Pierre Bensusan von Michael Lohr

Seine Biographie fällt kurz aus. Und beachtlich gradlinig: Geboren 1957, Profimusiker mit 16, Plattendebüt als Fingerstyle-Wunderkind 1975. Es folgt die Entwicklung eines unnachahmlichen Stils, der traumhaft leicht Zutaten wie keltischen Folk, Weltmusik, Latin und Jazz zu einer Musik von traumwandlerischer Schönheit verwebt. Bensusan ist eine hoch verehrte Gitarrenlegende, und längst Impulsgeber einer ganzen Gitarristengeneration. Im Interview schildert der Meistergitarrist den Weg zu seinem eigenen Ausdruck.

Pierre Bensusan
Pierre Bensusan: Eine Gitarre ist wie Wein - sie muss sich erst entwickeln.

Pierre, es heißt, dass du nicht gerne von dir erzählst...
Bensusan:
Falsch!

Dann erzähl doch mal über deine Anfänge.
Nun, mit sieben bekam ich klassischen Klavierunterricht; mit zehn wurde unser Klavier aus verschiedenen Gründen verkauft. Aus Furcht, ich würde ganz aufhören zu musizieren, kaufte mir mein Vater - als großer Django-Reinhardt-Fan wohl mit bestimmten Hoffnungen - eine Gitarre. Ich wusste erst einmal gar nichts damit anzufangen. Erst als mir ein Schulfreund ein paar Akkorde beibrachte, nahm ich sie langsam als mein Instrument an. Ich wollte Musik machen, egal worauf. So wurde es eben die Gitarre, auf der ich mich als Autodidakt bis heute irgendwie zurechtgefunden habe.

Wie bist du zu Fingerstyle und DADGAD gekommen?
Zwischen 12 und 14 habe ich Akkorde gelernt, um meine Songs zu begleiten - amerikanischen Folk, Bob Dylan, und so weiter. Auf Gitarren-Instrumentals kam ich erst durch Pentangle. Das war eine große Entdeckung, ein Riesenschock! Über Solo-Platten von Jansch und Renbourn, sowie britischen und irischen Folk entwickelte ich dann einen eigenen Stil, wobei ich auch an DADGAD geriet. Jahrelang habe ich verschiedene Tunings nebeneinander verwendet, fast für jedes Stück ein anderes.

Und ab wann nur noch DADGAD?
Ab 1978. Ich hatte Schwierigkeiten, mich in diesen verschiedenen Tunings auf dem Griffbrett wirklich auszukennen und auszudrücken. Es wurde einfach zu verwirrend. Ständig verstimmte sich die Gitarre, Saiten rissen. Man erweitert sein musikalisches Vokabular nicht, wenn man andauernd umstimmt. Man hat zwar phantastische neue Möglichkeiten, fängt aber praktisch immer wieder neu an und kennt das Griffbrett nie gut genug, um wirklich spontan spielen zu können. So habe ich eines Tages beschlossen, ein Tuning als mein Standardtuning zu erarbeiten, zu begreifen, damit ich mich besser ausdrücken konnte: Alle Akkorde, alle Skalen, überhaupt das ganze Griffbrett. 1978 fiel meine Wahl auf DADGAD, nachdem ich schon viele keltische Titel darin gespielt hatte. Und dann habe ich bewusst meinen Wortschatz durch klassische Musik erweitert: Von Bachs Partita Nr. 12 in B-Dur etwa habe ich alle Teile gespielt. Eine unglaubliche Herausforderung.

... der vollständige Text befindet sich in Heft 5/05 ab Seite 32! Aktuelle Ausgabe bestellen...

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