Sound Of Silence - Ralph Towner von Angela Ballhorn

Ein Raum, eine Gitarre und großartige Musik: Ralph Towner hat mit seinem neuen Album ‚Time Line’ einen weiteren Meilenstein der Sologitarre aufgenommen. Sein 21. Album mittlerweile. Doch nichts ist weiter entfernt als Routine.

Ralph Towner
Ralph Towner: 'Eine Menge anderer Instrumente im Kopf'
Neu war zum Beispiel die Entstehung seiner aktuellen CD, die nicht im Studio, sondern in den sakralen Räumen der österreichischen Probstei Sankt Gerold aufgenommen wurde. Der 66-Jährige spielte dort eine faszinierende Mischung von auskomponierten Stücken, kompletten Improvisationen, Songs und Jazz-Standards ein. „Ich hatte das Gefühl, ein Konzert zu spielen und versuchte, meine Musik bis in die letzten Reihen zu projizieren“, sagt Towner. Der natürliche Raumhall verlieh seinem Gitarrenspiel dabei einen sehr eigenen Klang. Kein Wunder, dass der Amerikaner euphorisch über ‚Time Line’ referiert.

Herzlichen Glückwunsch zur neuen CD! Eine weitere Solo-Gitarrenaufnahme in einer langen Reihe.
Ralph Towner: Danke. Diesmal war die Aufnahmeprozedur komplett neu für mich, da ich nicht im Studio, sondern in einem Raum aufgenommen habe, den ich nicht einmal von Konzerten her kannte. Ein wunderschöner Ort, aber es war komisch, ein Konzert ohne Publikum zu spielen. Ich konnte nicht einmal die Aufnahmetechniker sehen.

Wessen Idee war es, dort aufzunehmen?
Es war Manfred Eichers Idee (Labelchef von ECM, Anm. d. Verf.). Ein Großteil seiner neuen ECM Serie wurde dort schon aufgenommen. Der Raum der Probstei eignet sich für Streich- und Saiteninstrumente. Ich hatte nicht viel Zeit, mich an den Raum zu gewöhnen. Ich kam am Abend vorher spät an und hatte nicht viel geschlafen. Nach ein paar Stunden am Morgen fühlte ich, dass es noch nicht richtig lief. Dennoch war die Aufnahme in vier oder fünf Stunden erledigt. Aber ich brauchte ein „warm up“ am Morgen, um mich an den Raum zu gewöhnen. Normalerweise gibt es bei meinen Aufnahmen sehr wenig Editing oder Korrekturen. Hier machte ich mir Sorgen, weil es schwierig sein würde, nachträglich Dinge zu verändern. Aber das meiste war „direct to disc“.

Hat der Raumklang Ihre Tempovorstellungen beeinflusst?
Ja. Meine Stücke wurden langsamer. Und ich spielte wegen der Größe des Raumes lauter, als ich hätte spielen müssen. Ich wollte bis in die letzte Ecke spielen. Wenn ich die Aufnahme noch mal machen müsste, würde ich leiser spielen, obwohl mein Spiel auch so gut klingt. Das war der größte Unterschied zur normalen Studiosituation. Ich war auf ,Performance’ eingestellt. Der Effekt auf die Musik ist interessant: Es ist keine ,saubere’ Aufführung, sondern eine ehrliche.

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