Unser heutiger Workshop-Titel gilt als erster Rockabilly-Song der Musikgeschichte. Der 19-jährige Elvis spielte diese Aufnahme 1954 mit dem Gitarristen Scotty Moore und dem Bassisten Bill Black ein. Sam Phillips, der Chef des zuständigen Labels Sun Records in Memphis, Tennessee, hatte sowohl weiße als auch schwarze Künstler unter Vertrag, was damals ungewöhnlich war, da es vor allem im Süden der Vereinigten Staaten zwei parallele Musikwelten mit getrennten Clubs, Plattenläden und Radiosendern gab. Dadurch entstand aber eine Verbindung von weißer Bluegrass-Musik und dem schwarzen Rhythm & Blues, der auch "Race Music" genannt wurde und die Musik der schwarzen Unterschicht war.
Der Titel ,That's Alright Mama' entstand bei Elvis' erster Aufnahme-Session angeblich bei einer Pausenspielerei. Es ist ein neun Jahre früher entstandener Rhythm&Blues-Titel des schwarzen Sängers Arthur "Big Boy" Crudup. Die Sparbesetzung mit Gitarre, Bass und Gesang entsprach der damaligen klassischen Country-Besetzung, bei der es kein Schlagzeug und keine Bläser gab. Das perkussive Element wird vom Kontrabass erzeugt, der in sogenannter Slapping-Technik gespielt wird. Die Saiten klatschen auf das Griffbrett und erzeugen so einen mitreißenden Rhythmus. Diese Technik entwickelte sich im schwarzen Dixieland-Jazz. Elvis´ Gesangstil verband schwarze und weiße Stilelemente, ein damals beunruhigender Bruch traditioneller Hörgewohnheiten.
Auch Scotty Moore, immer noch aktiv als Gitarrist und Musikproduzent, suchte eine Verbindung von schwarzer und weißer Musik. Seine Vorbilder entstammten dem Jazz und der Country-Musik. Indem er den klaren Ton der Country-Gitarre mit den gefühlvollen Melodien des Jazz und Blues verband und dies elektrisch verstärkte, wurde er zum Vorbild vieler Musiker, so auch Keith Richards oder Eric Clapton. Sein Einfluss prägte den Rock'n'Roll.
Scotty Moore ist Fingerpicker. Er verwendet einen Daumenpick, den er auch als Plektrumersatz beim Spielen von Single Notes einsetzt. Des weiteren benutzte er zeitlebens Jazzgitarren, genauer Gibson-Archtops. Das erschwert uns allerdings ein wenig das Nachspielen seines Gitarrenparts. Seine in den höheren Lagen des Griffbretts gespielten Griffe erfordern auf der "normalen" Stahlsaitengitarre Kondition beim Greifen von Barréakkorden. Die auf den hohen Saiten gepickten sparsamen Licks sind typisch für Rockabilly. Außerdem heben sie sich klanglich von den tiefen Frequenzen des Kontrabasses ab: Ein Vorbild für effektives Arrangieren!
In der vorliegenden Bearbeitung habe ich den Wechselbass in die Gitarrenstimme auch an solchen Stellen eingearbeitet, wo Scotty Moore nur akkordisch spielt. Ihr könnt das Stück daher auch solistisch darbieten. Die Verwendung von Sext- und Nonen-Akkorden zeigt den Jazz-Einfluss Scotty Moores. Anfangs finden wir einen taktweisen Wechsel des als Barré gegriffenen A6-Akkordes mit einer Umkehrung der Harmonie. Dazu greifen wir im zweiten Takt den bekannten D-Dur-Griff und schieben ihn in den neunten Bund. Es erklingt A-Dur. Mit dem vierten Finger müssen wir noch einen Wechselton im zwölften Bund greifen. In den Takten 9 bis 12 greift ungewöhnlicherweise der dritte Finger im fünften Bund Barré. Die Basstöne zu diesem Griff greifen wir mit dem zweiten Finger auf der fünften Saite und dem ersten Finger im vierten Bund der vierten Saite. Diesen Akkord schieben wir danach in den Takten 13 bis 16 zwei Bünde höher.
Das Solo beginnt mit einem Basslauf als Auftakt. Ein kleiner Lauf mit Terzen folgt. Den Übergang zur Subdominante bildet ein kleiner einstimmiger Blueslauf mit gezogenen Tönen (Bending). Nach vier Takten D9 greifen wir dann den gewohnten E-Dur-Akkord, der mit einer kleinen Melodie auf der ersten Saite versehen wird. Grifftechnisch bietet das Stück keine besonderen Probleme. Schwieriger wird es nur, auch in höherem Tempo so entspannt und locker zu klingen wie Scotty Moore.
... der vollständige Text incl. Noten und Tabs befindet sich in Heft 2/08 ab Seite 114. 
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