Er war schon ein rauer Geselle, dieser Huddie "Leadbelly" Ledbetter. Wegen Vergewaltigung saß er im Zuchthaus, wo er von John Lomax entdeckt wurde. Er war aber nicht nur Blues-Musiker, sondern hatte in seinem Repertoire auch Folksongs, Cowboy-Balladen und die Schlager seiner Zeit. Also alles, was ein Unterhaltungskünstler damals für seinen Beruf benötigte. Durch sein reichhaltiges Repertoire wurde er zum Vorbild nicht nur für schwarze Musiker wie Sonny Terry und Brownie McGhee, sondern auch für weiße Songwriter wie beispielsweise Woodie Guthrie mitsamt der Folk-Bewegung der Sechzigerjahre.
Kennzeichnend für sein Gitarrenspiel sind die treibenden Bassläufe, die er auf einer zwölfsaitigen Stella spielte. Dies unterscheidet ihn von seinen Kollegen, die eine Six-String verwendeten und macht sein Spiel auch für heutige Gitarristen interessant. Durch das tiefe Tuning und die lange Mensur klingt sein Instrument voll und rund. Leadbelly stimmte seine Stella meist eine Quarte tiefer. Oft stimmte er auch nur eine kleine Terz nach unten.
Genau diese Stimmung benötigen wir für unseren Workshop. Das Tuning ist also: C# - F# - H - E - G# - C#. Beim Spielen in höheren Lagen können dadurch Tuning-Probleme auftreten. Bei den beiden Beispielen bleiben wir aber im unteren Bereich des Griffbrettes. Leadbelly stimmte die drei oberen Saiten abweichend von heutigen Gebräuchen unisono, beim sechsten Saitenpaar stimmte er die Oktavsaite sogar zwei Oktaven höher. Er verwendete einen Daumen- und einen Fingerpick. Wer keine besonders starken Fingernägel hat, sollte es ebenso machen. Auch der Gebrauch eines Plektrums kann sinnvoll sein.
Abb.1 zeigt die Walkingbass-Begleitung des ‚Good Morning Blues’. Außer in Takt 10 greifen wir vollstimmige Akkorde. Die Greiffinger der Basstöne müssen dann allerdings hoch genommen werden, die Finger auf den hohen Saiten bleiben liegen. Die Basstöne spielen wir mit dem Daumen, die Akkordtöne mit Aufschlägen des Zeigefingers. Bei Plektrumgebrauch spielen wir die Bässe mit Abschlägen und die Akkorde mit Aufschlägen.
In Abb. 2 sehen wir, wie Leadbelly bei ‚Midnight Special’ etwas ausgefeiltere Basslinien spielt. Auch hier gehen wir von vollstimmigen Akkorden aus. Die Achtel im zweiten und dritten Takt spielen wir aus klanglichen Gründen nur mit Abschlägen. Es macht nämlich einen hörbaren Unterschied, ob man beim Anschlag eines Saitenpaares zuerst die tiefe Saite oder zuerst die Oktavsaite anschlägt. Ausprobieren!
Zum Abschluss unserer kleinen Twelve-String-Reihe gibt es das nächste Mal noch etwas komplexere Beispiele von Leadbelly. Bis dahin wünsche ich viel Spaß und viel Erfolg!
... der vollständige Text incl. Noten und Tabs befindet sich in Heft 6/06 ab Seite 109. 
Track 13-24 der Akustik Gitarre Begleit-CD  |