
Die Idee
Ein persönliches Ärgernis mit der Abrichtung des Halses
seiner Gitarre durch einen angeblichen Fachmann brachte Gerd Anke
vor mehr als zehn Jahren zu dem Entschluss, sich selbst einmal näher
mit den Möglichkeiten einer objektiv besseren und nachprüfbaren
Methode der Halsbearbeitung zu befassen. Als gelernter Werkzeugmacher
war Gitarrist Anke bald in die Entwicklung abenteuerlicher Vorrichtungen
eingetaucht, die alle nur dem einen Zweck dienten, die Schwingungsfreiheit
der Saiten auf dem Hals einer Gitarre zu verbessern. Merkwürdige
Apparaturen wuchsen nun bald mangels Platz auf dem Teppich vor dem
Bett des inzwischen von Ehrgeiz getriebenen Erfinders in die Höhe,
und mit Hilfe seines Neffen Thomas, von Haus aus Physiker, der sich
mit der Entwicklung der nötigen Software und Steuerlogik auseinander
setzte, ging es stetig Schritt für Schritt voran. Viele Einzelprobleme
- von der dreidimensionalen Vermessung des Griffbretts unter Saitenspannung,
also unter Spielbedingungen (!), mittels eines Sensors über
die Visualisierung der Messwerte auf dem Bildschirm bis hin zur
Konstruktion feinmechanischer Apparaturen zum sensiblen Beschleifen
der Bünde - galt es zu lösen, um eine verlässliche
und das Material schonende automatisierte Prozedur zu entwickeln.
.....
Plek-mobile
Inzwischen stehen und arbeiten die Plek-Roboter in verschiedenen
Musikläden gut verteilt über die Bundesrepublik, um einen
flächendeckenden Service zu gewährleisten. Vor Ort gibt
es immer einen geschulten Plek-Operator, der über Modem mit
der Berliner Zentrale in ständiger Verbindung steht. Diese
Vernetzung hilft, jegliches Problem zu lösen, da die engen
Toleranzwerte, in denen der Plek-Roboter sich feinfühlig bewegt,
für Grenzfälle - einen stark verzogenen Hals etwa - gelegentlich
verändert werden müssen. Chefkonstrukteur Gerd Anke kann
in einem solchen Fall direkt in den laufenden Vorgang einbezogen
werden und auf diesem Weg jederzeit für Abhilfe sorgen.
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 1 /2001
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