‚Open Strings‘ gehört sicher zu den technisch anspruchsvolleren Stücken und erfordert viel Übung. Ich möchte in dieser Ausgabe einige Techniken des Hauptthemas vorstellen, da sie interessant sein können, wenn man sich vom Standard-Picking ein wenig lösen möchte. Außerdem profitiert man von dieser Spielweise auch, wenn man nicht ganz das (fingerbrecherische) Originaltempo erreicht.
Die Idee zu diesem Thema hatte ich schon vor über 20 Jahren, beeinflusst von der Spielweise des amerikanischen Banjo-Virtuosen Art Rosenbaum und des wunderbaren, aber leider viel zu unbekannt gebliebenen englischen Gitarristen Dave Evans.
Die Gitarre stimmen wir zunächst auf DAEGAD. Über den Tabulaturen habe ich die zu benutzenden Finger der rechten Hand vermerkt: p = Daumen, i = Zeigefinger, m = Mittelfinger. Vorsicht: das p in der Tabulatur bedeutet Pull-Off!
In diesem Thema finden sich unterschiedliche Techniken. Auffallend ist zunächst, dass der rechte Daumen häufiger als gewöhnlich eingesetzt wird. Nur durch den Daumenanschlag auch auf den hohen Saiten erhält das Thema seine enorme Kraft. Auch der Zeigefinger hat in den Takten 1 und 3 eine besondere Funktion: Auf dem dritten Sechzehntel schlägt er mit dem Nagel auf die D-und G-Saite. Dies ist gekennzeichnet mit einem Pfeil in Schlagrichtung. Im gleichen Moment klopft der kleine Finger auf die Gitarrendecke sowie die Handkante auf den Steg, wodurch ein zusätzlicher Akzent entsteht. Die ganze Bewegung ist ein Schlag, der aus dem ganzen Arm kommt. Gleich danach zupft der Zeigefinger die H-Saite. Das Ganze erfolgt dreimal im Takt, beim dritten Mal ändert sich jedoch das Zupfmuster. Üben sollte man diese Figur langsam und im Zusammenhang (also jede Sechzehntelgruppe separat).
Die Takte 2 und 4 sind fast identisch und bestehen aus Hammer-On- und Pull-Off-Techniken. Allerdings zupft der Daumen die H-Saite, wodurch der Lauf seine Kraft bezieht. Die Takte 5 bis 8 sollten mit kräftigen Hammer-Ons gespielt werden. Die Hammerings sorgen für die nötige Energie, während die leeren Saiten durch ihr langes Sustain die Töne verbinden. In den Takten 9 und 10 schlägt der Zeigefinger über vier Saiten; in der linken Hand liegt ein Barré (erst im III., dann im II. Bund) bis zur Zählzeit <2> von Takt 10.
Auf unserer CD hört ihr das Thema komplett und zusätzlich einzelne Takte langsam gespielt. So könnt ihr ‚Open Strings‘ besser nachvollziehen. Besonders interessant werden diese Techniken übrigens beim Experimentieren in anderen Stimmungen. Genau das solltet ihr auch tun, sobald die Bewegungen der rechten Hand fließend funktionieren.
Viel Spaß dabei,
Peter Finger
... der vollständige Text incl. Noten und Tabs befindet sich in Heft 2/06 ab Seite 117. 
Track 26-32 der Akustik Gitarre Begleit-CD  |