Ry Cooder - Fabelhafter Katzenjammer von Stefan Woldach


Der Mann ist in vieler Hinsicht faszinierend: Er ist Traditionalist und Musikkonservator, Komponist atmosphärischer Soundtracks, Instrumentensammler und Weltenbürger, dazu ein Idealist, Mahner und überzeugter Demokrat. Und ganz sicher: Ein famoser Gitarrist mit unverkennbarer Handschrift.
Ry Cooder mag keine modischen Trends und schnelllebigen Strömungen. Eher nachhaltige Qualität. Bewährtes. Wie alte Autos. Oder Gitarren. Seine geliebten Hawaiihemden trug er noch, als die Designer von Herrentextilien diese Art der Oberbekleidung längst kopfschüttelnd durch Missachtung straften. Cooder ist es gleichfalls egal, ob jemand die Byrds, Buffalo Springfield, Jefferson Airplane kennt – Bands mit denen er aufwuchs – ob man sie cool findet, oder auch nicht. Der Mann ruht in sich selbst.

Ry Cooder
Ry Cooder: Fingerpicks? Als ob man ein Paar Schuhe verkehrt herum trägt!

Geboren am 15. März 1947, wächst Ryland Peter Cooder in Santa Monica auf, ein Schmelztiegel von Stilen und Kulturen, von Folk, Country und Songwritertum, ex-Mex, Bluegrass und Blues. Sein Fingerpicking ist von Merle Travis beeinflusst, sein Slide-Spiel von Blind Willie Nelson, sein Blues von Joseph Spence. Als Teenager spielt sich Cooder durch die Clubs Hollywoods, lernt Musiker wie Reverend Gary Davis kennen, Skip James, Doc Watson und John Hurt. Er beschäftigt sich mit Open Tunings, lernt Mandoline und Banjo. Cooder gründet 1965 seine Rising Sons, zu denen anfangs Jackie DeShannon und Taj Mahal gehören. Schon damals demonstriert er sein exzellentes Slide-Spiel und wird von Kollegen geschätzt, die ihn – wie Captain Beefheart, Randy Newman und die Rolling Stones – ins Studio laden. Angeblich soll Keith Richards ihm sogar das Riff zu ‚Honky Tonk Woman’ „entlehnt“ haben.

Sein gleichnamiges Albumdebüt veröffentlicht Cooder im Alter von 22, er interpretiert Songs von Leadbelly, Woody Guthrie und Blind Willie Johnson. Doch es ist es vor allem seine Neugier, die ihn vorantreibt. Er beschäftigt sich mit Musikstilen und Instrumenten aus aller Welt, spielt mit unzähligen Musikern verschiedenster Kulturkreise und Kontinente und erarbeitet sich ein einzigartiges Weltmusikvokabular aus karibischen, lateinamerikanischen, afrikanischen, asiatischen und europäischen Elementen. Zusammen mit Blues, Country, Folk, Tex-Mex, Hawaiianischer Musik und Gospel entsteht so eine ganz eigene Mischung.

In den Achtzigerjahren komponiert Cooder vornehmlich Filmmusik. Doch erst Produzent Terry Melcher überzeugt ihn, ein Album mit Slide zu einzuspielen (mit einer Martin D-45 und einer Fender Stratocaster). Eine Entscheidung mit Folgen. Denn der Soundtrack zu Wim Wenders Kultstreifen ‚Paris, Texas’ wird zum Musterbeispiel eindringlicher akustischer Gitarrenmusik: Minimaler Input, überirdisch schöne Strahlkraft. Auch wenn Cooder später beim Buena Vista Social Club listig lächelnd gesteht, seinerzeit „nur geübt“ zu haben.

Heute nutzt der Mann ein bemerkenswertes Artikulationsinstrumentarium. Nichts, womit sich Töne erzeugen lässt, ist vor seinen Händen und seiner Neugier sicher: Die afrikanische Gurkel, die orientalische Oud, die türkische Saz, die mexikanische Rajo Sexto, die kubanische Tres und natürlich seine stattliche Gitarrensammlung mit Kostbarkeiten wie einer Gibson Roy Smeck aus dem Jahr 1940, die jedem Vintage-Fans feuchte Augen bescheren dürfte. Aber da sind auch so skurrile Tonerzeuger wie sein berüchtigtes „Floor Slide“ – ein Klangmonster von raumfüllender Größe, das „archaisch rumpelnde Töne erzeugt.“

... der vollständige Text befindet sich in Heft 3/07 ab Seite 46! Aktuelle Ausgabe bestellen...