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Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe mit den Input/Output-Verhältnissen
beschäftigt haben, möchte ich euch in den nächsten beiden
Folgen (diesmal) ein paar konkrete Anwendungsbeispiele und Studiokonfigurationen
zeigen, die auf Basis eines Computers zu verwirklichen sind.
Am Anfang der Planung eines Computer-Studios steht die Frage der Anwendungen,
die abzudecken sind. Dies gilt auch, wenn ein Rechner in ein bereits bestehendes
Studio eingebunden werden soll und dort den Mehrspur-Rekorder ersetzt.
Die wohl wichtigste Frage ist die nach der Spurenzahl, genauer gesagt
nach der Zahl der gleichzeitig aufzunehmenden Signale. Da wir uns an dieser
Stelle mit typischen Homerecording-Belangen beschäftigen, schauen
wir uns eine Standard-Situation an: Ein Gitarrist möchte Aufnahmen
mit seinen akustischen Instrumenten machen, und zwar sowohl solistische
Stücke als auch Mehrspur-Aufnahmen im Overdub-Verfahren. Im einfachsten
Fall wird unser zupfender Kollege immer nur eine einzige Spur aufnehmen,
entweder ein Mikrofonsignal oder den Ausgang des in die Gitarre eingebauten
Tonabnehmers. Solche Aufnahmen sind allerdings klanglich nicht unbedingt
befriedigend; es fehlt eine gewisse Weite und Räumlichkeit, die auch
mit einem Hallgerät nicht herbeizuzaubern ist. Wann immer möglich,
sollte man akustische Gitarren stereo aufnehmen. Man benutzt dazu zwei
Mikrofone, die sorgfältig aufgestellt werden und den natürlichen
Klang einer Akustikgitarre wesentlich subtiler und kompletter einfangen
als ein einzelnes Mikrofon. Die beiden Signale muss man natürlich
auf getrennte Spuren aufzeichnen und beim Mixdown im Panorama auseinander
legen. Man kann sogar noch einen Schritt weitergehen und drei Signale
aufnehmen: den Tonabnehmer plus zwei Mikrofone. Dazu sind bereits drei
Spuren und dazu passende Eingangsbuchsen nötig. Wir erinnern uns:
um Audiosignale in guter Qualität überhaupt in den Rechner zu
bekommen, ist ein gewisser Aufwand und etwas Hardware in Form von Sound-/Recording-Karten
oder USB-Audio-Lösungen nötig. Neuerdings wird auch vermehrt
die Firewire-Schnittstelle neuerer Computer zur Audio-Übertragung
genutzt.
In manchen gut ausgestatteten Gitarren gibt es bereits zwei separat zu
nutzende Signale, nämlich einen Steg-Pickup und ein internes Mikrofon,
das meist im Innern des Korpus untergebracht ist. Idealerweise ist die
Ausgangsbuchse stereo, so dass man diese beiden deutlich unterschiedlich
klingenden Sounds getrennt aufnehmen kann. Das wären zusammen mit
zwei externen Mikrofonen bereits vier Spuren – notwendig wäre
dann eine Audio-Schnittstelle mit mindestens vier Eingängen, davon
bittschön zwei mit Mikrofon-Vorverstärkern und Phantomspeisung.
Übrigens muss man nicht immer alle aufgenommenen Signale tatsächlich
verwenden, zumal es bei der Überlagerung von vier identischen Spuren
leicht zu Phasenproblemen, Auslöschungen und einem „verschwommenen“
Sound kommen kann. Die kreativen Möglichkeiten eines solchen multiplen
Recordings einer Gitarren-Performance sollte man sich allerdings gönnen:
die endgültige Entscheidung über den Klang trifft man dann erst
beim Mixdown, außerdem stehen viele Möglichkeiten der Bearbeitung
mit EQ und Effekten zur Verfügung.
Mikrofon-Preamps
Wer mit externen Mikrofonen arbeitet, muss beachten, dass dann aufgrund
der geringen Pegel spezialisierte Mikrofon-Vorverstärker nötig
sind. Diese sind in guten Audio-Interfaces oft enthalten (bemerkbar an
den XLR-Eingangsbuchsen und der Phantomspeisung). Mic-Preamps gibt es
in hochwertiger Qualität auch als separate Hardware. Neben der sorgfältigen
Auswahl der Mikrofone ist dies die beste Möglichkeit, die grundlegende
Klangqualität der eigenen Aufnahmen zu verbessern. Heute gibt es
bereits für verblüffend wenig Geld kleine Mikrofon-Preamps in
Röhrentechnik, die wirklich gut klingen. Eine Alternative wären
so genannte Channel-Strips: hier sind die Preamps mit weiteren Prozessoren
wie EQ, Kompressor, Limiter oder Gate kombiniert. Außerdem sollten
Phasenumkehrung und ein durchstimmbares Low-Cut-Filter zur Ausstattung
gehören. Neuerdings gibt es Preamps mit einem Digital-Ausgang: hier
ist der A/D-Wandler integriert, und man kann direkt den Digital-Eingang
der Audio-Schnittstelle benutzen.
Recording-Software
Damit der Rechner überhaupt als Mehrspur-Rekorder arbeitet, ist eine
entsprechende Software nötig. Weit verbreitet sind kombinierte Audio-MIDI-Sequenzer.
Mit diesen Programmen kann man Audiospuren und MIDI-Daten aufnehmen und
bearbeiten. Natürlich gibt es auch reine Audio-Programme. Meist werden
in einem Hauptfenster die bereits aufgenommenen Spuren angezeigt, die
man hier nach Belieben verschieben, schneiden, kopieren und anderweitig
bearbeiten kann. Moderne Programme bieten auch Mischfunktionen und eine
Reihe von Effekten, so dass man auf weiteres Outboard-Equipment verzichten
kann. Die Anforderungen von uns Akustikgitarristen an eine Recording-Software
sind eher gering: wer hauptsächlich sich selbst aufnimmt, kommt mit
wenigen Spuren aus, braucht keine MIDI-Funktionalität und ist mit
einem guten Hall- oder Multieffekt-Plug-In zufrieden. Es lohnt sich, die
abgespeckten Light-Versionen gängiger Profi-Programme zu testen.
Hier einige bekannte Programme: Samplitude (Magix), Cubase (Steinberg),
Logic (Emagic), Sonar (Cakewalk).
Man sollte darauf achten, dass VST-Plug-Ins unterstützt werden und
aktuelle Treiber für das verwendete Audio-Interface verfügbar
sind. Ideal ist es, wenn das Recording-Programm auch Mastering-Funktionen
hat. Dann kann man die eigene Musik nach dem Abmischen gleich selbst mastern
und auf CD brennen. Damit hätte man alle Schritte der Produktion
mit einem Programm und unter einer einzigen Bedienoberfläche durchgeführt.
Alternativ dazu gibt es auch reine Audio-Editoren und Mastering-Programme
(z.B. Steinberg WaveLab oder Emagic Waveburner Pro).
... der vollständige
Text befindet sich in Heft 3/04 ab Seite 95!
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