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Es gibt nicht viele Musiker, die einen derart prägnanten Sound geschaffen
haben, wie die kalifornischen Folk-Pioniere Crosby, Stills, Nash &
Young. Unverwechselbar ihre Songs, Stimmen, Harmonien und Arrangements.
Nach 28 Jahren haben David Crosby und Graham Nash, zwei Viertel des legendären
Kleeblatts, erstmals wieder ein gemeinsames Album aufgenommen. Vorhang
auf zur Zeitreise.
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| „Ein Musiker, der sagt, sein
Leben müsse sich im Aufruhr befinden, um arbeiten zu können,
lügt! |
Flowerpower, Love & Peace und Freedom
waren die Schlagwörter der ausgehenden Sechzigerjahre, Autoren wie
Timothy Leary und Jack Kerouac avancierten zu Kultfiguren der Hippie-Bewegung.
In dieser Atmosphäre lernen sich die beiden Musiker David Crosby
und Graham Nash kennen, beide musikalisch „vorgebildet“ durch
die Byrds und The Hollies. Pikanterweise findet das folgenreiche Treffen
im Haus von Joni Mitchell statt. „Beim ersten Musik machen“,
berichtet Crosby später, „schlug mir das Herz bis zum Hals.
Es war das Richtigste, was ich je gehört hatte.“ Was folgt,
ist Musikgeschichte: Grammys, Woodstock, Hall of Fame. Aus den Hollies,
den Byrds und Buffalo Springfield entsteht 1968 das bekannteste Folk-Quartett
der Welt: Crosby, Stills, Nash & Young. 1969 mit einem Grammy dekoriert
und seit ihrem Auftritt beim legendären Woodstock-Festival vor allem
als kritische Kommentatoren ihrer Zeit berühmt geworden, sangen sie
über Reizthemen wie Kriegstreiberei, Rassenhass, Generationskonflikt,
Liebe und Leben. Songs wie ´Love The One You´re With´
und Alben wie ´Déjà Vu´ und ´4 Way Street´
werden zu Klassikern, die die Aufbruchstimmung der Flower-Power-Generation
formuliert und ihr aus dem Herzen spricht. Parallel sorgen die Protagonisten
der Folk-Supergroup nicht nur in wechselnden Konstellationen, sondern
auch Solo für Furore, legten aber auch aufgrund ausgeprägter
Egoismen und tief schwelender Streitigkeiten immer wieder lange Pausen
ein. Zuletzt nahm man 1991 das Album „Looking Forward“ auf.
Als Duo haben Graham Nash (geb. 2. Febr. 1942) und David Crosby (geb.
14. Aug. 1941) bisher drei Alben eingespielt.
Auch heute noch entwickelt Crosby, der Mann mit der stattlichen Leibesfülle,
dem mächtigen Walrossbart und dem verschmitzten Blick, einen erstaunlichen
Enthusiasmus, wenn es ums Musik machen geht. Besonders mit seinem „buddy“
Graham Nash, mit dem er nach 28 Jahren das schlicht betitelte Album „Crosby
& Nash“ eingespielt hat. Dass dies ein Doppelalbum mit 20 Tracks
wurde, darf als Beleg dafür gewertet werden, dass die beiden Folk-Oldies
noch immer eine Menge Spaß zusammen haben. Kann man auch hören.
David, seit eurem letzten Album sind fast 3
Jahrzehnte vergangen. Wie alt oder neu sind die Stücke? Sind das
neue, vergessene oder unveröffentlichte Tracks?
David Crosby: 95 Prozent der Songs sind
brandneu. Lediglich „My Country ´Tis Of Thee“ hatte
ich früher schon mal veröffentlicht. Die einzigen alten Songs
sind „Samurai“, der schon seit Jahren bei mir in der Schublade
liegt, aber nie aufgenommen wurde, und Graham hatte „Palm Tree“
und „Other Side Of The Town“, die er schon vor Jahren schrieb.
Alle anderen Lieder haben wir in den vergangenen Monaten zusammen ausgearbeitet.
Es war, kreativ betrachtet, ein tolles Jahr für uns.
Dies ist euer drittes gemeinsames Album. Was
hattet ihr euch vorgenommen, was für ein Bild, was für ein Konzept,
hattet ihr im Kopf?
