Ulli Bögershausen - Zeit und Stil von Michael Lohr


Ulli Bögershausen Wer diesen Mann in seinem Haus an der Mosel besucht hat, kommt ins Grübeln. Etwas lässt einen nicht mehr los. Es ist der Gedanke, dass hier jemand sein Leben beneidenswert richtig anpackt.

Ulli Bögershausen
Ulli Bögershausen: Gemütlicher Workaholic

Während man durch den kleinen Winzerort davonfährt, sitzt Ulli Bögershausen vielleicht schon wieder im kamingeheizten Wohnzimmer mit Blick über Fluss und gegenüberliegende Weinberge. Seine Lakewood in der Hand, die jederzeit bereit liegt, wendet er sich nun womöglich seinem Stehpult zu, darauf frische Ausdrucke aus einem Notationsprogramm, mit Rotstift hier und da korrigiert. Noch bevor seine neue CD ‚Crimson’ offiziell erscheint, hat er die Tage zwischen den Jahren genutzt, um an neuen Arrangements und Stücken zu feilen und mit seinem Schwager zusammen Videoclips zu produzieren, die er auf einer Internetplattform einstellen wird.

Der selbsternannte „gemütliche Workaholic“ („Ich arbeite viel und gerne, weiß mir aber auch das Leben ganz nett zu machen.“) beschert der Akustikgitarrenszene immer wieder makellos produzierte Musik. Im Moment bilden sich bereits wieder Keimzellen für ein neues Album. Denn „wenn ich ein Thema habe das mich reizt, mache ich daraus ein Arrangement. Und wenn ich eine Idee habe, mache ich daraus ein Stück. Und wenn ich genügend Stücke zusammenhabe die zueinander passen, entwickelt sich so langsam die Vorstellung von einer Platte.“

Dieser Zeitpunkt lag für ‚Crimson’ etwa Anfang 2007. Der Startschuss besteht, in den Worten Thomas Kesslers (Produzent von ‚April’, 1991) darin, „dass man erstmal so’n Büksken macht“, ein Konzept schreibt, das immer weiter verfeinert wird. Nach ‚Ballads’ (2006) hieß das für das Nachfolgealbum: „Mehr eigene Handschrift, Abwechslung und Dynamik“. ‚Ballads’ zehn Pop-Balladen war wie eine Reprise der ‚Ageless Guitar Solos’ von 1995 mit den großen Hits der Fingerstyle-Gitarre.“ Das neue Album nun sollte eine Werkschau werden, „alles, was mich im Moment interessiert.“ Diese offene Zielrichtung bedeutete Material aus ganz verschiedenen Quellen: Der ‚Lakewood Song’ entstand beim Antesten von Gitarren, das Arrangement von ‚Both Sides Now’ von einer großen Joni-Mitchell-Anhängerin unter Workshop-Teilnehmern angeregt, ‚Percussive Groove’ und ‚Waltz’ ursprünglich (nur) Etüden für Bögershausens Fingerstyle-Lehrbücher, und ‚Manha Da Carneval’ war schon immer präsent gewesen als typisches spontanes Duo-Stück auf Gitarren-Festivals.

Doch obwohl „jedes Stück für sich sitzen und ansprechen muss“, ist ein Album für Bögershausen „keine bloße Aneinanderreihung von Titeln. Ich möchte mit einem Album jemanden in eine Situation versetzen, in der er sich gemütlich hinsetzt, sich entspannen kann und die Platte genießt.“ Dafür aber muss diese „einen inhaltlichen Zusammenhang bieten, eine durchgängige Atmosphäre“ und in Tempo und Melodie reizvolle Abwechslung, „ohne dass es den Hörer gleich hin und her reißt.“ Diese Differenzierung musste reifen: „Früher hätte ich eine Platte noch gemacht nach dem Muster: langsam - schnell - langsam - schnell. Jetzt sehe ich zu, dass sie insgesamt einen Spannungsbogen besitzt.“ Die Zutaten zum in sich gerundeten Werk: Bögershausen komponierte einen eigenen Anfang, „so wie die Klassiker eine Ouvertüre geschrieben haben“ und ein Finale. Und was dem Gitarristen damals erst mitten in der Arbeit aufgefallen war die ausschließliche Verwendung des Standard Tuning wurde diesmal gleich zum Prinzip erklärt: „Nicht einmal Dropped D kommt vor.“ Über aufeinander abgestimmte Tonarten allerdings macht er sich keine Gedanken. „Ich würde das wohl merken, wenn etwas nicht zueinander passt.“

... der vollständige Text befindet sich in Heft 2/08 ab Seite 40! Aktuelle Ausgabe bestellen...