Das ist Familientradition: Vater Beck vertritt die Meinung, jeder in der Familie müsse das Klavierspiel erlernen. Auch Sohn Howard drückt brav sechs Jahre lang die Tasten, entwickelt aber keine glühende Liebe zu klassischen Partituren. Bei einem Freund entdeckt er ein altes Schlagzeug und ist fortan nur noch selten zuhause. Entsprechend entsetzt sind die Eltern vom Vorschlag ihres Teenagers, Berufsmusiker werden zu wollen, genauer gesagt Schlagzeuger. Tatsächlich erspielt sich Howard ‚Howie’ Beck in seiner Heimatstadt Toronto den Ruf eines exzellenten Studio-Trommlers für Acts wie Sarah Harmer, die Cash Brothers und andere. Doch dann kommt alles anders: „Ich habe in vielen Bands gespielt, die fantastische Gitarristen hatten, das hat mich irgendwann fasziniert“, sagt der heute 35- Jährige. „Ich habe viel mit den Augen gestohlen und nahm dann ein paar Jahre Unterricht bei meinem Freund Tom Payne.“
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| Howie Beck |
Beck beginnt, eigene Songs zu schreiben, die er 2002 auf seinem Debütalbum ‚Hollow’ veröffentlicht. Typische Songwriter-Stücke amerikanischer Prägung mit viel Satzgesang charakterisieren das Werk. „Ich habe damals als Gitarrist nur das gespielt, was man bei uns ‚Farmer-Akkorde’ nennt“, scherzt er. Die Weiterentwicklung seines Spiels lässt sich auf seinem neuen selbst betitelten Album nachhören. Raffiniert arrangierter, interessant und liebevoll produzierter Songwriter-Pop, mit voller Band-Besetzung, in Eigenregie produziert. „Ich bin mit Prog- und Art-Rock aufgewachsen, mit Bands wie Yes und Gitarristen wie Steve Howe. Daher haben mich gute Produktionen immer fasziniert.“
Sein Album erhält hervorragende Kritiken. Das Mojo- Magazin schreibt von „honigsüßer Träumerei von Anfang bis Ende”, der Toronto Star schwärmt von einem „zerbrechlichen Mini-Meisterwerk“. Anteil daran haben auch die Gäste, die dem Album neue Akzente verpassen, wie Songwriter Ed Harcourt, Mathew Caws (Band-Boss der Indie-Rocker Nada Surf) sowie die wundervolle Sängerin Leslie Feist aus Calgary. „Ich habe versucht experimentell zu sein“, erklärt Beck seinen Ansatz. Das gilt auch für seine Klangphilosophie: „Ich habe lieber fünf verschiedene Mittelklasse- Mikrofone, als eines der Spitzenklasse. Ich liebe es, zu experimentieren und will auf keinen Fall Lo-Fi klingen. Ich habe keine Lust, mich für meine Platten zu entschuldigen.“ Deshalb hat er ein altes 12-Kanal Ward- Beck-Mischpult von den staatlichen kanadischen CBC- Studios erstanden, das in Klangeigenschaften, Ruf und Qualität den legendären Neve-Pulten in nichts nachstehen soll. „Mein ganzer Stolz“, sagt Beck.
Das gilt auch für seine Gitarren. „Alt und gespielt müssen sie sein“, bekennt er und verweist auf seine Gibson J-45 Bannerhead aus dem Jahr 1944 und eine etwas jüngere B-25 aus den Sechzigerjahren. „Beide Instrumente sind ziemlich abgewetzt, klingen aber fantastisch“, meint er. „Ich mag neue Gitarren nicht, mit ihren extremen Höhen und Bässen, die klingen einfach zu schick. Ich mag es gerne etwas natürlicher, etwas mittiger und ausgeglichener, so wie auf den alten Dylan- Platten, wo sie Gitarre und Mundharmonika mit nur einem Mikro abgenommen haben.“ Und für Anfänger hat er auch noch einen Rat parat: „Jeder sollte mit einer richtig miesen, alten Gitarre beginnen. Denn wenn du darauf spielen kannst und mit ihren Unzulänglichkeiten klarkommst, klingst du danach auf einem vernünftigen Instrument gleich zehn Mal so gut.“
CD: Howie Beck - Howie Beck (Arvato/Rough Trade)
... der vollständige Text befindet sich in Heft 2/06 ab Seite 34!  |