Wer sagt denn, dass Globalisierung immer nur die Konzerne bereichert? Ein ganz neues Beispiel für weltumspannende Zusammenarbeit hat durchaus ein gutes Ende: Ein italienischer Gitarrist bedient sich einer Gitarrentechnik, die in den Südstaaten der USA von afroamerikanischen Autodidakten kultiviert wurde, um die keltisch inspirierte Volksmusik Irlands für ein deutsches Platten-Label einzuspielen - und zwar auf einem Typ von Gitarre, wie er von den Nachkommen eines aus Sachsen ausgewanderten Gitarrenbauers in Pennsylvania entwickelt wurde.
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| Franco Morone: Auf dem Weg zum symphatischen Gitarrenglobalismus |
Zöge man nun auch noch die Hölzer der Gitarre in Betracht, käme Franco Morones neue Platte als zauberhaft unschuldige, weltweite Kooperation daher. Wer den freundlichen Gitarristen kennt, weiß, dass ihm ein solches Gedankenspiel durchaus gefallen würde. Er selbst hat einmal betont, dass er sich mit der Gitarre nicht nur als einem intimen und schönen Instrument identifiziert, sondern auch mit dessen Rolle in der Protest-, Freiheits- und Friedensbewegung im Gefolge von Woody Guthrie, Joan Baez und Bob Dylan.
Wer ihn kennt, wird aber überrascht sein von der Stilrichtung seines neuen Werks. Zumindest angesichts der Bandbreite, die der gelernte Jurist von der mittleren Adriaregion bisher entfaltet hatte: Er hat in Lehrbüchern überaus kompetent Blues und Jazz für die Fingerstyle-Gitarre vermittelt, auf seinem Debüt bei Acoustic Music Records als charmant-mediterrane Mischung aus Alex DeGrassi und Leo Kottke eine sonnige Kollektion von Eigenkompositionen geboten und diesen Ruf auf weiteren Alben zwischenzeitlich durch immer stärkere Verwendung italienischer Volksmusikmotive ausgebaut. Wer ihn da schon auf dem Weg zu einer ganz neuen Synthese zwischen europäischer Folklore und amerikanischem Fingerstyle sah, wurde indes überrascht von zwei gänzlich traditionellen Alben: ‚The South Wind’ war eine Produktion mit irischen Melodien für die Fingerstyle-Gitarre, während sich ‚Italian Fingerstyle Guitar’ fast logisch aus Morones hingebungsvollem Feilen an Arrangements für Perlen aus der Volksmusik seiner Heimat ergab.
THE ROAD TO LISDOONVARNA
Warum aber dann jetzt noch einmal ein irisches Album, wenn Fingerstylisten von Pat Kirtley bis John Renbourn, von Duck Baker und Pierre Bensusan bis Tony McManus die Grüne Insel bereits abgegrast haben? Und Morone das Gelände mit ‚The South Wind’ doch selbst schon abgesteckt hatte? Der Italiener hat sein neues Album ‚The Road To Lisdoonvarna‘ lange geplant und auf zwei Gedanken aufgebaut. Der eine bestand darin, neu arrangierte irische Melodien aufzunehmen, die er live schon seit einiger Zeit spielt. Der andere war, drei Titel von ‚The South Wind’ neu einzuspielen. Und zwar sogar recht bekannte. Dieses Risiko des Selbstzitats ging er ein, um eine Vorstellung davon zu vermitteln, „dass sich in dem gleichen Musikstück mit der Zeit etwas verändern kann, wie überhaupt alles im Leben. Das kann man schon akzeptieren, wenn sich wirklich etwas getan hat, wie zum Beispiel beim Tuning, Tempo oder den Akkordvoicings.“
Was hat sich denn konkret verändert? Die Art des Arrangierens? Aufnahmetechnik? Nein: „Man wird natürlich mit den Jahren erfahrener“, so Morone. „Und ich hoffe, dass ohnehin jede CD besser wird als die vorherige. ´The South Wind´ war hauptsächlich ein pädagogisches Werk; ich bin dabei etwas strenger und ernsthafter mit den Vorlagen umgegangen. Bei ‚The Road To Lisdoonvarna’ kann man eher den Eindruck von Live-Musik mitnehmen. Es ist mehr Gefühl im Spiel, ich habe mir mehr Freiheiten genommen. Für diesen Live-Eindruck habe ich auch an Arrangements gearbeitet, die kräftiger und voller ausfallen. Trotzdem, leicht ist es so oder so niemals, ein Sologitarrenalbum mit Volksmusik zu veröffentlichen. Besonders, weil auch eine Sologitarrenplatte eine gewisse Bandbreite in Klang und Melodien bieten sollte.“
... der vollständige Text befindet sich in Heft 6/07 ab Seite 50!  |