In AG 2-07 präsentierten wir parallel zur John-Lennon-Story einen Workshop mit der Fingerstyle-Begleitung der Beatles-Ballade ,Julia'. Nun möchten wir Sir Paul nicht enttäuschen, denn auch er hat einen weltbekannten Song zu bieten, den er bis auf die Streicher-Einlagen praktisch im Alleingang fabriziert hat: ,Yesterday'.
Um ,Yesterday' zur Original-Aufnahme und zu unserer CD mitspielen zu können, müsst ihr eure Gitarre einen Ganzton tiefer stimmen, also D - G - C - F - A - D. Nun können wir den Song in klingend F-Dur spielen und bequem in G-Dur greifen.
Abb. 1 zeigt das Intro, die ersten beiden Verse und den Chorus. Auffallend die Struktur. Vers 1 und Chorus sind sieben statt der üblichen acht Takte lang. Durch das perfekte Zusammenwirken von Melodie und Harmonien fällt das aber keineswegs als unnatürlich auf. Paul McCartney hat diesen Song wahrscheinlich mit seiner typischen Spieltechnik in Kombination von Daumenanschlag und einer Art Mini-Strumming der Finger gespielt. Wir haben eine in üblicher Fingerstyle-Technik spielbare Version notiert, die aus Daumenanschlägen für die Basstöne (in den Noten Hals nach unten gerichtet) und Akkordanschlägen mit Zeige-/Mittel-/Ringfinger besteht. Wer sich an Pauls Spielweise versuchen möchte, ergänzt einfach die Akkorde zu vollgriffigen Voicings.
Die harmonische Analyse zeigt uns einen Wechsel von G-Dur zum parallelen E-Moll über die zu E-Moll hinführende II-V-Verbindung F#m - H7. Einen Takt später geht es über Cmaj7 - D7 (= IV - V) wieder zurück nach G. Auch eine Doppeldominante ist im Spiel. Der A7-Akkord im 6. Takt von Vers 1 müsste eigentlich innerhalb der Tonart G-Dur ein A-Moll sein. Und wenn schon in der Spannung verstärkt zum A7, sollte er sich bitte regulär zum D auflösen. Tut er aber nicht. Stattdessen kommt mit C - G eine IV-I-Wendung. Musikalischer Nebeneffekt ist eine chromatisch geführte Innenstimme mit den Tönen d (Septime von Em7), c# (terz von A7), c (Grundton von C) und h (Terz von G). Im weiteren Verlauf von ,Yesterday' passiert gitarristisch nichts Neues mehr, abgesehen von kleineren Variationen in Rhythmik und Basslinie.
Die Form sieht so aus: Intro - Vers 1 - Vers 2 - Chorus - Vers 2 - Chorus - Vers 1 - Ending. Zwei Minuten und fünf Sekunden perfekte Pop-Musik. Den Schluss haben wir in Abb. 2 notiert. Nach den bekannten sieben Takten des Verses werden die letzten beiden Takte langsamer wiederholt. Im Original erklingen dabei keine Basstöne, sondern nur die Voicings auf den oberen Saiten. Bei der Schlusswendung sollte man den 2. Finger auf dem E im 2. Bund der D-Saite platzieren und bei Em7, A7 und C stehen lassen. Die Linie auf der h-Saite greift man dann mit dem Fingersatz 4 - 3 - 1. Für die markante Hammering-Phrase ganz am Ende belässt man den ersten Finger auf der h-Saite, setzt den 4. Finger auf den 3. Bund der hohen e-Saite und führt das Hammering-On auf der h-Saite mit dem dritten Finger aus.
Viel Spaß mit ,Yesterday'!
... der vollständige Text incl. Noten und Tabs befindet sich in Heft 3/07 ab Seite 96. 
Track 11-12 der Akustik Gitarre Begleit-CD 
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