Future Folk? - Fink (UK) von Stefan Woldach

Nein. Fink (UK) ist ein Londoner Songwriter und kein Ableger der gleichnamigen Hamburger Country-Popster. Fink heißt bürgerlich Fin Greenall und dürfte bislang eher Club-Gängern bekannt sein, wo er als Teil des DJ-Jet-Sets um den Globus düste, um die angesagtesten Tanztempel zwischen Budapest und Toronto zu beschallen.

Fink (UK)
Fink (UK): Die Mundharmonika zur Akustik Gitarre bitt nicht überstrapazieren!
Nun mixt er auf seinem Debüt moderne Electronica mit akustischer Gitarre, was an die eleganten Atmosphären eines Sting und das raue Slide-Spiel eines Chris Whitley erinnert. Fin Greenall ist ein Schelm. Hat seinem Vornamen am Ende den Buchstaben „k“ hinzugeschummelt, im Englischen soviel wie Dieb, Verräter oder Petze, was er als eine augenzwinkernde Umschreibung seiner bisherigen Tätigkeit als Sample-Artist und DJ empfindet. Dass er obendrein noch eine akustische Seite als Gitarrist, Sänger und Songwriter in sich trägt, zeigt der Mittdreißiger auf seinem beachtlichen Debüt ‚Biscuits For Breakfast’, mit dem sich der Londoner in die Riege der jungen Wilden des modernen Songwriter-Genres einreiht.

Stimmt die Geschichte tatsächlich, dass du deine Plattenspieler gegen eine Gitarre eingetauscht hast?
Fink (UK): Nein, das war nur sinnbildlich gemeint. Ich habe vor anderthalb Jahren aufgehört, als DJ zu arbeiten und mich stattdessen auf mein Gitarrenspiel und meine eigenen Songs konzentriert. Das Leben als DJ hat mir einfach nicht mehr so viel Spaß gemacht. Also habe ich mich auf mich selbst besonnen und die Zeit genutzt, um endlich an meinem Gitarrenspiel zu arbeiten. So kam eins zum anderen. Und am Ende steht nun dieses Album.

Du zählst zu den Leitfiguren des so genannten ‚Future-Folk’, zu denen Protagonisten wie Adem oder Joseph Artur zählen. Wie definierst du aus deinem Blickwinkel diese Schublade?
Das ist schwer. Die beiden genannten, aber auch José Gonzales, den ich sehr verehre, gehören zu jenen Künstlern, die genauso auch Retro-Elemente verwenden. Sie beziehen sich bewusst auf traditionelle Einflüsse. Das durch die Electronic-Elemente dann ‚Future-Folk’ zu nennen ist mir zu einfach. Vielleicht ist es nur ein Songwriter-Revival. Obwohl ich dieses Wort fürchterlich finde.

...wobei erfreulicherweise der Song, das Handwerk, wieder im Vordergrund steht.
Richtig, wir kehren wieder zur Musik zurück. Vor ein paar Jahren bestimmten Sampler und Plattenspieler den Musikgeschmack der Jugendlichen und der Club-Gänger. Inzwischen haben alle genug davon. Sie wollen wieder Konzerte sehen und richtige Musiker erleben. Deswegen gibt es aus meiner Sicht auch wieder so viele junge Songwriter. Und keine neuen DJs!

Es gibt trotzdem zwei Lager: Die eher wertkonservativen, gesetzten, virtuosen Fingerstyler und die respektlosen, unkonventionellen jungen Wilden. Wie siehst du den „Clash der (Spiel)Kulturen“ und das Aufeinandertreffen der Generationen?
Nun, mein Vater war professioneller Folk-Gitarrist, ich kenne seinen Background, seine Tradition und seine Sichtweise gut. Die ‚old school’ basiert sehr auf Traditionen, weint gern ein bisschen den alten Zeiten hinterher, ist sentimental. Im Vergleich dazu ist die neue Generation ziemlich mutig, indem sie viel probiert, neue Sounds einbringt, aufbegehrt, viele Dinge anders sieht und trotzdem exzellente Songs schreibt. Ansatz und Anspruch sind gleich. Es klingt nur anders. Ich finde, es ist gerade eine aufregende Zeit, um Songwriter zu sein.

... der vollständige Text befindet sich in Heft 4/06 ab Seite 56! Aktuelle Ausgabe bestellen...