WS Acoustic Blues 6-07: ‚St. James Infirmary‘ von Norbert Roschauer


Die Ursprünge des Klassikers ‚St. James Infirmary’ liegen im Dunkeln, der Komponist ist unbekannt. Man nimmt an, dass ein irischer oder englischer Folksong Grundlage für die Überlieferungen bot. Louis Armstrong nahm diesen Song im Jahre 1928 auf. Es folgten bis heute zahlreiche Interpretationen, etwa von Billie Holliday, Arlo Guthrie, Janis Joplin, Van Morrison, Joe Cocker, Eric Clapton, den White Stripes und vielen anderen. Zahllos wie die Interpretationen sind auch die überlieferten Textversionen.

Die Tonart ist D-Moll. Das ist ungewöhnlich, denn die meisten alten Songs stehen in Dur-Tonarten. Des Weiteren sind die Strophen sehr kurz. Sie bestehen ursprünglich aus acht Takten. In unserer Bearbeitung ist ein zusätzlicher Takt angefügt. Ich habe mich bei der vorliegenden Version von einem Arrangement des kürzlich verstorbenen Gitarristen Chris Jones anregen lassen und dessen Harmonik aufgegriffen.

Wir spielen ‚St. James Infirmery‘ im Dropped-D-Tuning. Dazu stimmen wir die sechste Saite um einen Ganzton tiefer nach D, die anderen Saiten behalten ihre Tonhöhe. Dieses Tuning ist für das Stück gut geeignet, da durch die tiefe D-Saite ein wuchtiger und voller Klang entsteht. Eingeleitet wird der Song von einem Oktavlauf, den wir mit Slides und Aufschlagsbindungen verzieren. Dieser Lauf beendet auch Strophe und Solo. Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zupfen die Melodielinien. Die Akkorde während der Strophe kann man mit Ab- und Aufschlägen des Zeigefingers (genannt Brushing) erzeugen. Alternativ kann man auch mit drei Fingern der rechten Hand zupfen. Die Arpeggien über sechs Saiten im Solo machen wir mit dem Daumen, der dabei kraftvoll über alle Saiten streichen muss. Die Strophe endet in Takt 11 mit einem Perkussionston. Dazu schlagen wir mit der Handkante der rechten Hand über dem Schallloch auf die Saiten, so dass ein Geräusch ähnlich einer Snaredrum erklingt. Anschließend steigen wir mit einem langen Glissando des Zeigefingers der linken Hand in das akkordisch geprägte Solo ein. Bei dem Basslauf in den hohen Lagen von Takt 17 muss man aufpassen, dass man die Saiten nicht zu sehr in Richtung der höheren Saiten verzieht, da dies unweigerlich Intonationsprobleme zur Folge hat. Kurz vor dem Schlussakkord werden wir langsamer und machen eine kleine Zäsur, bevor wir den letzten jazzig klingenden Akkord anschlagen. Das Arrangement klingt auch auf einer zwölfsaitigen Gitarre sehr gut.

Viel Spaß und viel Erfolg wünscht

Norbert Roschauer

... der vollständige Text incl. Noten und Tabs befindet sich in Heft 6/07 ab Seite 113. Aktuelle Ausgabe bestellen...