John Mayer: Play-Boy von Stefan Woldach - zum Workshop


Vor etwa zwei Jahren erschien ein völlig unbekannter Songwriter mit „Your Body Is A Wonderland“ und versetzte sein Publikum damit ins Staunen. Das war ganz großes Gefühlskino. Nun tritt der Sänger und Gitarrist zur Realitätsüberprüfung an, ob nämlich das dreifache Platin für das dazugehörige Album „Room For Squares“ und nachfolgend die Grammy-Dekorierung nicht doch ein bisschen zuviel des Guten waren. Mayer kontert jedoch auf seinem neuen Werk „Heavier Things“ mit der ihm eigenen Lässigkeit, mit luftig federnden Gitarrensongs und trunkenen Melodien, deren Schönheit sich selbst notorische Nörgler kaum entziehen können. Mayer weiß genau, was er tut. Und er macht es mit entwaffnender Natürlichkeit und musikalischer Kompetenz.
John Mayer
„Immer neue Melodien finden“
John, wie vermeidet man den Erfolgsdruck während einer Produktion, wenn man mit seinem Vorgängeralbum derart abgeräumt hat?
John Mayer: Ich habe mich schon sehr früh entschieden, dass ich mein zweites Album sehr schnell aufnehmen wollte, unmittelbar nach dem ersten Teil der Tour. Ich erinnere mich, wie sehr ich mich darauf freute, obwohl ich noch nicht genau wusste, wie es klingen sollte. Ungeachtet ob „Room For Squares“ erfolgreich sein würde, stellte ich mir nur die Frage: Wie zufrieden würde ich selbst damit sein?

Deine Stücke sind erneut toll arrangiert. Du scheinst dich sehr ausführlich mit Songwriting beschäftigt zu haben.
John Mayer: Danke, ja. Obwohl ich mittlerweile viel intuitiv mache und weniger darüber nachdenke. Die Songs kommen zu mir, wenn sie es wollen. Ich sitze oft mit der Gitarre bei mir zu Hause herum und tue so, als ob ich einen Song schreiben würde. Ich schrammele nur so vor mich hin, um das Gefühl zu haben dass ich arbeite. Und irgendwann passiert es. Aber, um ehrlich zu sein, es dauert meist eine ganze Weile, einen wirklich guten Song hinzubekommen.

Du hast immer wieder sehr interessante Details in deinen Arrangements. Nehmen wir nur mal dein Melodiespiel im Hintergrund zu „Bigger Than My Body“. Oder die verschiedenen rhythmischen Akkord-Kolorierungen in „Home Life“.
John Mayer: Nun, dein Gehör fängt sich irgendwann an zu langweilen, wenn du lediglich wiederholst, was du schon immer gemacht hast. Meine Ohren jedenfalls langweilen sich, wenn sie die alten Songs hören! Es geht also darum, immer neue Melodien zu finden. Ich liebe Melodien, und ich will viel davon in meinen Songs. „Home Life“ basiert auf so einer Melodie, die ich übrigens zuerst auf dem Klavier gespielt habe; daraus entstand später der Gitarrenpart. Genauso wichtig sind mir die Stimmungen, die ich einfangen will: Darum geht es auf „Heavier Things“. Ich denke, das ist es, worauf die Leute ansprechen, im positiven wie im negativen Sinne.

Dein Album klingt angenehm luftig und lässt viel Raum zum atmen. Welche Vision hattest du bei der Produktion?
John Mayer: Ich habe diese Platte mit dem Gedanken an ihre Live-Performance geschrieben. Und eine Sache, die mich an der Live-Umsetzung von „Room For Squares“ genervt hat, das war, dass ich dabei die ganze Zeit Gitarre spielen musste. Ich habe keine Sekunde Zeit gehabt, mich mal zurückzunehmen und den Moment zu genießen. Ich war die ganze Zeit permanent beschäftigt. Diese Platte dagegen bietet mir eine Menge Möglichkeiten, auch mal um mich herum zu schauen, wenn du weißt, was ich meine...

Noch etwas fällt beim Hören auf: Deine Songs sind ausgesprochen eingängig und auffallend freundlich.
John Mayer: Ich mag das, weil ich mich selbst auch so beschreiben würde. Ich bin bodenständig. Was mich auf dem Boden hält? Einfach Gitarre spielen. Ich liebe es, Musik zu machen, es erfüllt mich total. Wenn ich abends im Bett liege, fühle ich mich immer erfüllt und glücklich. Ich würde nicht dafür sterben, berühmt zu sein. Aber ich würde sterben, wenn ich keine Musik machen dürfte.

... der vollständige Text befindet sich in Heft 2/04 ab Seite 28! Aktuelle Ausgabe bestellen...

Diskografie
CDs: Inside Wants Out 1999, Room For Squares 2001, 30 Squares Per
Second (DVD 2002), Room For Squares (Bonus DVD, 2003), Room
For Squares (Frankreich, Bonus CD 2003), Any Given Thursday
(Live, auch als Video/DVD 2003), Bigger Than My Body (Canada CD
2003), Heavier Things, 2003.
Singles: No Such Thing, 2002, Your Body Is A Wonderland 2002,
Why Georgia 2003.
Als Gastmusiker: Michelle Malone: Home Grown 1999, Various
Artists: Forever Dusty 2000, Various Artists: Aware Greatest Hits
2002, Original Soundtrack: Celebridade 2003.

John Mayer – Gitarrenparts von Andreas Schulz

In der letzten Ausgabe stellten wir im Workshop „Special“ bereits ein komplettes Stück des jungen US-Barden vor. Diesmal schauen wir uns weitere kleine Ausschnitte seines gitarristischen Könnens an. Mayer ist ein handwerklich souveräner Gitarrist, der die Begleitungen seiner Songs mit groovigem Strumming und geschickt gewählten Voicings würzt. Lehrreich sind auch die Mehr-Gitarren-Arrangements, bei denen sich die verschiedenen Stimmen nie ins Gehege kommen, sondern wunderbar ergänzen.
Los geht´s mit „No Such Thing“ von der CD „Inside Wants Out“ aus dem Jahr 1999. Alle unserer Beispiele stammen übrigens von dieser Produktion – nicht etwa, weil die aktuelle Scheibe „Heavier Things“ schwächer wäre. Auf „Inside ...“ finden sich schlicht mehr akustische Parts, darunter auch solistisch ohne Bandbegleitung eingespielte Werke. Abb. 1 zeigt Intro und den folgenden Vers, gespielt mit einem charakteristischen Strumming-Riff mit interessanter Rhythmik. Die tiefe E-Saite müsst ihr für den richtigen Sound mit dem Handballen leicht andämpfen., die Akkorde dagegen sollten frei schwingen. In den letzten beiden Takten kann man die Dämpfung komplett wegnehmen und so für einen kleinen dynamischen Zwischenspurt sorgen. Hier die Akkorde: Emaj9 – E – E maj9 – E – Emaj9 – Aadd9 – C#m7/11 – Em7/9/11
Die ergänzende zweite Gitarre steht unter Abb. 2, sie setzt ab Takt 5 ein. Interessant sind die ersten vier Takte durch den Einsatz der leeren H-Saite. Danach folgt ein Sequenzer-artiges Pattern, das identisch über die folgenden Akkorde durchgehalten wird und jedes Mal eine neue harmonische Bedeutung bekommt.


... der vollständige Text befindet sich in Heft 2/04 auf Seite 30! Aktuelle Ausgabe bestellen...
In der Rubrik Tonbeispiele können Sie sich die Gitarrenparts von John Mayer anhören.