Workshop Songbegleitung: Bob Dylan von Jens Hausmann

Was soll ein Workshop zur Gitarrenstilistik eines Song-Poeten wie Bob Dylan schon Neues bringen? Doch gerade wenn die Musik auf einfache Elemente reduzierbar ist, lassen sich wunderbar kleine Kniffe und Anregungen ableiten und womöglich auf andere Stücke übertragen. Die Quelle unserer vier Beispiele ist die CD ‚Bob Dylan Greatest Hits’ (CBS/Sony 1967).

Während Dylan bei bluesig-rockigen Stücken gern lange und intensiv auf einem Akkord bleibt (etwa G7 bei ‚Maggie’s Farm’), greift er bei Folk-orientierten Stücken gern auf Techniken mit kleinen Bassläufen aus dem Country-Bereich oder aufs Travis-Picking zurück. Darum wird es uns heute gehen.


Abbildung 1 zeigt eine typische Sequenz aus dem wohl bekanntesten Dylan-Song ‚Blowin’ In The Wind’, dessen Strophe bei den meisten Cover-Versionen auf eine übersichtliche 8-Takte-Form wie folgt gebracht wird: G-C-G-Em|| G-C-D-D ||. Bei dreimaliger Wiederholung pro Strophe kommt es so leicht zu nicht endender Gleichförmigkeit. In Dylans Originalversion gibt es den e-Moll-Akkord so gut wie gar nicht, die beiden Takte D-Dur kommen nur im mittleren Durchgang. Das D-Dur mit A im Bass des dritten Takts wird jeweils durch den Durchgang über C mit B im Bass vorbereitet. Insgesamt hält sich Dylan weitgehend an seine Akkordfolge, spielt aber keinen Durchgang gleich. Gerade auch durch das geschickte Angleichen der Refrains an die Strophen nimmt er dem Hörer die Möglichkeit, die Musik auf Anhieb in vier- und achttaktigen Sequenzen zu verstehen. Das ist einer der Gründe, der insbesondere die frühen Aufnahmen zu völlig spontan wirkenden, lebendig fließenden Stücken macht, ein Luxus, den er sich bei den späteren Band-Aufnahmen immer weniger gönnen mochte. Um das Beispiel in der Originaltonart D-Dur spielen zu können, verwendete Dylan einen Kapo im siebten Bund.

Abbildung 2 zeigt das Ende der Strophe von ‚The Times They Are A-Changing’. Im von Dylan häufig bevorzugten Dreiviertel-Takt kann man hier den charakteristischen Basslauf von D nach G nachvollziehen. Der kurze D-Dur Akkord auf der dritten Zählzeit im elften Takt wurde aus späteren Versionen entlehnt und ist in der ursprünglichen akustischen Fassung nicht enthalten.

In Abbildung 3 geht es um den Anfang der Strophe von ‚It Ain’t Me Babe’. Der erste Akkord ist ein um zwei Bünde verschobenes offenes C-Dur, was ein erweitertes D-Dur ergibt. Die leere E-Saite ist die None, die leere G-Saite bringt die Quarte bzw. 11 ins Spiel. Ähnliches erreicht Dylan später in der Strophe mit einem verschobenen A-Moll-Akkord, der zwei Bünde höher zum Bm11 mit A im Bass wird. Charakteristisch für diese Musik ist der Vorhalt über G, der sich im achten Takt durch das C-Dur mit G im Bass ergibt. Ohne das Pendeln mit Quart-Sext-Vorhalten kommt man bei den alten Folk- und Rocksongs nicht aus.

Die letzte Abbildung (4) bezieht sich auf eine Adaption der Bandversion von ‚I Want You’, bei der der E-Gitarren-Part nahezu eins zu eins auf akustische Gitarre übertragen wurde. Stilistisch ist das Ergebnis eng mit Stücken wie ‚Don’t Think Twice It’s Alright’ verwandt. Das immer wiederkehrende melodische Motiv in der Oberstimme ergibt einen interessanten Kontrast zu der auch hier wieder abwärts geführten Basslinie und dem beinahe auf einem Ton bleibenden Gesang. Der jeweils letzte Ton der Triolen am Ende sollte möglichst mit dem vierten Finger gegriffen werden, um schnell genug zum C zu kommen. Falls dabei zu arge Schwierigkeiten auftauchen, lässt sich leicht auf die beiden Basstöne verzichten. Die Original-Tonart F-Dur erhält man mit Kapo im fünften Bund.

... der vollständige Text incl. Noten und Tabs befindet sich in Heft 6/06 ab Seite 114. Aktuelle Ausgabe bestellen...

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