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"Contemporary
Acoustic Fingerpicking"
Der Münchener Johannes
M. Herrmann ist wohl im besten Sinne das, was man unter
einem echten "Gitarrenfreak" versteht. Nicht nur die Musik
ist bei ihm "handgemacht" - auch sein "Werkzeug",
ein umfangreiches Gitarren-Instrumentarium, hat der 39-Jährige
entworfen und selbst gebaut.
Ein großes Talent
bewies der gelernte Gitarrenbauer Johannes M. Herrmann dabei auf
beiden Gebieten. Bereits seine erste CD "Escape", erschienen
1995, bringt ihm eine Menge nationaler Resonanz sowie hervorragende
Kritiken ein. Zu Recht! Der Gitarrist präsentiert sich hier
als wahrer Individualist, der zwar seine Grundlagen im traditionellen
Fingerpicking eines Leo Kottke verinnerlicht hat, darüber hinaus
aber eben eine interessante eigene musikalische Stimme gefunden
hat. Eine Musik, die er selbst mit dem Begriff "Contemporary
Acoustic Fingerpicking" wohl passend beschreibt. Ebenso wie
die Kollegen Alex DeGrassi oder der tragisch verstorbene Michael
Hedges führt Johannes M. Herrmann sein Gitarrenspiel auf eine
sehr atmosphärische Ebene .
Stimmungsvolle Klangbilder entstehen mit seinen Eigenkompositionen
- allesamt übrigens gänzlich im Alleingang eingespielt.
Raue und ausgedehnte Bottleneck-Improvisationen und -Arrangements
sind nur eines seiner Markenzeichen. Herrmann beherrscht das traditionelle
Fingerpicking mit groovenden Wechselbässen ebenso aus dem Effeff
wie das Flatpicking-Spiel mit dem Plektrum sowie das anspruchsvolle
perkussive "Two-Hand-Tapping", bei dem die rechte Hand
auf dem Griffbrett liegt und die Linke für das Greifen der
Töne eingesetzt wird. Dadurch wird ein verblüffender pianoähnlicher
Effekt erzeugt. Eigentlich kann man beim Hören einer Herrmann-CD
kaum sicher sein, was denn wohl als Nächstes kommen mag! Eine
meditative Sitar-Gitarren-Nummer mit Einflüssen aus der indischen
Tradition hört man etwa auf "Escape", um im Anschluss
daran in eine wunderschöne traditionelle Picking-Ballade einzutauchen.
Ein gewaltiger 12-String-Picking-Orkan in bester Kottke-Manier wirbelt
im nächsten Moment aus den Boxen, während man sich im
nächsten Track auf den Spuren von Ry Cooders "Paris Texas"-Harmonik
wähnt. So unterschiedlich Spiel- und Kompositionstechniken
bei ihm auch sind, die Musik, die Herrmann mit Hilfe seiner "Guitar
Gallary" (seines umfangreichen Instrumentariums an vornehmlich
Steelstring-Instrumenten) einspielt, wirkt keineswegs zusammenhangslos
zusammengewürfelt oder gar - was man vielleicht an dieser Stelle
vermuten könnte - wie der alberne Versuch eines Gitarristen,
sich als Alleskönner zu profilieren (gibt's schließlich
...). Nein, Herrmanns Kompositionen sind von Seriosität gezeichnet.
Von einer Ernsthaftigkeit, die mit ihrer geballten Melancholie vielleicht
sogar bei dem ein oder anderen Hörer zuweilen den Wunsch nach
etwas mehr Humor aufkommen lassen könnte. So zumindest nach
dem Hören der zweiten, 1996 erschienenen CD "Everglades"
mit ihren hauptsächlich düsteren - deswegen aber nicht
minder interessanten (!) - Klangbildern und Melodien.
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Gregor Hilden
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 1 /2001
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