History

Johnny Shines (John Ned Shines) 25.04.1915 - 20.04.1992

Von Ralf Bauer

Die Bedeutung eines einzelnen Musikers kann durchaus an verschiedenen Punkten festgemacht werden. Ein Hit in den Charts oder die Komposition eines echten Klassikers können dabei ebenso den Ausschlag geben wie langjährige Kontinuität und epochen-übergreifende Präsenz in der Szene.

Johnny Shines war sicherlich ein Vertreter letzterer Kategorie - ein Musiker, dessen Wurzeln uneingeschränkt im Mississippi Delta Blues verankert waren und der dennoch über weite Strecken an der Weiterentwicklung des Blues mitwirkte.
Geboren in Frasyer (Frazier), einem Vorort von Memphis, verbrachte Shines den überwiegenden Teil seiner Kindheit und Jugend in dieser Gegend. Abstecher ins nahe gelegene Arkansas auf Grund diverser Familientrennungen und -zusammenführungen waren dabei zumeist von kurzer Dauer. Sein erster wichtiger musikalischer Einfluss war Howlin' Wolf, den er 1932 in Arkansas traf. Begeistert von dessen Intensität übernahm Shines zu Beginn seiner Karriere den Namen "Little Wolf", den er gleich lautend auch als Titel aufnahm (Biograph BCD 121). Der wesentlich tiefgreifendere Einfluss ergab sich jedoch aus der Bekanntschaft zu Robert Johnson im Jahr 1934/1935 in Helena/Arkansas. Bei gemeinsamen Touren durch den Süden wie auch nach Chicago, New York, New Jersey, Texas, Kentucky, Indiana Detroit und Kanada entwickelte sich zwischen den beiden eine relativ enge Freundschaft, soweit der unstete Charakter Johnsons dies zuließ. Nach Johnsons Tod entschied sich Shines schließlich 1941, nach Chicago zu ziehen. Er ging einem regulären Job nach und spielte am Abend in den aktuellen Clubs auf der South Side in verschiedenen Besetzungen und zumeist als Sideman. Die ersten Aufnahmen unter seinem eigenen Namen wurden während der späten 40er und frühen 50er Jahre für Columbia, Chess und J.O.B. eingespielt, der größere Teil davon blieb jedoch zunächst unveröffentlicht. Diejenigen Aufnahmen, die unmittelbar in den Handel kamen, wurden unter dem Namen "Shoe Shine Johnny" veröffentlicht. Während der 50er Jahre war Shines auf unzähligen Recordings und Club-Gigs als Begleitmusiker zu hören, ohne dabei je persönlich ins Rampenlicht zu treten. Enttäuscht darüber und auf Grund von Ärger über nicht entrichtete Tantiemen schwor Shines letztlich 1958 der Musik ab und veräußerte sein komplettes Instrumentarium. Der Club-Szene in Chicago und seinen bisherigen Weggefährten wie Homesick James, Sunnyland Slim oder Walter Horton blieb er jedoch als Fotograf allabendlich erhalten.
Mike Rowe entdeckte ihn schließlich Mitte der 60er Jahre wieder, und kein geringerer als Sam Charters verpflichtete ihn sogleich für neue Aufnahmen. Die Vanguard-Produktion "Chicago: The Blues Today" führte Shines mit großem Erfolg zurück ins musikalische Geschäft. Ein neues Projekt von Willie Dixon, die "Chicago All Stars", band Shines in der Gesellschaft von Walter Horton, Lee Jackson und eben Willie Dixon in diese legendäre Formation ein.

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 1 / 2001