Petteri Sariola - Freestyle Beatbox von Michael Lohr

Petteri Sariola Perkussive Slap- und Spieltechniken erfreuen sich bei vielen jungen Gitarristen wachsender Beliebtheit. Doch eine Ein-Mann-Funk-Band auf einer Gitarre mit eingebautem Schlagzeug? Dazu bedarf es schon der stilistischen Vielseitigkeit und der superben Technik des finnischen Fingerstylers.

Petteri Sariola

Die heutige Fingerstyle-Gitarre ist, wenn man so will, ein Abfallprodukt der amerikanischen Folk-Bewegung Ende der Fünfzigerjahre. Wer einen Fingerpicker fragt, wie er zu Instrument und Stil gekommen ist, erhält in der Regel Erklärungen über Einflüsse irgendwo zwischen Mississippi John Hurt, Bob Dylan und den Beatles. Und wer genau hinschaut, bemerkt fast immer einen Künstler mit klar erkennbarer musikalischer und persönlicher Prägung durch die Pop-Kultur.

Doch da gibt es noch Petteri Sariola. Bei ihm ist alles anders. The Times They Are A-Changing nie waren Dylans Worte passender. Die Sixties sind lange vorüber, und was damals als cool galt, erscheint für die Jugend der Gegenwart angestaubt und bieder. „Bieder“ dürfte zudem das Letzte sein, was einem zu Sariolas Bühnenpräsenz einfällt. Krachend, abgedreht, voll spontanem Humor und scheinbar planlosen musikalischen Kehrtwendungen pflegt er einen Fingerstyle-Freistil der unvorhersehbaren Art. Ohne Angst vor Disharmonien, ohne Angst, die Zuhörer vor den Kopf zu stoßen, sich zum Narren zu machen mit Herumgehampel auf der Bühne, mit plötzlichen Gesangseinlagen oder Umstimmen der Gitarre mitten ihm Stück – alles ohne dass der Groove dabei verloren ginge. Der junge Finne ist einerseits ein Traum der 68er Generation mit seiner völlig angstfreien Coolness („Wenn man nervös ist und Angst vor Fehlern hat, macht man die meisten Fehler“), mit seiner unbedingten Lust und Freiheit, sich auszudrücken und auszuleben. Andererseits scheint sein auf- und abgedrehtes Gebaren auch wieder alles umzustoßen, was sich die Fingerstyle-Szene an Geschmack und Konventionen angeeignet hat.

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Man hört es seiner Musik gleich an: Dieser Junge hat wenig am Hut mit Bürgerrechts- und Friedensbewegung, nichts mit Stefan Grossman und Leo Kottke, John Renbourn oder Pierre Bensusan. Die politischen und künstlerischen Errungenschaften dieser Generation sind Geschichte, weil schon umgesetzt und gelebt im gelassenen Alltag eines liberalen skandinavischen Landes, als Petteri Sariola 1984 geboren wird. Dass er zur Gitarre greift, liegt einzig und allein „am Rock der Achtziger- und Neunzigerjahre; die Gitarre war sozusagen das Symbol dieser Rock-Helden, Symbol ihrer Männlichkeit, eine Art Phallussymbol. War die Kraft, die dieses Objekt ausstrahlte, und die Art, wie diese Leute sie benutzten.“ Er meint die Heavy-Metal-Saitenraser jener Jahre: „Ich war nicht unbedingt ein Fan von jemand Bestimmtem, aber die Gitarre hatte mich gepackt.“ Und dennoch gibt es zunächst mal klassischen Gitarrenunterricht. „Ich weiß nicht warum, aber meine Eltern hatten mich dazu angemeldet – obwohl ich E-Gitarre spielen wollte. Also habe ich mir gedacht, dann nehme ich das eben mit; ich habe ein paar Jahre Unterricht genommen und dabei doch eine Menge Spieltechnik gelernt.“

... der vollständige Text befindet sich in Heft 3/09 ab Seite 54! Aktuelle Ausgabe bestellen...