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| Johannes Tonio Kreusch |
Im ersten Teil der vorliegenden Courante (siehe AG 1/05) hatte ich den
Doppelschlag vorgestellt. Diese Verzierung, bei der die Hauptnote mit der
oberen und unteren Nebennote umkreist wird, bietet sich auch im zweiten Teil
in Takt 18 an, um virtuos den Schlussteil einzuleiten. Anstelle des
angegebenen Trillers könnte man somit auf dem 6ten Achtel-Schlag mit der "Umkreisung" des zweigestrichenen e beginnen (siehe "Ausführung"). Beim
Studium der erhaltenen Originalquellen zur e-Moll-Suite wird deutlich, dass
die Handschriften bezüglich Verzierungen oder der Ausführung mancher
musikalischer Wendungen immer wieder voneinander abweichen. Ein Beispiel
dafür ist Takt 18, in dem die Handschrift eines Vetters von Bach, dem
Weimarer Stadtorganisten Johann Gottfried Walther (1684-1748), eine
interessante Umgruppierung des Schlussteils dieses Taktes aufweist (siehe "Ausführung"). Die Abschrift Walthers, die in der Sammlung des Bach-Schülers
Johann Ludwig Krebs gefunden wurde, ist die früheste handschriftliche Quelle
der e-Moll-Suite. Von Bach selbst existiert leider kein Originalmanuskript.
Auf der Titelseite des Waltherschen Manuskripts wurde von unbekannter Hand
der Vermerk "aufs Lautenwerck" hinzugesetzt, was zu der Vermutung Anlass
gegeben hat, dass diese Suite für ein Lauten-Clavicymbel gedacht war. Dieses
Instrument, das verschiedentlich auch "Lauten-Clavier" oder "Lautenclavicembalo" genannt wurde, war ein ungewöhnliches Tasteninstrument
aus dem frühen 18. Jahrhundert, das wie eine Laute geklungen haben soll. Der
Abhandlung ,Musica Mechanica Organoedi' von Jacob Adlung aus dem Jahre 1768
ist zu entnehmen, dass dieses Lautenclavier, welches mit Darmsaiten bespannt
war und auch denselben Tonumfang wie eine Laute besaß, wohl von Bach selbst
erfunden und von einem seiner Cousins, Johann Nicolaus Bach, gebaut worden
war.
... der vollständige Text befindet sich in Heft 2/05 auf Seite 144!
Track 28 der Akustik Gitarre Begleit-CD: Irish Guitar - ,The Fair Haired Boy‘  |