Am besten hat es vielleicht John Fahey formuliert, der große alte Mann der akustischen Gitarre. Wenige Jahre vor seinem Tod meinte er: „ Niemals zuvor habe ich einen kreativeren oder musikalischer klingenden Gitarristen gehört. Gäbe es eine Kategorie, die einfach nur ,großartige Musik’ hieße, würde sein Spiel auf jeden Fall dazugehören.“ Die Rede ist vom New Yorker Fingerpicker Woody Mann, der aus den bekannten Zutaten Blues, Ragtime, Folk und Jazz sein ganz eigenes, besonders schmackhaftes Süppchen kocht.
 |
| Woody Mann |
Seit er vor zwölf Jahren den Opener zum Sampler ‚The International Guitar Festival’ eingespielt hat, der in Szenekreisen so einige Kinnladen herunterklappen ließ, zählt er auch in Europa zu den großen Steelstring-Virtuosen. Woody Mann hat seine ersten musikalischen Eindrücke im Wohnzimmer von Reverend Gary Davis, dem Chef-Ausbilder des weißen Folk-Revivals, erhalten. Bis zu dessen Tod im Jahre 1972 war er Meisterschüler und Freund des legendären blinden Blues-, Gospel- und Ragtime-Gitarristen und fuhr mehrmals die Woche mit der Subway zum Spielen zu ihm.
Schon bald spielte Woody Mann mit Musikern wie John Fahey, der britischen Sängerin Jo-Ann Kelly, dem Songwriter Dori Previn, den Blues-Veteranen Bukka White und Son House oder dem ungarischen Jazzgitarristen Attila Zoller, die sich allesamt beeindruckt zeigten, wie intensiv sich Mann mit der Musik des schwarzen Amerika auseinandergesetzt hatte und wie mühelos und locker sein Spiel war. Um seine Ausbildung zu vervollständigen, begann Mann am renommierten New Yorker Konservatorium „The Juilliard School of Music“ ein Intensivstudium unter Anleitung des blinden Pianisten Lennie Tristano aus Chicago, der ihn in die Welt des improvisierten Jazz einführte.
Heute ist Woody Mann ein weltweit anerkannter und viel beschäftigter Künstler: Er tritt praktisch überall auf, von den Orchestergräben des Broadway über das ,Aarhus International Jazz Festival’ in Dänemark bis hin zum „International Guitar Festival of Great Britain“ in Wirral bei Liverpool. Er nimmt Jahr für Jahr Soloalben auf und arbeitet mit Künstlern wie Bob Brozman, John Cephas und Orville Johnson oder der fantastischen deutschen Sängerin Susanne Vogt. Zusätzlich hat er sich einen hervorragenden Ruf als Lehrer erarbeitet: Er hat zahllose Videos für seine Produktionsfirma „Acoustic Sessions“ eingespielt, hat die „International Guitar Seminars“ ins Leben gerufen und darüber hinaus viele Bücher für Mel Bay über stilbildende Helden wie Blind Blake, Big Bill Broonzy, Lonnie Johnson oder Robert Johnson geschrieben.
Wir unterhielten uns mit dem charmanten New Yorker über seine Entwicklung als Gitarrist, seine derzeitigen Lieblingsgitarren, seine neue CD ‚Road Trip’ und seinen ehemaligen Schüler Paul Simon.
... der vollständige Text befindet sich in Heft 2/06 ab Seite 50!  |