Belmont Trio: Globalisiert von Ahmed El-Salamouny


Die Spielfreude hört man zuerst. Die CD beinhaltet hauptsächlich Musik aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Überzeugend und überraschend ist Bachs Gambensonate; aufgenommen durch die zwei Gitarren, die das Cembalo ersetzen, erscheint dieses Stück in einem neuen Licht. Maxine Neuman hat einen wunderbaren Celloton, wodurch dieses Stück alles Statische verliert. Eindrucksvoll sind auch die Stücke von Nadia Boulanger, in denen das Trio feine musikalische Strukturen herausarbeitet. Die drei Stücke des Boulanger-Schülers Astor Piazzollas sind voller Energie und mit viel Esprit eingespielt, und es lebt hier der konzertante Tango wieder auf, ohne seine Wurzeln zu verleugnen.
Über das „Belmont Trio“ zu schreiben heißt auch über drei Solo-Künstler und zwei Duos zu schreiben. Jeder
Belmont Trio
"Die Chemie stimmte von
Anfang an"

dieser Musiker würde ein eigenes Vorwort verdienen.
Wir fassen wir uns kurz und fangen mit Karin Scholz an. Sie ist Preisträgerin vieler Wettbewerbe im In- und Ausland und hat nicht zuletzt ein Stipendium des Deutschen Musikrates erhalten. Sie spielte unter anderem zusammen mit den Münchner Bachsolisten und dem Stuttgarter Radiosymphonieorchester. Neben dem „Duo Bergerac“ und dem daraus entstandenen „Belmont Trio“ arbeitet sie zusammen mit dem Flötisten Thomas Richter in unterschiedlichen kammermusikalischen Bestzungen wie dem „Gragnani Trio“.
Maxine Neuman, die Cellistin des Trios, konzertiert rund um den Globus; sie hat zwei Grammy Awards gewonnen und konzertierte als Solistin in der ausverkauften New Yorker Town Hall. Sie spielte aber ebenso mit der Rock-Band „Metallica“ und anderen Größen der Pop- und Rockwelt, arbeitete mit dem Regisseur Jim Jarmusch und absolvierte Auftritte bei dem legendären Jazz Festival in Montreux.
Peter Ernst weist ebenfalls eine Reihe von Auszeichnungen aus halb Europa auf und spielt neben den hier bereits erwähnten Ensembles noch zusammen mit dem argentinischen Charango-Virtuosen Diego Jascalevich, der Flötistin Barbara Rosnitschek und dem New Yorker „New Juilliard Ensemble“. Zu hören ist er auch auf der ersten Solo-CD des „Dreamtheater“ Keyboarders Jordan Rudess. Maxine Neuman, Karin Scholz und Peter Ernst gründeten vor ungefähr vier Jahren das „Belmont Trio“. Peter Ernst und Karin Scholz spielen seit fast 15 Jahren zusammen unter dem Namen „Duo Bergerac“ und haben vier thematisch angelegte CDs veröffentlicht. Seit 1998 spielt die New Yorkerin Maxine Neuman zusammen mit Peter Ernst als „Claremant Duo“, und sie sind ebenso erfolgreich wie das Duo Bergerac (bislang sind zwei wunderschöne CDs entstanden). Was lag da näher, als beide Duos zusammen zu legen und ein Trio zu gründen. Und so entstand das „Belmont Trio“, das jetzt seine erste CD veröffentlicht, wobei man sich bereits einen kleinen Vorgeschmack mit der letzten CD des „Duo Bergerac“ (Elegie) holen konnte, auf der Maxine Neumann als Gastmusikerin bei zwei Stücken mitwirkt.


Ihr wohnt nicht in derselben Straße, ihr seid verteilt über Frankfurt, Mühlheim/Main und New York; wie habt ihr zusammengefunden?
Peter Ernst: Karin und ich haben uns schon 1989 kennen gelernt, auf einem Wettbewerb in Italien, zu dem uns der Deutsche Musikrat eingeladen hatte. Nach dem Wettbewerb haben wir beschlossen ein Gitarrenduo zu gründen. Damals waren wir noch jung (seufz). Für mich war es die erste ernsthafte Berührung mit Kammermusik, es war fast wie ein Wunder. Maxines Mann Reinhard traf ich so etwa 1996, bei gemeinsamen Freunden in meiner Heimatstadt Warburg. Als Reinhard hörte, dass ich Gitarrist bin, hat er sofort gesagt, müsse mit seiner Frau zusammen spielen. Drei Jahre später, als Maxine ihre Sommerferien in Warburg verbrachte, haben unsere Freunde einfach einen Konzerttermin angesetzt. Wir haben ein paar Tage geprobt - es ging fast wie von selbst; die Chemie stimmte von Anfang an. Solche Dinge ergeben sich ganz plötzlich und auf einmal merkt man, dass es schön zusammen klingt. Es ist einfach nicht vorhersehbar. Schließlich verbringt man ja auch eine Menge Zeit miteinander, ist gemeinsam unterwegs und muss in den Proben, besonders heikel, auch die unterschiedlichen Meinungen diskutieren. Karin und Maxine sind ein großes Glück und eine riesige künstlerische Bereicherung für mich.
Maxine Neuman: Ich erinnere mich noch gut an das erste Konzert mit Peter. Im letzten Satz des letzten Stücks - es war von Jaime Zenamon - begannen Kirchenglocken zu läuten, und noch heute höre ich sie jedes Mal wenn wir dieses Stück spielen.

