Home-Recording: Recording mit dem PC: Systeme und Anwendungsbsp. von Andreas Schulz


Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe mit den Input/Output-Verhältnissen beschäftigt haben, möchte ich euch in den nächsten beiden Folgen (diesmal) ein paar konkrete Anwendungsbeispiele und Studiokonfigurationen zeigen, die auf Basis eines Computers zu verwirklichen sind.

Am Anfang der Planung eines Computer-Studios steht die Frage der Anwendungen, die abzudecken sind. Dies gilt auch, wenn ein Rechner in ein bereits bestehendes Studio eingebunden werden soll und dort den Mehrspur-Rekorder ersetzt. Die wohl wichtigste Frage ist die nach der Spurenzahl, genauer gesagt nach der Zahl der gleichzeitig aufzunehmenden Signale. Da wir uns an dieser Stelle mit typischen Homerecording-Belangen beschäftigen, schauen wir uns eine Standard-Situation an: Ein Gitarrist möchte Aufnahmen mit seinen akustischen Instrumenten machen, und zwar sowohl solistische Stücke als auch Mehrspur-Aufnahmen im Overdub-Verfahren. Im einfachsten Fall wird unser zupfender Kollege immer nur eine einzige Spur aufnehmen, entweder ein Mikrofonsignal oder den Ausgang des in die Gitarre eingebauten Tonabnehmers. Solche Aufnahmen sind allerdings klanglich nicht unbedingt befriedigend; es fehlt eine gewisse Weite und Räumlichkeit, die auch mit einem Hallgerät nicht herbeizuzaubern ist. Wann immer möglich, sollte man akustische Gitarren stereo aufnehmen. Man benutzt dazu zwei Mikrofone, die sorgfältig aufgestellt werden und den natürlichen Klang einer Akustikgitarre wesentlich subtiler und kompletter einfangen als ein einzelnes Mikrofon. Die beiden Signale muss man natürlich auf getrennte Spuren aufzeichnen und beim Mixdown im Panorama auseinander legen. Man kann sogar noch einen Schritt weitergehen und drei Signale aufnehmen: den Tonabnehmer plus zwei Mikrofone. Dazu sind bereits drei Spuren und dazu passende Eingangsbuchsen nötig. Wir erinnern uns: um Audiosignale in guter Qualität überhaupt in den Rechner zu bekommen, ist ein gewisser Aufwand und etwas Hardware in Form von Sound-/Recording-Karten oder USB-Audio-Lösungen nötig. Neuerdings wird auch vermehrt die Firewire-Schnittstelle neuerer Computer zur Audio-Übertragung genutzt.
In manchen gut ausgestatteten Gitarren gibt es bereits zwei separat zu nutzende Signale, nämlich einen Steg-Pickup und ein internes Mikrofon, das meist im Innern des Korpus untergebracht ist. Idealerweise ist die Ausgangsbuchse stereo, so dass man diese beiden deutlich unterschiedlich klingenden Sounds getrennt aufnehmen kann. Das wären zusammen mit zwei externen Mikrofonen bereits vier Spuren – notwendig wäre dann eine Audio-Schnittstelle mit mindestens vier Eingängen, davon bittschön zwei mit Mikrofon-Vorverstärkern und Phantomspeisung. Übrigens muss man nicht immer alle aufgenommenen Signale tatsächlich verwenden, zumal es bei der Überlagerung von vier identischen Spuren leicht zu Phasenproblemen, Auslöschungen und einem „verschwommenen“ Sound kommen kann. Die kreativen Möglichkeiten eines solchen multiplen Recordings einer Gitarren-Performance sollte man sich allerdings gönnen: die endgültige Entscheidung über den Klang trifft man dann erst beim Mixdown, außerdem stehen viele Möglichkeiten der Bearbeitung mit EQ und Effekten zur Verfügung.

Mikrofon-Preamps
Wer mit externen Mikrofonen arbeitet, muss beachten, dass dann aufgrund der geringen Pegel spezialisierte Mikrofon-Vorverstärker nötig sind. Diese sind in guten Audio-Interfaces oft enthalten (bemerkbar an den XLR-Eingangsbuchsen und der Phantomspeisung). Mic-Preamps gibt es in hochwertiger Qualität auch als separate Hardware. Neben der sorgfältigen Auswahl der Mikrofone ist dies die beste Möglichkeit, die grundlegende Klangqualität der eigenen Aufnahmen zu verbessern. Heute gibt es bereits für verblüffend wenig Geld kleine Mikrofon-Preamps in Röhrentechnik, die wirklich gut klingen. Eine Alternative wären so genannte Channel-Strips: hier sind die Preamps mit weiteren Prozessoren wie EQ, Kompressor, Limiter oder Gate kombiniert. Außerdem sollten Phasenumkehrung und ein durchstimmbares Low-Cut-Filter zur Ausstattung gehören. Neuerdings gibt es Preamps mit einem Digital-Ausgang: hier ist der A/D-Wandler integriert, und man kann direkt den Digital-Eingang der Audio-Schnittstelle benutzen.

Recording-Software
Damit der Rechner überhaupt als Mehrspur-Rekorder arbeitet, ist eine entsprechende Software nötig. Weit verbreitet sind kombinierte Audio-MIDI-Sequenzer. Mit diesen Programmen kann man Audiospuren und MIDI-Daten aufnehmen und bearbeiten. Natürlich gibt es auch reine Audio-Programme. Meist werden in einem Hauptfenster die bereits aufgenommenen Spuren angezeigt, die man hier nach Belieben verschieben, schneiden, kopieren und anderweitig bearbeiten kann. Moderne Programme bieten auch Mischfunktionen und eine Reihe von Effekten, so dass man auf weiteres Outboard-Equipment verzichten kann. Die Anforderungen von uns Akustikgitarristen an eine Recording-Software sind eher gering: wer hauptsächlich sich selbst aufnimmt, kommt mit wenigen Spuren aus, braucht keine MIDI-Funktionalität und ist mit einem guten Hall- oder Multieffekt-Plug-In zufrieden. Es lohnt sich, die abgespeckten Light-Versionen gängiger Profi-Programme zu testen. Hier einige bekannte Programme: Samplitude (Magix), Cubase (Steinberg), Logic (Emagic), Sonar (Cakewalk).
Man sollte darauf achten, dass VST-Plug-Ins unterstützt werden und aktuelle Treiber für das verwendete Audio-Interface verfügbar sind. Ideal ist es, wenn das Recording-Programm auch Mastering-Funktionen hat. Dann kann man die eigene Musik nach dem Abmischen gleich selbst mastern und auf CD brennen. Damit hätte man alle Schritte der Produktion mit einem Programm und unter einer einzigen Bedienoberfläche durchgeführt. Alternativ dazu gibt es auch reine Audio-Editoren und Mastering-Programme (z.B. Steinberg WaveLab oder Emagic Waveburner Pro).

... der vollständige Text befindet sich in Heft 3/04 ab Seite 95! Aktuelle Ausgabe bestellen...