Joscho Stephan, 27, zählt zu den herausragenden Gitarristen des Gipsy-Swing, jener faszinierenden Musik, die untrennbar mit einem großen Namen verbunden ist: Django Reinhardt. Neben Biréli Lagrène gilt der Mönchengladbacher Meistergitarrist als legitimer Kandidat für die Thronfolge Djangos, als berufener Erbe und Hüter des Grals.
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| Joscho Stephan: Immer was los auf der Gitarre |
An einem sonnigen Sommernachmittag treffen wir den gut gelaunten Virtuosen zu einem Gespräch an einem außergewöhnlich schönen Ort: Der Casa Nuova in Figline Valdarno, fünfundzwanzig Kilometer südlich von Florenz in der Toskana gelegen. Umgeben von hauseigenen Weinbergen und Zypressen gibt Joscho Stephan für die Mediterranean Music School Unterricht in Sachen Gypsy-Swing. Auf dem Tisch liegt selbst erstelltes Lehrmaterial zu dem Django-Klassiker ,Nuages’. Akkorde in Diagrammform, Chord-Charts, ein originales Django-Solo als Tabulaturskizze.
Auf deiner Pressemappe prangt zuvorderst ein großer Satz: Joscho Stephan verkörpert die Zukunft der Gipsy Jazz Gitarre! Wie gehst du damit um?
Joscho Stephan: Locker. Zum einen ist es eine Ehre, wenn eine Zeitschrift wie das amerikanische Acoustic Guitar Magazine so etwas druckt, geschrieben von keinem Geringeren als Bill Millkowski, einem der renommiertesten Jazz-Journalisten der Vereinigten Staaten. Mir hat gefallen, dass er verstanden hat, wie ich mit dem Erbe Django Reinhardts umzugehen versuche: Es einerseits zu bewahren, andererseits aber auch den Joscho Stephan einzubringen, meine anderen Einflüsse. Die Basis ist der Gipsy Swing, die Instrumentierung mit Sologitarre, Rhythmusgitarre, Kontrabass, auch mal einer Geige. Eine Modernisierung passiert schon, wenn Perkussion dazukommt. Ich versuche auch, vom reinen Swing-Rhythmus wegzukommen, siehe meine Nummer ,Ocean’. Seit ich 2002 in Nashville mit der Musik von Chet Atkins in Berührung kam, versuche ich, das mit reinzunehmen, meine Mixtur auf mehrere Säulen zu stellen. Fingerstyle, Latin, Klassik, jazzigere Färbungen – Zukunft hat man nur, wenn man zu dem Alten etwas Neues hinzufügt.
Getreu dem vielzitierten Satz Gustav Mahlers: „Tradition bedeutet nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“
Genau!
Gipsy und Jazz, zwei Schlagwörter. Zunächst mal Gipsy: Das kann einen Stil bedeuten, steht aber auch für eine Volksgruppe.
Obwohl mein Großvater Roma war, habe ich nicht auf Grund dieser Tradition angefangen, Gipsy-Swing zu spielen. Mein Vater hat ganz andere Sachen gespielt. Ich bin mit den Beatles groß geworden, mit Santana. In der Tradition der Sinti und Roma wird man an Musik herangeführt, indem man vom Vater lernt. Gut, das war bei mir so, ging aber in eine andere Richtung. Zuerst habe ich mir Beatles-Stücke akkordmäßig angeeignet, hatte dann klassischen Gitarrenunterricht. Mit 12, 13 ging es Richtung Rock, mit 15 habe ich die ersten Jazz-Sachen kennen gelernt: George Benson, Wes Montgomery und dann Django Reinhardt. Von daher bin ich kein Django-Gitarrist in Reinform. Ich habe viele andere Einflüsse, die ich überhaupt nicht verleugnen will. Doch ja, Django ist im Moment die Hauptsäule meiner Musik. Aber vielleicht sieht das in fünf Jahren ganz anders aus.
Es gibt in der Musikwelt kaum einen Musikstil, kein ein Genre, das so sehr mit einer Person, einem Klang, einem Instrument verbunden wird wie das mit Django Reinhardt, dem Gipsy-Swing und der Maccaferri-Gitarre der Fall ist.
Stimmt. Das ist eine einzigartige Leistung, hat einen großen Wert. Dennoch darf man nicht vergessen, dass es auch andere Vertreter dieser Musik gibt, die sehr eigenständige Sachen gemacht haben. Bob Marley war ja auch nicht der einzige Reggae-Musiker.
Inwieweit inspiriert dich der Klang einer Maccaferri-Gitarre, neue Türen aufzumachen?
Ich spiele hauptsächlich ein Modell mit dem größeren Schallloch in D-Form, gebaut von Jochen Volkert, was wärmer und offener klingt als die nasaler klingenden O-Loch-Versionen, die einen nicht so leicht wegkommen lassen vom Django-Sound. Mit einem weichen Anschlag kannst du diese Gitarre auch komplett verschieden klingen lassen. Wenn man so eine Gitarre mal gewöhnt ist, mit ihrer unglaublichen Präsenz – das macht schon Spaß! Die singt, die trägt.
... der vollständige Text befindet sich in Heft 5/07 ab Seite 50!  |