David Crosby: Nun, wir sind seit jeher
der Meinung, dass man ein Album nur dann aufnehmen sollte, wenn man von
allen Songs überzeugt ist. Als Graham und ich darüber nachdachten
und uns gegenseitig Ideen vorspielten, wussten wir: Wir sind in der komfortablen
Position ein tolles Album anzugehen. Wir hatten genug Zeit im Studio und
stellten dort sogar fest, dass die Aufnahmen derart schnell gingen, dass
wir am Ende 20 Stücke aufgenommen hatten! Wir gingen danach zu unserer
Plattenfirma und meinten, wir hätten da ein Problem - zu viele Songs.
Aber die sagten sofort: Dann macht eben ein Doppelalbum!
Mit „Don´t Dig Here“ und „They
Want It All“ zeichnet ihr ein düsteres Bild über die Reichen
und Mächtigen Amerikas. Versteht ihr euch noch immer als soziales
Gewissen Amerikas?
David Crosby: Wir versuchen es. Ich finde
nicht, dass es unser wichtigster Job ist. Aber es ist ein wichtiger Teil
davon. Wir sind eben wie Troubadoure oder Narren, die den Mächtigen
entgegenhalten: ‚Schaut mal her! Das hier ist verdammt noch mal
nicht in Ordnung!’ Wir suchen uns keinen bestimmten Standpunkt aus
und graben nicht nach Brennpunkten und Konflikten. Wir reagieren nur auf
die Welt, die uns umgibt.
In den Sechzigerjahren wart ihr Idole der damaligen
Generation und hattet eindeutige Botschaften: Freiheit, Liebe, Frieden.
Welche Botschaft transportieren Crosby & Nash heute?
David Crosby: Wir stehen für die gleichen
Werte wie damals: Freiheit der Meinungsäußerung, Freiheit,
sein Leben so zu leben, wie du es für richtig hältst, Freiheit
gegen seine Regierung zu rebellieren, die Freiheit, die Gesellschaft zu
verändern, die Freiheit, unsere Kinder vor Leid zu schützen.
Du hast kürzlich gesagt: „Ich schreibe
heute meine besten Songs, singe besser als je zuvor und war auch noch
nie so zufrieden.“ Sind Schmerz, Leid, Sorgen und Schuld Antriebsfedern
anspruchsvollen Songwritings?
David Crosby: Das sehe ich überhaupt
nicht so. Ich glaube vielmehr, dass Künstler das oft als Ausrede
dafür benutzen, ein Lotterleben mit Drogen und Alkohol zu feiern.
(lacht) Alles nur Ausreden! Ein Musiker, der sagt, sein Leben müsse
sich im Aufruhr befinden, um arbeiten zu können, der lügt! Er
braucht eine Entschuldigung. Ich kann nur sagen: Je ruhiger und organisierter
mein Leben verläuft, desto besser geht es mir, und um so bessere
Songs schreibe ich auch.
Obwohl dir auch in Zeiten deiner eigenen Drogensucht
hervorragende Stücke gelungen sind...
David Crosby: (grinst) Oh ja, sicher. Es
sind zum Teil ganz gute Songs in den wilden Zeiten entstanden.
Damals wie heute ist in euren Songs eine Vielzahl
an Melodien verwoben, durch die Akkordverbindungen, Melodielinien und
die Harmonien im mehrstimmigen Gesang. Wie arrangiert ihr eure Songs?
David Crosby: Gar nicht! (lacht) Das ist
ja das Gute! Wir lassen es einfach passieren. Derjenige von uns, der sich
für die Lead-Stimme befähigt fühlt, fängt einfach
an, der andere probiert die zweite Stimme. Das läuft instinktiv.
Wir arbeiten nun schon unser gesamtes Leben mit mehrstimmigem Gesang.
Wir planen nicht. Wir hören zu. Und daraus entwickeln sich zweite
Stimmen, Gegenmelodien, Akkorde. Wenn wir es mögen, machen wir weiter.
Wenn nicht, probieren wir etwas anderes. Weder Graham noch ich sind ausgebildete
Musiker. Keiner von uns kann Noten lesen oder schreiben.
Denkt ihr zuerst an Gesang oder an Gitarren?
David Crosby: Das hängt davon ab.
