In der jüngeren Zeit verblüffen immer mehr junge Musiker aus Osteuropa die klassische Gitarrenszene mit stupender Technik und einer Musikalität, die ihre Wurzeln in der hochmusikalischen Tradition ihres Heimatlandes hat. Einer von ihnen ist Evgeni Finkelstein, dessen immenses spieltechnisches Reservoir noch von seiner Hingabe an die Musik, vor allem die zeitgenössische Gitarrenmusik Russlands, übertroffen wird.
Auf seinem ersten Soloalbum ‚The Fall of Birds’ spielte Evgeni Finkelstein ausschließlich Musik russischer Komponisten ein. Neben mehrerer Werke seines Lehrers Nikita Koshkin, welcher inzwischen längst internationalen Ruhm und Ansehen genießt, stellte er Werke von Komponisten vor, die außerhalb Russlands kaum bekannt sind. So kann man auf dieser CD nicht nur das souveräne Spiel eines hervorragenden Gitarristen genießen – der Hörer wird auch eingeladen, Musik zu entdecken, die verhaftet ist mit der Volkskunst des großen Landes und aus der die Leidenschaftlichkeit der russischen Seele herausklingt.Mittlerweile ist Evgeni Finkelstein selbst Lehrbeauftragter an seiner alma mater, der Musikfachschule Alfred Schnittke in Moskau (vormals Fachschule Oktoberrevolution). Er konzertiert in beinahe allen Ländern der früheren Sowjetunion und häufig auch im westlichen Teil Europas. Trotz seines gefüllten Terminkalenders findet der sympathische Musiker noch Zeit für lange Telefongespräche zu vorgerückter Stunde. Und eben dabei gab er bereitwillig Auskunft zu seinem musikalischen Werdegang, seiner Arbeit und der Situation der Gitarre in Russland.
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| Voller Hingabe an Musik und Instrument: Evgeni Finkelstein |
Evgeni, wie bist du zur Gitarre gekommen?
Evgeni Finkelstein: Ich stamme aus einer Familie von Nichtmusikern. Abgesehen von meinem Onkel, der russische Volkslieder zur Gitarre gesungen hat, machte niemand Musik. Mein Vater ist Mathematiker. Auf die Gitarre wurde ich durch meinen Onkel und kurioserweise durch Hard Rock und Heavy Metal aufmerksam. Ich wollte Lead-Gitarrist in einer Heavy–Metal-Band werden. Klassische Gitarre war überhaupt kein Thema. Meine Mutter nahm allerdings meinen Wunsch, Gitarrist zu werden, sehr ernst; so verschaffte sie mir mit Alexander Frauchi einen sehr guten Lehrer, in Russland einer der führenden Pädagogen. Nachdem ich ihm erklärte, dass Angus Young der beste Gitarrist der Welt sei, war er nicht etwa voller Ablehnung. Stattdessen war er freundlich und demonstrierte mir, wie eine klassische Gitarre klingen kann und welch wunderbare Musik man darauf spielen kann.
Das war noch in deiner Musikschulzeit?
IIn Russland ist die Musikausbildung dreigliedrig: Die Musikschule für den Elementarunterricht, eine höhere Musikschule zur Vorbereitung auf die Hochschule und schließlich die Hochschule selbst. Nach und nach, auf der höheren Musikschule wurde die klassische Gitarre natürlich immer wichtiger. So sehr, dass ich unbedingt Gitarre studieren wollte. Aber das gab innerhalb der Familie nicht wenige Vorbehalte. Meine Mutter, die mich immer mit aller Kraft unterstützt hat, sprach gewissermaßen das entscheidende Machtwort. So kam ich zur Moskauer Musikfachschule Alfred Schnittke.
... der vollständige Text befindet sich in Heft 6/05 ab Seite 120! 
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