Home-Recording: Recording mit dem Computer - Der Einstieg von Andreas Schulz


Wie bekomme ich qualitativ hochwertige Audio-Signale in den Rechner; wie schließe ich eine Gitarre an den Rechner an? Dabei ersparen wir uns zunächst die vielen Details zur digitalen Audiotechnik und zu Rechner- und Software-Konfigurationen. Wir kümmern uns um das so genannte Front-End, um die Möglichkeiten, einen Computer mit den für einen reibungslosen Recording-Betrieb nötigen Audio-Anschlüssen auszurüsten. Den folgenden Text sollten Sie in Verbindung mit dem Test des Tascam US-122-Interfaces in dieser Ausgabe lesen.

Immer mehr Musiker entscheiden sich dafür, Musik mit dem Computer aufzunehmen und zu bearbeiten. Bei ausreichender Leistung des Rechners ist dies problemlos machbar, man braucht nur die passende Software, in der Regel ein kombiniertes Audio- und MIDI-Aufnahmeprogramm („Sequenzer“). Bekannte Programme sind Cubase, Logic oder Sonar. Von diesen gibt es abgespeckte Versionen, die für wenig Geld einen guten Einstieg in die Disziplin „Computer-Recording“ erlauben. Die großen Software-Schlachtschiffe bieten eine derartige Funktionsvielfalt, dass Heimanwender oft überfordert sind oder ein Großteil der möglichen Funktionen schlicht ungenutzt bleibt. Ein wesentlicher Punkt bei der Planung eines Computer-Studios ist die In/Out-Konfiguration, also die Frage: wie kommen die Audiodaten in den Rechner, wie kommen sie zum Abhören wieder heraus? Damit verbunden ist die Entscheidung, ob Sie die kompletten Mischfunktionen im Rechner mit Maus und Tastatur erledigen oder einen externen Mixer benutzen möchten. Diese Zusammenhänge werden Thema einer späteren Folge des Recording-Workshops sein. Heute interessiert uns vornehmlich die Audio-I/O-Frage (I/O = In/Out). Je nach Instrument und verwendetem Equipment brauchen Sie drei Arten von Anschlüssen:
• Mikrofoneingänge, wenn möglich XLR-Buchsen mit Phantomspeisung
• Line-Eingänge, wenn sie bspw. ein Effektgerät oder einen Akustikgitarren-Prozessor benutzen
• Gitarren-Eingänge in hochohmiger Ausführung, falls Sie in das Instrument eingebaute Tonabnehmer wie Piezos oder Magnet-Pickups verwenden
Ideal ist es, wenn das Computer-Interface alle drei Anschlussvarianten anbietet; Sie sind dann für jede Situation gerüstet.

Soundkarten

Praktisch jeder Rechner hat bereits eine Lösung für Audio an Bord, die Soundkarte. Deren Ausstattung variiert je nach Kaufpreis, meist gibt es einen Line-Eingang, einen Mikrofon-Eingang und einen Ausgang für die üblichen Computer-Lautsprecher. Besser ausgestattete Karten bieten mehrere Eingänge, digitale Ein- und Ausgänge und vielleicht noch eine MIDI-Schnittstelle. Oft kommt ein integriertes Synthesizer-Modul zum Abspielen von MIDI-Dateien dazu. Wie Sie u.U. an Ihrem eigenen Rechner bemerken werden, sind die Schnittstellen nicht für anspruchsvolle Anwendungen geeignet. Die Anschlüsse sind unsymmetrisch, meist als Miniklinken ausgeführt, die Anpassung ist für einen direkten Anschluss einer Gitarre ungeeignet, und die Qualität der Analog/Digital-Wandler ist recht bescheiden. Mit einem Wort: die erzielbare Qualität ist für halbwegs ernsthafte Aufnahmen indiskutabel. Es gibt bei neueren Rechnern Angebote mit besserer Leistung, doch es bleibt oft das Problem schlechter Signalanpassung oder unpassender Anschlussformate. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, waren doch Soundkarten ursprünglich dazu gedacht, einfache Multimedia-Anwendungen zu ermöglichen oder Spiele akustisch zu untermalen.

In einer ganz anderen Liga spielen so genannte Recordingkarten mit bis zu 16 analogen Ein- und Ausgängen. Die erhöhte Zahl von Anschlüssen ermöglicht fortgeschrittene Anwendungen, Sie können bspw. Ihre Gitarre auf mehreren Spuren mit Mikrofonen und Tonabnehmern aufnehmen, oder eine heimische Session mit mehreren Spielern und Instrumenten mitschneiden. Meist werden diese Anschlüsse über eine Kabelpeitsche nach draußen geführt, d.h. an der Recordingkarte hängt ein „Kabelbündel“ mit einzelnen Klinken- und Cinch-Kupplungen. Professionelle Karten verwenden eine außenliegende Anschluss-Box (die so genannte „Break-Out-Box“), die mit einem mehradrigen Kabel an den Rechner angeschlossen wird. Diese Box enthält alle Anschlüsse in guter Qualität (als symmetrische Klinken oder XLRs) und kann an einem günstigen Platz für die Verkabelung der Instrumente und Mikrofone aufgestellt werden. Die Beurteilung der Leistung und des Funktionsumfangs von Recordingkarten orientiert sich an der Zahl der vorhandenen Ein- und Ausgänge und an deren genauer technischer Spezifikation. Außerdem wichtig: die Daten der A/D- und D/A-Wandlung. Hier sind heute 24-Bit und bis zu 96 kHz Standard (Erklärung siehe unten). Weitere mögliche Ausstattungsvarianten sind digitale Ein- und Ausgänge als Cinchbuchsen oder als optische Schnittstellen (zur Verkabelung benötigen Sie dann ein optisches Kabel), digitale Mehrkanal-Anschlüsse im ADAT-Format (eine weitere optische Schnittstelle, mit der bis zu acht Signale parallel übertragen werden), Wordclock-Anschlüsse (zur digitalen Taktsynchronisation mehrerer Digital-Geräte) und MIDI-Anschlüsse.

Man sieht: beim Einsatz eines Computers als Studiozentrale gibt es eine Fülle von Möglichkeiten. Eine genaue Planung und eine Analyse der konkreten Bedürfnisse ist unumgänglich, wenn man sich nicht „verkaufen“ will. Die bisher dargestellten Möglichkeiten erfordern den Einbau einer Karte in einen freien Kartenschacht des Rechners. Das ist sicher nicht jedermanns Sache. Doch es geht aus Anwendersicht auch einfacher.

USB-Audio-Interfaces

In den letzten Jahren hat sich die USB-Schnittstelle für den Anschluss aller Arten von Peripheriegeräten durchgesetzt. USB steht für Universal Serial Bus. Hier kann man ohne Eingriffe ins Innenleben des Rechners externe Geräte (z.B. Drucker oder Scanner) anschließen, diese werden vom Betriebssystem entweder automatisch erkannt oder verlangen die vorherige Installation von Treiberdateien. Inzwischen gibt es auch zahlreiche Lösungen, die die USB-Schnittstelle für die Übertragung von Audiodaten nutzen. Das USB-Audio-Interface wird also einfach mit einem USB-Kabel an den Rechner angeschlossen und stellt diesem die nötigen Ein- und Ausgänge zur Verfügung. Ein gutes Beispiel dafür ist das in dieser Ausgabe getestete Tascam US-122. Ein Verkabelungsbeispiel zeigt die nebenstehende Abbildung.

... der vollständige Text befindet sich in Heft 2/04 ab Seite 98! Aktuelle Ausgabe bestellen...