Vorgestellt


Von einem, der auszog ...

Luka Bloom: USA - Irland und zurück!

„Hi, ich bin Luka Bloom, und ich würde gerne hier spielen“ - dies sind die Gedanken eines nicht übermäßig bekannten irischen Singer-Songwriters, der im Jahre 1987 aus einer Höhe von 10.000 Metern aus dem Fenster seiner EL-104 Jumbo auf Amerika schaut.

Luka Bloom brauchte eine Weile. Sowohl, um sich an den Klang seines neuen Namens zu gewöhnen, als auch, um im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum erfolgreichen und gefragten Künstler aufzusteigen.
Genau mit den eingangs erwähnten Worten stellte sich Bloom - übrigens der Bruder des bekannten irischen Sängers Christy Moore - eine Woche später im College Club „Dylan’s“ vor. Die direkte und offene Art des Musikers überzeugte den Clubbetreiber, und für die nächsten zehn Monate war der erste Job gesichert: jeden Montag Abend ein Gig im Dylan’s. Luka Bloom: „Ich sang aus vollem Halse vor Leuten, die keine Ahnung davon hatten, dass ich mich zu Hause in den letzten elf Jahren bereits schwer abgemüht und schon drei Alben veröffentlicht hatte.“ Mit mäßigem Erfolg allerdings. Sowohl das Publikum als auch die Musikerkollegen zeigten sich in Irland wenig beeindruckt von dem ehrgeizigen Sänger und Gitarristen, der mit seinen poppigen und rockigen Stücken nicht so recht in das Bild eines traditionellen irischen Musikers zu passen schien. „Not macht erfinderisch“, sagt Bloom. Und nach dem Motto „Neues Land, neues Publikum, kein Gepäck“ ging es auch schon in Richtung Übersee.
Nach der ersten erfolgreichen Phase zog es Bloom schließlich dorthin, wo gemeinhin das Mekka der Musiker gelegen sein soll: zum „Big Apple“ New York. Das „Red Lion“, eine schlichte Bar an der Bleeker Street, bekundete Interesse an dem rührigen Reisenden und verpflichtete Bloom ebenfalls für ein wöchentliches Gastspiel. „Es war eine schöne Zeit des Entdeckens und des Entdecktwerdens“, erzählt der Sänger. Ein wenig Glück war dann auch noch im Spiel, als schließlich die irischen Folk-Rocker „The Poques“ bei Bloom anfragten, ob er sich vorstellen könnte, als „Special Guest“ mit auf USA- und Kanada-Tour zu gehen. Direkt danach kamen auch schon die „Hothouse Flowers“ mit dem gleichen Anliegen, und ehe er sich‘s versah, wurde Bloom vom Branchenriesen Warner Chappell ein lukratriver Plattenvertrag angeboten: „Publishing, Management, Agenten, Publizisten inklusive ...“!

Das Ergebnis des Aufschwungs war die erste US-CD „Riverside“ - „... und damit ging der Spaß erst richtig los“, erzählt Bloom. Nicht nur in den USA und in Kanada tourte Bloom nun unter eigenem Namen, auch Reisen nach Holland, Belgien und in die Schweiz wurden von der Plattenfirma organisiert. Von seinen musikalischen Wurzeln, dem Irish Folk, hatte sich Bloom nun deutlich abgesetzt. Die Rockmusik beherrschte vielmehr sein Repertoire, das aber nach wie vor solo zur Gitarre vorgetragen wurde. Spektakuläre Auftritte dürfen in dem Genre freilich nicht fehlen. So etwa 1991 beim niederländischen Pink Pop Festival, als Luka Bloom vor 65.000 begeisterten Zuschauern während einer Show von Lenny Kravitz mit dem Fahrrad die Bühne entert, um dann mit dem US-Rocker gemeinsam einzustimmen („Bloom: „ziemlich aufregend“). Ein Jahr später erschien die zweite CD „The Acoustic Motorbike“, die prompt in verschiedenen Ländern die Charts erklomm. Unter anderem auch in Australien - dem nächsten Tourziel von Bloom. Vielleicht ein wenig zu viel des Trubels für den eigentlich sensiblen Musiker, der 1995 schließlich sein letztes Album in den USA aufnahm: das introvertierte und nachdenkliche „Turf“. „Es war ein passendes Ende für meine Phase in Amerika. Ich wollte nun wieder in der irischen Landschaft umherstreifen, mir die dortige Luft wieder um die Nase wehen lassen und mich auf etwas vorbereiten, was ein Merkmal meines Lebens zu sein scheint: den Neuanfang!“.
„Träumerische Songs für Träumer“, so beschreibt Bloom die Musik von seinem neuen Album „Salty Heaven“. Stücke, die „nur in dieser Landschaft entstehen konnten“. Hier schließt sich der Kreis auch wieder zu den irischen Roots in musikalischer Hinsicht, wenngleich dem Weltreisenden die kosmopolitischen Einflüsse durchaus anzumerken sind. Luka Blooms Musik spricht daher auch eine breite Hörerschaft an: Junge Rockmusik-Fans ebenso wie Folkis und Pop-Hörer. Und das ist doch schon eine ganze Menge für einen, der auszog ...

Gregor Hilden