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Eine Homepage? Nein, daheim kein PC; keine Mail-Adresse. „Das alles
kommt noch“, sagt er frohgemut. Ungewöhnlich ist das. Wie alles
bei diesem Musiker. Der Name. Das Gitarrespiel. Und dass gerade mal zwei
Alben unter eigenem Namen ausreichen zu einem festen Platz auf Deutschlands
oberer Jazzgitarren-Etage. Tusch! Auftritt Joschi Pevny.
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| Joschi Pevny: „Swing It ...“ |
Geboren wird er 1960 im hessischen Schaafheim unweit der
bayerischen Grenze.
Dort lebt er auch heute, und das verlässt er mittags, um zur Buchhandlung
Pfeiffer in Aschaffenburg zu fahren, in die Ausläufer des Rhein-Main-Gebiets.
Das sei nicht nur das Haupteinzugsgebiet für die Buchhandlung, sondern
auch für seine Gigs. Das hat was, weil ein literarisch gebildeter
Jazzgitarrist zum Nachdenken anregt: über die komplexen Wechselbeziehungen
zwischen Wort und Weise und auch darüber, dass man sich als Jazzgitarrist
durchaus zwei gesunde Standbeine leisten kann: „Ich bin sehr gerne
Buchhändler. Ich kann mir meine Gigs aussuchen.“
Orientierung
Joschi, Spross deutscher Eltern, die 1945 - 1950 im einstigen Jugoslawien
Lager und Vertreibung erlitten hatten, besucht in Bensheim/Bergstraße
ein öffentliches Gymnasium und macht 1979 Abi. Angeregt von Mitschülern,
hat er mit 13 begonnen Gitarre zu spielen. Er hört Clapton und Duane
Allman. „Das wollte ich auch können“. Sein Lehrer Johannes
Mohrig bringt ihm Rock bei, regt ihn aber auch schon zu Jazz an und „hat
mir querbeet gezeigt, was auf der Gitarre überhaupt möglich
war, auch schon Coryell, Bluesrock, West Coast Rock. Johnny Smith hatte
ich zwar noch nicht verstanden, aber er faszinierte mich.“ Er bleibt
Mohrigs Schüler bis er 18 ist. Der Lehrer stirbt bei einem Autounfall.
Erst mal ist aber in Schaafheim und Aschaffenburg „Bluesrock angesagt“.
Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre spielt er in ersten eigenen Bands,
Allman und Doobie Brothers, „immer mit zweiter Lead-Gitarre.“
Joschi schreibt erste eigene Songs.
Kursänderung. Bald heißen die Leuchttürme Carlton und
Ritenour; die Hinwendung zum Jazzrock bestimmt die Zeit zwischen 1987
und 1992 in einer Aschaffenburger Fusion-Band namens „Domino Line.“
Corea, Carlton, Spyro Gyra, Sanbourn, das sind nun die Wegweiser auf der
Suche nach eigener Identität. Und der „Guitar Player“
„wegen der Rocker. Erst beim zweiten Lesen hab' ich dann die Interviews
mit den tollen Jazzern entdeckt“. Und: „Es war immens wichtig,
zur richtigen Zeit die richtigen Platten zu hören. 'Best of Bird'
war so eine.“ Auch die versteht er eigentlich noch nicht. „Die
Offenbarungen kamen später.“
Die Standbeine wachsen. Nach dem Abi studiert Joschi in Frankfurt Anglistik,
Amerikanistik und Musikpädagogik. 1981/82 bietet sich die Gelegenheit
zu einem Semester im englischen Newcastle. Dort wohnt er mit fünf
Kommilitonen im Studentenwohnheim, schaut sich die örtliche Musikszene
an und liest den US-„Guitar Player“. Wieder daheim, unterbricht
er das Studium. Ihn interessiert eine Buchhändlerstelle. Zwei Jahre
Lehre in Aschaffenburg plus Berufsschule in Nürnberg. Seit 1983,
dem ersten Lehrjahr, jobbt er in einer Gala-Band namens „Sound Unlimited“,:
„Septett; Tanz-Band für größere Sachen, Bälle
und so was. 25 Gigs im Jahr. Das half späterhin, das Studium übers
Bafög hinaus zu finanzieren.“ Dreimal gastiert die Band, deren
musikalischer Leiter ab 1990 Pevny ist, in Los Angeles, und er verschiebt
dafür die Buchhändler-Prüfung um ein halbes Jahr. Dass
er an der Westküste in einer kleinen Cappuccino-Bar den Sevenstringer
Ron Escheté erleben darf, beeindruckt ihn tief: „Der hat
mich dann gleich zu sich nach Hause eingeladen!“
Entwicklung
Heute schaut er – „abgesehen von einer Krankheitspause“
– zurück auf über zwanzig Jahre buchhändlerischer
Tätigkeit, die er bis 1988 fulltime ausübt. Er nimmt Unterricht
bei Michael Sagmeister, bleibt zweieinhalb Jahre dessen Schüler,
