Freitag ist
Musiktag!
So lautet die beschwingte
Botschaft der diesjährigen
Berliner Popkomm. Dahinter
steht, nüchtern betrachtet, eine
neuerliche Kampagne zur Rettung
der daniederliegenden Tonträgerindustrie.
Nach 30 Jahren beim
Vinyl und 22 Jahren bei der Compactdisc
kommen die neuen Tonträger
nun freitags in den Handel statt bislang montags.
Weil man,
so Gerd Gebhardt, Vorsitzender der
deutschen Phonoverbände, am
Samstag entspannt einkaufen gehen
könne. Der Gedanke ist legitim.
Aber sehr kurz gedacht. Wer
den schnellen Erfolg sucht, wer
nur auf die Single-Charts blickt
und auf Downloads abzielt, muss
mit jedem Tag rechnen. Weil jeder
halbgare Retorten-Act bereits bei
Erscheinen vom nächsten Trend
gejagt wird und verblüffend
schnell in Vergessenheit gerät.
Gute Musik dagegen ist zeitlos und
hat auch nach Jahren noch Bestand.
Egal, ob sie Freitag oder
Montag ausgeliefert wurde. Für uns
ist Musik jedenfalls noch immer
eine Herzensangelegenheit und
kein „Produkt“. Musik besitzt Qualität,
Güte, Emotion und einen über das rein Ökonomische hinausgehenden
Wert. Weshalb wir uns
besonders freuen, Ihnen die
amerikanische Songwriterin Tracy
Chapman als Titelthema präsentieren
zu dürfen.
Doch nicht nur Erfreuliches gibt es
an dieser Stelle zu berichten.
Gleich zwei tragische Todesfälle haben uns und die gesamte Gitarrenszene im September erschüttert.
Eric Roche, dessen
außergewöhnliche Musikalität
und Ausstrahlung im Interview in
Ausgabe 4-05 begeisterte, hat
seinen Kampf gegen den Krebs
verloren. Er verstarb am 6. September.
Wir würdigen diesen
großartigen Musiker mit einem
Workshop, der sein DADGAD-Arrangement
von ‚The Water Is
Wide’ präsentiert.
Ebenso erschüttert hat uns der
plötzliche Tod von Chris Jones.
Der sympathische Gitarrist gehörte
mit seinem Duo-Partner Steve
Baker zu den eindrucksvollsten
Persönlichkeiten des zeitgenössischen
Blues. Er verstarb am 13.
September. Wir widmen Chris
Jones in dieser Ausgabe einen
Nachruf und featuren einen Song
des posthum erscheinenden Albums ‚Gotta Look Up’ als Bonus-Track auf unserer CD.
Haben Sie schon mal eine
Twelvestring in der Hand gehabt?
In unserer Teststrecke präsentieren
wir zwei aktuelle Viel-
Saiter von Takamine und möchten
alle Gitarristen auffordern,
sich gleichfalls mit diesem
Instrumententyp zu befassen.
Außerdem im Test: Zwei interessante
Modelle der großen
Traditionsfirmen – die Martin SD-
28 Slope-Shoulder-Dreadnought
und die Gibson J-45
Roundshoulder-Jumbo.
Musikindustrie die Zweite!
Leider können wir den im letzten
Heft angekündigten Joe-Satriani-
Workshop nicht bringen, da es
unmöglich war, beim deutschen
Sub-Verlag kurzfristig und unbürokratisch
eine Abdruckgenehmigung
zu bekommen.
Schade. Dafür werden sich
viele Leser genau so über Eva
Cassidys Version von ‚Fields Of
Gold’ freuen.

Andreas Schulz & Stefan Woldach |