Eine der wichtigsten und häufigsten genutzten offenen Stimmungen ist DADGAD. Der Name sagt uns bereits, wie die Gitarre von der tiefsten zur höchsten Saite gestimmt wird. Diese Folge ist der Beginn eines fünfteiligen Workshops, in dem ich euch dieses Tuning nahe bringen möchte. Am Ende steht ein anspruchsvolles Spielstück in DADGAD, das den typischen Sound dieses Tunings und seine speziellen Grifftechniken repräsentiert.
DADGAD erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit. Gitarristen wie Pierre Bensusan, Laurence Juber, Ian Melrose oder Franco Morone spielen große Teile ihres Programms auf dieser Grundlage. Während die sechs Leersaiten in der Standardstimmung keine unbedingt sinnvolle Harmonie ergeben, bilden sie in der DADGAD-Stimmung einen D-sus4-Akkord, also eine Harmonie ohne eindeutiges Tongeschlecht. Da keine Terz enthalten ist, entfällt die klare Zuordnung zu Dur oder Moll.
In seiner Klangeigenschaft treibt dieser Akkord beständig vorwärts und ermöglicht es uns, sowohl Dur- als auch Molltonleitern zu spielen, ja sogar zwischen ihnen zu wechseln. Ein einziger Griff erlaubt, eine typische DADGAD-Harmoniefolge zu spielen. In unserem Beispiel ist es eine Kadenz in D-Dur mit je einer Harmonie auf den Stufen I bis V. Dabei ergeben sich stellenweise eigenwillige harmonische Gebilde, die den Reiz des neuen Klangspektrums ausmachen. So tauchen beispielsweise über der III. Stufe auch deren kleine Sexte und verminderte None im Akkord auf (siehe Abb. 1).
Nun richten wir unser Augenmerk auf die grifftechnischen Besonderheiten im Melodiespiel. Schauen wir uns zunächst an, wie wir in DADGAD Tonleitern spielen können. Typisch ist die Spielweise im so genannten Harfenarpeggio. Wie auf der Harfe schlagen wir für jede Note eine andere Saite an. Da immer mehrere Saiten klingen, verfließen die Töne zu einem harmonischen Ganzen. Diese Klangfülle ist typisch für das Spiel in DADGAD. Die Anschlagtechnik ist anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig, es lohnt sich aber, sie zu üben.
Im ersten Takt von Abb. 2 findet ihr eine D-Dur-Tonleiter, im zweiten Takt eine D-natürlich-Moll-Tonleiter (auch äolisch genannt), jeweils so auf dem Griffbrett umgesetzt, dass sich das Ineinander-Klingen des Harfenarpeggios ergibt.
Selbstverständlich kann die Tonleiter auch in anderer Form für Läufe genutzt werden - wir müssen sie also auch in der Wechselschlagtechnik spielen können. Hierbei wechseln sich der Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand ab, um mehrere Noten nacheinander auf derselben Saite spielen zu können. In Abb. 3 seht ihr in den Takten 1 und 2 die D-Dur- und D-Äolisch-Skala im Wechselschlag gespielt. Genaugenommen ist der D-Moll-Fingersatz als Harfenarpeggio gespielt ein wenig unpraktisch, so dass sich hier sogar eine Mischform aus Harfenarpeggio und Wechselschlag anbietet, zu sehen im dritten Takt von Abb. 3.
Viel Spaß mit diesen ersten Klangbeispielen in DADGAD - und bis zum nächsten Mal.
Euer Ulli Bögershausen
... der vollständige Text incl. Noten und Tabs befindet sich in Heft 3/07 ab Seite 102. 
Track 16-17 der Akustik Gitarre Begleit-CD 
|