In Australien ist er ein Star der Independent-Szene. In Amerika wandert er durch Wüsten und surft ansonsten durch die Wellen der Weltmeere. Ohne Surfbrett, aber mit vielen Gitarren und seiner neuen CD im Gepäck besuchte er Deutschland und machte sich hier neue Freunde.
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| Xavier Ruud: Kraftbursche & One-Man-Band |
Singer-Songwriter sind schon ein seltsames Völkchen. Individualisten, wohin man auch blickt. Allein schon der große Alte, „his Bobness“! Der gehört schon seit Jahrzehnten zu den großen Mysterien. Und seit die Suche nach dem „neuen Dylan“ begonnen hat, ist sein Schatten größer denn je. Doch Xavier Rudd fällt es nicht schwer, aus diesem Schatten heraus und ins pralle Sonnenlicht zu treten.
Denn Rudd fühlt sich Dylan nicht besonders verbunden. Der junge blondhaarige Mann aus Torquay, an Australiens Süd-Ost-Küste gelegen, mag denn auch viel lieber Paul Simon. Und im Moment strahlt die Sonne mit besonderer Kraft vom Firmament, so dass das anberaumte Treffen ausfällt. Rudd wandert durch die Wüste in Nevada, und Telefone versagen in solch einem Hitzkessel. Zwei Tage später klappt es dann, allerdings nicht wirklich besser. Der Australier gibt sich als Mann von Einsilbigkeit, mit Antworten, die zwischen einem „Ja“ und einem „Nein“ nicht viel Bewegungsraum eröffnen. „Kannst du uns etwas über dein Gitarrenspiel erzählen?“ Er könnte schon, tut’s aber nicht. Die Erkenntnis drängt sich auf, dass Rudd auf alle Fälle ein recht eigensinniger junger Mann ist. Aber so soll es ja auch sein, oder?
Glücklicherweise gibt’s eine neue CD von ihm. Und glücklicherweise hat Rudd die Unwirklichkeit amerikanischer Wüsten alsbald gegen die Wirtlichkeit einer heimeligen Club-Tour durch Deutschland getauscht. Soviel Glück gibt es selten, aber Fortunas Freigiebigkeit entspricht durchaus dem sonnigen Gemüt des Musikers, das sich nicht eintrüben lässt von den Widrigkeiten der Weltgeschichte und dem Schmutz auf dem Fußboden eines schummrigen Kölner Clubs, den er barfuss und wohlgemut auf dem Weg zum Interviewsofa durchquert.
Zurück zur Wirklichkeit
`Food In The Belly’ heißt das aktuelle Album des Australiers, der in seiner Heimat mittlerweile als feste Größe der Singer-Songwriter-Szene gilt. „Die Natur ist so schön! Überall auf der Welt wirst du einen Platz finden, der sehr schön ist. Ich bekomme jedenfalls oft wahre Adrenalinschübe, wenn ich in der freien Natur bin“, strahlt er, bietet ein Glas klares Wasser an und sieht, braungebrannt, blondhaarig, muskulös und eben barfuss, recht gesund aus. Selbst der Schmutz an seinen Füßen, den er sich während des Gesprächs aus den Zwischenräumen seiner Zehen puhlt, sieht ... wenigstens genauso dreckig aus wie bei einem Berufspessimisten!
Als Singer-Songwriter wird man gemeinhin in eine bestimmte Ecke gestellt. Kritisch, düster, todesmutig oder zumindest tief melancholisch. Xavier Rudd ist just das Gegenteil von allen diesbezüglichen Vorurteilen. Er sieht nicht nur aus wie ein typischer Sunnyboy, der sich prima aufs Surfen versteht – er surft tatsächlich. Und nicht zufällig gilt eine seiner ersten Fragen der aktuellen Wellenlage an der Nordseeküste. Ob es möglich sei, dort zu surfen? Passend zum sportlich-sonnigen Gemüt fällt die Antwort auf die Frage aus, ob der Albumtitel ‚Food In The Belly’ eine Antwort auf Bob Marleys 1975er [...]
... der vollständige Text befindet sich in Heft 6/06 ab Seite 56!  |