Queener Q OO-12 von Andreas Boer

Zurück in die Zukunft: Mit der Q OO-12 im Historic-Sunburst-Finish unternimmt Patrick Queener einen Ausflug in die Frühzeit des amerikanischen Gitarrenbaus, um über ein paar Umwege doch wieder in Europa zu landen.

Martin OM-21 Special
Kleine Gitarre mit viel Charme: Quenner OO-12

Alte Gitarren üben einen sonderbaren Zauber auf uns aus. Insbesondere die Instrumente, die in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts von Firmen wie Martin oder Gibson gebaut wurden, haben eine Faszination, der sich kaum jemand entziehen kann.

Patrick Queener, in München lebender Gitarrenbauer aus Tennessee, hat eine klare Meinung zu diesem Thema: Die historischen Instrumente der goldenen Ära des Gitarrenbaus sind für ihn wichtige Referenz und Inspiration. So ist seine neueste Kreation ist eine Hommage an legendäre 12-Bund-Gitarren wie die Gibson L-1 und L-00 oder die Martin 00-18. Ihm ging es darum, eine kleine Allround-Gitarre zu bauen, mit weitem dynamischem Sound, strahlenden Höhen und klaren, tiefen Bässen.

Konstruktion

Auf den ersten Blick ist klar, dass die Q 00-12 kein Gitarren-Design aus der Gegenwart ist. Nicht umsonst betont Patrick Queener, dass die Stilistik der Q 00-12-Fret aus dem Jahr 1930 kommt. Was genau stammt aus der Vergangenheit? Da wäre zunächst das klassische Fischgrätenmuster in Schwarz und Weiß an den Korpuskanten und rund ums Schallloch (herringbone trim). Dann der Übergang vom Hals in den Korpus im 12. Bund (heute üblich: 14. Bund), die durchstochene Kopfplatte (slotted headstock), das urig geflammte Schlagbrettchen (pickguard) und natürlich die Nitro-Lackierung, die anstelle des heute gern verwendeten Polyurethan verwendet wurde.

Fangen wir damit an, denn diese Lackierung ist es, die dieser kleinen Gitarre ihre große optische Ausstrahlung verleiht. Patrick Queener istäußerst geschickt beim Auftragen von Lack, das hatten wir bereits beim Test der QJ Santos (AG 2/07) lobend vermerkt. Auch bei der kleinen OO ist es eine
reine Freude, die Gitarre von allen Seiten und aus unterschiedlichen Winkeln zu betrachten. Wie das bernsteinfarbene Zentrum gleichmäßig schattiert in das dunklere Rotbraun am Rand übergeht - wunderbar! Und nicht nur das: Der Lack wurde sehr dünn aufgetragen, sodass man die Maserung des Holzes sieht und die Schwingungen der Gitarre nicht beeinträchtigt werden.

Werfen wir einen Blick auf die verbauten Hölzer: Dem ersten Augenschein nach steht die Q 00-12 in der Gibson-Tradition: Fichte für die Decke und Ahorn für Boden und Zargen. Moment! Ahorn? Gibson verwendet zwar bei seinen Jumbo-Gitarren und bei einigen Neuauflagen seiner Blues-King-Modelle Ahorn, aber die ursprünglichen Small-Body-Instrumente aus Kalamazoo, Michigan, hatten Mahagoni-Bodies für den herben, erdigen Sound, den Blueser wie Robert Johnson bevorzugten. Und auch die Fichte der Decke entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Neuerung: Haselwüchsige Fichte aus den höheren
Gebirgslagen der Alpen haben Martin und Gibson unseres Wissens nach noch nie verwendet. Aber Patrick Queener weiß, was er tut: Die akustische Qualität von Haselfichte als Deckenholz ist seit Stradivaris Zeiten unbestritten. Europäisch geht's auch beim Binding zu. Amerikaner bevorzugen einen Kantenschutz aus cremefarbenem Kunststoff, in der Alten Welt stehen die Kunden eher auf Holz-Bindings. Und die finden wir auch bei der Q 00-12: Aus attraktivem Riegelahorn an Korpus, Griffbrett und Kopfplatte. Die goldfarbenen Stimmwirbel und Vintage-Style-Mechaniken von Schaller sowie die acht Abalone-Einlagen passen perfekt dazu.

... der vollständige Text befindet sich in Heft 3/08 auf Seite 82! Aktuelle Ausgabe bestellen...

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