„und er war für mich das Beste, was mir passieren konnte.“
Zu „den Möglichkeiten des Übens“ hat er ihn angeregt
und „einen mächtigen Motivationsschub ausgelöst.“
Und so verarbeitet er alles, was er von seinem Lehrer (mit dem er 1990
die Fußball-WM anschaut) geboten bekommt, und dann schätzt
er „vor allem den Bebop, den Michael noch modernisiert. Durch ihn
kam schließlich auch die Hinwendung zum reinen Jazz.“ Und
er entdeckt für sich den Fingerstyle Jazz. Der Schüler als Lehrer:
Pevny selbst unterrichtet seit 1983, „durchgehend bis heute, ganz
ohne Werbung. Das sprach sich einfach so herum… Und der Unterrichtsanspruch
an mich selber stieg natürlich mit der Entwicklung des eigenen Stils.“
1986 – er ist fertiger Buchhändler - zieht er für 13 Jahre
nach Aschaffenburg und tut sich 1990 mit Bassist Werner Wienand (auf „Mellow
Guitar“ der Sänger von „Round Midnight“) zum Duo
zusammen, ab Mitte der 90er auch mit Sängerinnen. Kleine Formationen
und Solisten wie Ella und Pass, Sims und Pass, Grappelli und Taylor, Pass
und Martin Taylor solo faszinieren jetzt, dazu lineare Spieler wie Raney
und Martino oder auch, via Sagmeister, Joe Diorio, „vertikale“
Spieler wie Bucky Pizzarelli, George Van Eps, Cal Collins und Lenny Breau,
zunehmend auch Südamerikaner wie Almeida oder Bonfa. Außerdem
hilft er gern in Big Bands aus: „Eine gute Begleitung ist doch schon
ein halbes Solo.“
Von 1992 bis '98 studiert er, mit Abschluss, in Mainz noch Buchwissenschaft
mit Nebenfach Spanische Literatur. 1995 bringt ihn das für ein Semester
nach Madrid. Der Jazz ist immer dabei: „Ich habe viel geübt
in dieser Zeit.“ Er bleibt weiter Buchhändler in Aschaffenburg,
schreibt seine Magister-Arbeit über das Thema „Taschenbuch-Demokratie.“
1998 kommt die erste CD, „Sophisticated Lady And The Blue Monks“,
mit der vorzüglichen Bea de la Vega, voc, Joachim Fehl am Sax und
Joschis trompetendem Alter Ego Peter Rose. „Wir wollten was in der
Hand haben für die Veranstalter“. Gitarrensoli sind noch die
Ausnahme.
Folgen
2000 erscheint die gitarristisch merklich reifere Duo-CD „as we
like it – guitar meets trumpet“, auf der wieder Bea de la
Vega und der Keyboarder, Produzent und Dreamland-Labelgründer Frank
Metzner, sowie Perkussionist Piesba Supertino gastieren. Duo-Partner ist
Peter Rose, „über sechzig, ein wunderbarer Trompeter, sehr
melodiöser Spieler. Deshalb kann ich sehr gut chord melody dazu machen,
und es gibt die besten Interplay-Möglichkeiten.“
... der vollständige Text befindet sich
in Heft 3/04 ab Seite 44! 
Diskographie
Mellow Guitar & Friends (Dreamlandmusic)
Swing It! (Dreamlandmusic)
Bezug: Joschi Pevny; Tel.: 06073-8427 (www.dreamlandmusic.de)
Aktuelle Produktion
„Swing It !“ (Dreamlandmusic)
Auf drei CDs, Testballons für die nun aber schon überfällige
Fahrt in die große Welt der Jazzgitarre-Meister, hatte Joschi Pevny
selbstkritisch und behutsam den Gang jeweils höher geschaltet. Und
verweist nun in den Liner Notes Stück für Stück darauf,
welchem seiner Guitar Greats – etwa Van Eps („Once In A While“),
Almeida („A Felicidade“), Breau („The Second Time Around“)
oder Atkins & Taylor („Sweet Lorraine“) – seine
klingenden Ehrenbezeugungen gelten. Mit „orchestral“ angelegten
Solo-Titeln hat er ja schon auf „Mellow Guitar“ erfolgreich
geflirtet, kleine Besetzungen sind eh seine Spezialität. Sensibilität,
Eleganz und zugleich Ursprünglichkeit und Dichte bestimmen sein Spiel,
erst recht nun in diesen 13 Titeln, von denen er zwei im Overdub, zwei
weitere mit seinem einzigen Gast, Tenorist Peter Linhart, und satte neun
solo auf seiner über Amp und Mike aufgenommenen L-5-Kopie bietet
- die bislang größte Selbst-Herausforderung. Die meistert er
bravourös; denn er weiß, wie man aus der Gitarre ein Orchester
macht und dabei, frei nach Martin Taylor, „die Melodie hörbar
bleiben“ lässt. Bilanz: Eine Mainstream-Hommage an die Großen
der Gitarre und des Jazz, die selbst Hommagen verdient.
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