Wie organisiert ihr eure Proben?
Peter Ernst: Natürlicherweise gleichen unsere Zusammentreffen immer Intensiv-Arbeitsphasen, essen, trinken, schlafen und üben! Neben dem eigentlichen Proben müssen ja auch die Arrangements durchgesprochen werden, was schon mal sehr lange dauern kann.
Karin Scholz: Wir versuchen natürlich soviel wie möglich schon vorher, aus der Distanz abzusprechen und jeder bereitet sich so gut als möglich vor. Peter und ich proben auch schon mal zu zweit vor, und wenn Maxine dann einfliegt setzen wir alles zu einem Ganzen zusammen.
Maxine Neuman: Ja, und da Peter häufig in den Staaten ist, proben wir auch unser Triorepertoire zu zweit. Wir sind alle sehr dankbar für Email, Telefon, Fax usw. Wir schicken Noten hin und her und entwickeln so unsere Bearbeitungen. Wir sind auch bereit kurzfristig zu fliegen, die musikalische Inspiration ist es immer wert!
Karin Scholz: Ich glaube, dass die hohe Intensität unserer Arbeitsphasen sehr viel schneller zu einem gemeinsamen musikalischen Konzept geführt hat als dieselbe Probenzeit verteilt über einen längeren Zeitraum.

Gibt es einen Chef?
Peter Ernst: Ja und nein! Maxine ist unser Motor, ihre Energie ist durch nichts zu überbieten. Aber natürlich übernimmt jeder seinen Part bei der Organisation. Es ist trotzdem ungleich schwieriger, drei Meinungen unter einen Hut zu kriegen als ich das in unseren Duos erlebt habe. Es hat Monate gedauert, bis wir uns auf die Booklet Texte für unsere erste gemeinsame CD geeinigt haben.
Karin Scholz: Ich finde, wir haben einen sehr kollegialen und auch professionellen Ton gefunden, wo jeder Vorschläge und Ideen einbringt und wir oft auch kontrovers diskutieren. Bei dreien ist der gemeinsame Nenner dabei nicht immer so leicht zu finden wie bei einem Duo. Was ich so angenehm empfinde ist, dass es immer um die Musik geht und nicht um irgendwelche persönlichen Empfindlichkeiten.

Wie findet ihr dann den musikalischen Nenner?
Karin Scholz: In unseren Duos arbeiten wir ja schon lange zusammen. Da kennt man sich sehr gut, das Zusammenspiel funktioniert fast blind und man hat gemeinsames musikalisches Repertoire entwickelt. Peter ist sozusagen das musikalische Bindeglied der beiden Ensembles, denn er spielt ja mit uns beiden Ladies! So können wir beide eigentlich an die Arbeit der jeweils anderen anknüpfen, und unsere musikalischen Sprachen sind nicht so fremd, dass wir uns nicht verstehen würden!
Peter Ernst: Musikalisch gesehen verstehen wir uns eigentlich ganz gut. Solange man sich gegenseitig respektiert, kann man immer auf einen Nenner kommen. Dadurch, dass wir so intensiv zusammenarbeiten und für zwei bis drei Wochen auch so dicht aufeinander leben, gibt es natürlich auch ein wenig Reibung und Ermüdungserscheinungen. Aber gerade das kann so einer Probenphase auch einen besonderen Schub geben. Selbst dann, wenn man nach diesen Wochen erst mal erledigt ist.
Maxine Neuman: Obwohl unsere langjährige Duo-Erfahrung eine wichtige Rolle spielt, kann es doch nur funktionieren, weil wir alle drei musikalisch auf gleicher Wellenlänge sind. Das kann man nicht durch langes Proben erzwingen.

Wie stark seid ihr in Amerika engagiert?
Peter Ernst: Maxine und ich spielen zwei- bis dreimal im Jahr in den USA. Zu unserem Konzert in der Salisbury University - mit einem südamerikanischen Programm - hatte ich die Noten vergessen, die wurden im letzten Moment an die Polizeistation auf dem Campus gefaxt. Und wer hätte das gedacht, es wurde eines unserer besten Konzerte. Das bewegenstes Konzert aber war in St. John´s, der kleinen Kirche direkt am zerstörten World Trade Center, im Oktober 2001, wo wir für die vielen freiwilligen Helfer, Feuerwehrleute und Polizisten gespielt haben. Wir haben übrigens für das nächste Jahr eine kleine Trio-Tournee an der Ostküste geplant.

... der vollständige Text befindet sich in Heft 2/04 ab Seite 118! Aktuelle Ausgabe bestellen...

Diskografie
Duo Bergerac „Toccata“ (Thorofon)
Duo Bergerac „Recital Español“ (Thorofon)
Duo Bergerac „Blue Rondo“ (Thorofon)
Duo Bergerac „Elegie“ (Thorofon)
Claremont Duo „Divertimento“ (www.guitarclassics.de)
Claremont Duo "Histoires" (Artek Records/www.guitarclassics.de)
Belmont Trio „À Trois“ (Thorofon)