Philipp Catherine - Anregendes Selbstgespräch von Peter Autschbach

Der Belgier zählt zu den bekanntesten europäischen Vertretern der Post-Django-Ära. Sein Markenzeichen sind melodische Improvisationen, für die er Auszeichnungen wie den Django d’Or oder den Preis der Deutschen Phonoakademie erhielt.

Philipp Catherine
Philipp Catherine: Licks entwickeln statt Licks spielen

Der in Brüssel lebende Gitarrist stammt aus einer musikalischen Familie. Sein Großvater war Geiger im London Symphony Orchestra. Philip Catherine arbeitete mit Musikern wie Chet Baker, Gerry Brown, Dexter Gordon, Stéphane Grappelli, Charlie Mariano und Niels-Henning Ørsted Pedersen. Während unseres Interviews zeigte er sich als gut gelaunter und erzählfreudiger Gesprächspartner.

Was hat dein neues Album ‚Guitars Two’ mit den in den Siebzigerjahren aufgenommenen ‚Guitars’ zu tun?
Philip Catherine: In beiden Fällen ist es Gitarrenmusik mit zwei von mir gespielten Gitarren. Als ich bei den Aufnahmen 1975 erfuhr, dass der Bassist John Lee und der Schlagzeuger Jerry Brown in Europa unterwegs waren, kam ich auf die Idee, die beiden nach Brüssel ins Studio einzuladen. Damit veränderte sich das Projekt. Es finden sich zwar noch einige Stücke auf ‚Guitars’ mit lediglich zwei Gitarren, aber bei vielen Titeln hört man Bass und Schlagzeug. Leider ist ‚Guitars’ nicht als CD erhältlich, dabei finde ich die Aufnahmen äußerst gelungen. 32 Jahre später bat ich den damaligen Produzenten Marc Moulin, mir bei meiner neuen Produktion zu helfen. Er schlug vor, die CD ‚Guitars Two’ zu nennen, zum einen als Wortspielerei in Bezug auf die alte Aufnahme und zum anderen, weil dieses Mal tatsächlich nur zwei Gitarren zu hören sind.

In Paris wirst du dein neues Album solo präsentieren. Man kennt dich eher als Gitarristen, der mit anderen Musikern kommuniziert, statt allein zu spielen. Wie gehst du diese Aufgabe an?
Philip Catherine: Ich bin kein „Solo-Solo“-Spieler. Ich benutze auf der Bühne eine Boss-Loop-Station, damit nehme ich mich auf und spiele dann zum live selbst erstellten Playback. Die Loops entstehen also auf der Bühne, ich plane in der Regel nichts voraus. Mit dem Volumenpedal kann ich die aufgenommenen Sachen ausblenden, allein weiterspielen und später wieder einblenden, wenn ich will. Ich könnte die Loops auch einfach ein- und ausschalten, aber mit dem Volumenpedal ist es geheimnisvoller und schöner. Ich spiele nicht wie ein Pianist oder beispielsweise der Gitarrist Sylvain Luc Melodien und Begleitungen gleichzeitig. Ich würde dieses Solo-Spiel gerne können, aber dafür reicht meine Technik nicht aus. Deswegen hört man bei meinen Konzerten meistens zwei oder drei Gitarren. Ich bringe zwei Gitarren mit, eine Akustische und eine Elektrische. Zu Hause habe ich eine Gitarre von Yamaha (Martin-Taylor-Modell) mit einem zusätzlichen Piezo-Tonabnehmer. Ich werde in den nächsten Wochen ausprobieren, ob ich alleine mit dieser Gitarre zu recht komme, dann muss ich auf der Bühne nicht so oft Instrumente wechseln.

Dein neues Album klingt wie ein echtes Gitarrenduo, obwohl mit Overdubs gearbeitet wurde. Dazu ist bestimmt Planung erforderlich.
Ja und nein. Ich habe viel Zeit im Studio verbracht. Übertrieben viel Zeit, glaube ich, weil ich 30 Stücke aufgenommen habe. Dabei wusste ich noch nicht einmal, welches Instrument ich für welchen Song verwenden würde. Das habe ich jeweils spontan entschieden. Das einzige Konzept, das ich hatte, war die Vorstellung, jeweils zwei Gitarren einzusetzen. Es gibt zwar einige Stellen mit zusätzlichen Overdubs, doch die meiste Zeit sind es zwei Gitarren.

... der vollständige Text befindet sich in Heft 3/08 ab Seite 36! Aktuelle Ausgabe bestellen...