Grundsätzlich ist beides möglich. Ich wünschte, ich könnte
dir eine spannendere Antwort geben. Aber die Wahrheit ist, dass unser
Songwriting auf allen nur denkbaren Möglichkeiten basiert.
Ihr habt früher grundsätzlich live
aufgenommen. Galt diese Philosophie auch diesmal, angesichts moderner
Produktionstechniken?
David Crosby: Wenn du Magie einfangen willst
– etwas, das wirkliche Kommunikation zeigt – dann musst du
deine Geschichte erzählen, so lange sie frisch ist und die Spannung
des Zusammenspiels transportiert. Daran haben wir seit den Anfangstagen
hart gearbeitet.
Die Songs klingen sehr „laid back“,
es wirkt, als seinen die Aufnahmen völlig mühelos entstanden...
David Crosby: Das ist genau das richtige
Wort! Es war eine der unkompliziertesten Aufnahmen, die ich erlebt habe.
Es ging alles unglaublich schnell. Ich musste mal an einem Nachmittag
zum Zahnarzt. Als ich zurückkam, hatte Graham einen Song fertig geschrieben
und bereits mit den Jungs aufgenommen!
Du hast in den Sechzigerjahren eine Martin D-18
und eine D-45 gespielt, deine beiden wichtigsten Bühnengitarren.
Besitzt du sie noch?
David Crosby: Sicher. Ich habe sie auch
auf diesem Album gespielt. Die D-45 auf fast allen Songs, dazu eine McAlister,
die Roy McAlister persönlich für mich gebaut hat. Diese Gitarre
habe ich auf dem „How Does It Shine“ gespielt. Daneben kam
noch meine Olson-Gitarre zum Einsatz. Olson ist ein exzellenter Gitarrenbauer,
der unter anderem die Instrumente für James Taylor baut.
... der vollständige Text befindet sich
in Heft 6/04 ab Seite 26! 
Diskografie
Crosby & Nash:
Whistling Down The Wire 1976, Wind On The Water 1975, Crosby & Nash
1972
David Crosby Solo:
Live 2000, King Biscuit Flower Hour – Live 1999, It´s All
Coming Back To Me Now 1995, Oh, Yes I Can 1989, If I Could Only Remember
My Name 1971.
Graham Nash Solo:
Songs For Survivors 2002, Innocent Eyes 1986, Earth & Sky 1980, Wild
Tales 1973, Songs For Beginners 1973.
Crosby, Nash & Stills (And Young):
Looking Forward 1999, After The Storm 1994, Live It Up 1990, American
Dream 1988, Daylight Again 1982, CSN 1977, So Far 1974, Four Way Street
– Live 1971, Déjà Vu 1970, Crosby, Stills & Nash
1969
David Crosby & Graham Nash: „Crosby – Nash“, 2004,
Sanctuary
Es geht auf die Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts zu, zurück
zu Love, Peace & Freedom. Dort treffen wir auf die Woodstock-Veteranen,
inzwischen in Würde ergraut, aber nicht minder engagiert, wenn es
darum geht, politisch oder umweltbewusst Stellung zu beziehen. Auch musikalisch
hat sich – Kritiker befürchten es, Fans hoffen es – so
gut wie nichts verändert: Akustische Folksongs, herrlich in Szene
gesetzt (wundervoll hier „Lay Me Down“ oder auch das Traditional
„My Country ´Tis Of Thee“) überzeugen mit sehr
direkten, offenen und traumhaft perligen Gitarrensounds. Da klingt einfach
die ganze Erfahrung durch, das wirkt, ausgewogen, dynamisch, wohl temperiert
und einfach unnachahmlich „laid back“. Obendrauf gibt’s
dann das Markenzeichen – den typischen Satzgesang, samtig und unverkennbar,
wie man ihn auch von CSN&Y kennt. Fans früherer Alben wie „Déjà
Vu“ oder „4 Way Street“ dürften angesichts der
wunderbaren Handarbeit begeistert sein. Ob der Zeitsprung, oder besser
gesagt, der Generationssprung gelingt, bleibt offen. Die zu spät
Geborenen, die Love-Ins, Flowerpower und die Hippie-Bewegung nur vom Hörensagen
kennen, werden die rüstigen Folkies wohl eher nicht erreichen. Aber
wer weiß?
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