WS-Fingerpicking 3-09 Peter Finger – ‚Easy Rag‘ von Peter Finger


Ragtime, jene Pianomusik, die um die vorige Jahrhundertwende die Musikwelt revolutionierte, ging auch an der Gitarre nicht spurlos vorüber. In den frühen Siebzigerjahren gab es unter Gitarristen eine gewaltige Ragtime-Welle. Die Piano-Rags von Scott Joplin und anderen Pianisten wurden für die Gitarre arrangiert – und waren immer dann schwierig zu spielen, wenn man versuchte, die Musik Ton für Ton zu übertragen. Der Amerikaner David Laibman war einer der führenden Ragtime-Virtuosen der Sechziger- und Siebzigerjahre, dessen Arrangements zum größten Teil durch andere Gitarristen bekannt wurden, da Laibman selbst hauptberuflich Mathematikprofessor war und keine ausgedehnten Tourneen unternehmen konnte.

Wem das Arrangieren von Piano-Rags zu kompliziert ist, der schreibt seine eigenen Rags. Dadurch umgeht man die Schwierigkeit, mitten im Stück an eine Stelle zu gelangen, die für die linke Hand unspielbar ist. Wenn wir uns auf die Rhythmik beschränken, sieht es nämlich ganz anders aus. Der Ragtime, diese durch Synkopierungen unglaublich schwungvolle Musik, geht direkt in die Beine und macht gute Laune. Dabei sind die Rhythmen auf der Gitarre gar nicht schwierig zu spielen. Im Gegenteil, sie scheinen geradezu für das Fingerpicking geschaffen. Der Bass zieht sich fast immer in Viertelnoten durch das gesamte Stück, während die Melodie abwechselnd auf und zwischen den Zählzeiten liegt. Es ergeben sich daraus einige wenige Rhythmuspatterns, die sich oft wiederholen.

‚Easy Rag‘ ist so ein typischer Rag, der aus einem Pattern besteht. Es ist erstaunlich, wie viele Gitarristen den gleichen Rag geschrieben haben. Schon Blind Blake hat fast das gleiche Stück komponiert – und in den Siebzigerjahren gab es mindestens 30 weitere Stücke unter jeweils anderen Titeln, die praktisch identisch waren. Nennen wir unser Workshop-Stück also ‚Easy Rag‘ und merken an, dass es genauso gut ein Standard sein könnte. Allerdings habe ich das Stück etwas vereinfacht, um es möglichst leicht spielbar zu machen.

Für die linke Hand ist nicht viel zu tun, denn bis auf den Auftakt und die Takte 8, 9 und 17 müssen wir nur die Akkorde greifen. In den übrigen Takten wiederholt sich ein Picking-Pattern. Es lohnt sich, dieses Pattern zu verinnerlichen, denn man kann es auch gut für viele andere Gelegenheiten und Liedbegleitung gebrauchen.

Der ‚Easy Rag‘ wird mehrmals wiederholt. Wer Lust hat, kann statt der angegebenen Akkorde auch andere Lagen ausprobieren. Für D7 und G gibt es ja zahlreiche Varianten in verschiedenen Lagen. Die rechte Hand wird dann natürlich auch andere Saiten anzupfen. Wichtig ist allerdings, dass ihr das Rhythmus-Pattern beibehaltet.

... der vollständige Text incl. Noten und Tabs befindet sich in Heft 3/09. Aktuelle Ausgabe bestellen...