Angenehm: Ayers Steelstring „DS“ von Franz Holtmann


Der vietnamesische Hersteller Ayers bietet auch oder gerade im unteren Preissegment Gitarren mit einem beachtlichen Preis-/Leistungsverhältnis. Das sollte jedoch nicht nur den beginnenden Spieler interessieren, denn Instrumente wie die DS Steelstring sind nicht nur günstig zu haben und vollständig aus massiven Hölzern gefertigt - viel wichtiger noch: sie tönen gut.
Ayers „DS“
Harmonisches Klangverhalten: Ayers „DS“

Kopf von Ayers ist der Chinese Cheng Fa Huang aus Taiwan und der war gut beraten, als er für die Modellentwicklung und Fertigungsoptimierung seiner Gitarrenproduktion den erfahrenen australischen Luthier Gerard Gilet ins Boot holte. Der gab also den Kurs vor, aber den Rest, den erledigen die Vietnamesen aus Bien Hoa bei Ho Chi Minh Stadt seitdem dank historisch gewachsener Erfahrungen mit dem Gitarrenbau während der langen französischen Besatzungszeit, sowie ihrer enormen handwerklichen Fähigkeiten ganz allein.

Konstruktion
Wie erwartet, so steht das D der Ayers DS natürlich für Dreadnought, jenem beliebten Gitarren-Design also, das immer noch zuallererst mit einer „Westerngitarre“ assoziiert wird. Die ganze äußere Erscheinung ist von der Reduktion auf das Wesentliche geprägt und das ist bei Gitarren bekanntlich immer noch das Holz. Der Korpus besteht aus massivem Mahagoni, dessen aus zwei Teilen schlicht, aber spiegelgleich gefügter und gut gewölbter Boden ganz ohne Bindings auf die Zargen trifft. Auch die Decke aus zweigeteilter, leicht „haselig“ gezeichneter Sitka-Fichte von guter Qualität und feiner Maserung ist ohne Randstreifen direkt auf die Zargenränder gesetzt. Decke wie Boden zeigen aber eine schöne Verrundung der Kanten, was neben der rundum warm-weichen Lackierung für ein sehr angenehmes Gefühl sorgt, sobald man die Gitarre in die Hand nimmt. Um das allgemeine Erscheinungsbild nicht zu spartanisch ausfallen zu lassen gab man dem Schallloch doch noch einige Ringeinlagen zu. Dem von Hand angenehm rundlich profilierten Mahagonihals wurde wie üblich die obere Kopfplatte, als auch der untere Halsstock angesetzt. Das Griffbrett aus Palisander trägt 20 akkurat bearbeitete mittelstarke Bünde in seinem leichten Radius und ein gedoppeltes A aus Abalone als Einlage im 12. Bund (also doch noch etwas Zierrat). Kleine Dots auf der Sichtkante sorgen für eine sichere Lagenfindung. Der Kopf ist mit einem kräftigen Furnier aus schön gezeichnetem Palisander belegt – soviel schlichte Eleganz darf sein – und mit dem handgesägten Ayres-Logo aus Perlmutt versehen. Die Saiten werden leicht gespreizt über den Sattel aus Knochen zu großen gekapselten Mechaniken geführt. Die laufen butterweich und sorgen für eine leichte Stimmbarkeit des Instruments. Übrigens sind alle Hälse bei Ayers-Gitarren aufgeschraubt, eine Methode die heute gang und gäbe ist (Taylor) und kaum Nachteile für die Klangeigenschaften, aber Vorteile für den Service bietet. Der Steg aus Palisander trägt eine kräftige Knocheneinlage, die einen differenzierten Schliff aufweist, also für eine Kompensation der unterschiedlich starken Saiten im Verhältnis zu ihrer leicht differierenden Mensur sorgt. Der obligatorische Blick durch das Schallloch zeigt durchweg saubere Arbeit, wie auch dem gesamten Instrument akkurate Fertigung bescheinigt werden muss.

Spiel- und Klangeigenschaften
Der Grundklang der Ayers DS ist gekennzeichnet durch ein angenehm warmes Timbre, das sich rund um die zentralen Mitten ausbreitet. Dazu gesellt sich eine transparente, dabei harmonisch bestens interagierende Stimmlichkeit mit sonnigen Höhen und kompakt geschlossenem Erscheinungsbild im Akkord. Das zusammen lässt schon auf Anhieb keinen Zweifel an der guten Substanz der Gitarre aufkommen. Der Ton entfaltet seine Kraft schnell und präzise, lässt fast vergessen, dass er von Mahagoni reflektiert wird. Dieses eher weiche Holz sorgt allerdings bei aller Frische und Präzision doch auch für jenen Schuss Wärme, die das Klangbild angenehm rundet und sich über die Korpusvibrationen auch auf direktem Wege dem Spieler mitteilt. Offen klingt der Akkord aus dem Schalloch hinaus, stellt im Abklang schöne Farben aus dem leichtfüßig einschwingenden Obertonangebot heraus. Der Bass zeigt eine insgesamt sehr gut dosierte Artikulation, was dem allgemeinen Klangbild eine durchaus bemerkenswerte Geschlossenheit verschafft. Dabei agieren die tiefen Saiten fraglos souverän, geben ausreichendes Fundament, ohne aber dominieren zu wollen und verfügen über eine gute Kontur, die einzelne Noten präzise abbildet. In Hinsicht auf das solistische Melodiespiel sind wohl kleine Abstriche zu machen, da die Tonlänge in den höheren Lagen etwas nachlässt und die tief gehaltene Saitenlage bei kräftigem Anschlag Nebengeräusche provoziert.

... der vollständige Text befindet sich in Heft 6/04 ab Seite 60! Aktuelle Ausgabe bestellen...

Technische Details
Hersteller Ayers
Herkunft Vietnam
Typ Dreadnought Steelstring
Modell DS
Mensur 645 mm
Decke Sitka-Fichte, massiv
Boden und Zargen Mahagoni, massiv
Hals Mahagoni
Griffbrett Palisander
Anzahl der Bünde 20
Hals-Korpus-Übergang 14. Bund
Halsbreite Sattel 43,2 mm
Halsbreite 12. Bund 54,0 mm
Steg Palisander
Sattel und Stegeinlage Knochen
Finish rundum matt lackiert
Mechaniken großer gekapselter Typ
Preis ca. € 699,- inkl. Softcase