Workshop Paul McCartney - Jenny Wren von Jens Hausmann

Schon zu Beatles-Zeiten ist Paul McCartney durch ansprechende Akustikgitarren-Begleitungen aufgefallen, die durch eigenwillige Spieltechniken und Akkordauswahl geprägt sind. Der auffälligste Song ‚Blackbird’ aus jener Zeit hat auf der aktuellen CD ‚Chaos And Creation In The Backyard’ ein Schwesterchen bekommen: ‚Jenny Wren’. Beide Stücke werden von zweistimmigen Linien getragen, die mit Akkorden aufgefüllt das Fundament bilden. ‚Jenny Wren’ wird auf einer um einen Ganzton tiefer gestimmten Gitarre eingespielt (Tuning: DGCFAD). Interessant ist der ständige Wechsel zwischen C-Dur und c-Moll, wobei beim c-Moll immer wieder die leere D-Saite mitgespielt wird - eine reizvolle Spannung. Spieltechnisch hat Autodidakt McCartney einige unorthodoxe Eigenheiten, die man kennen sollte, um das Stück authentisch nachzuspielen. Sobald McCartney wie hier ohne Plektrum spielt, bevorzugt er Daumen und Zeigefinger, die anderen Finger kommen selten zum Einsatz. Der Daumen ist dabei nur für die Bässe zuständig, der Zeigefinger für gezupfte und geschlagene Töne; die meisten von uns werden zumindest den Mittelfinger hinzunehmen wollen. Im Gegensatz zu von Merle Travis geprägten Stilistiken werden die Basstöne auf 2 und 4 aber nicht mit dem Daumen gespielt. Um die Übersicht zu erleichtern, ist für alle Noten mit nach unten gerichteten Hälsen der Daumen zuständig, der Rest wird mit Fingern gespielt. Es lassen sich noch weitere Regeln festmachen: Alle Noten auf 2 und 4 werden grundsätzlich mit dem Finger als Abschlag (!) gespielt; wenn bei diesen Akkorden die eine oder andere Seite mehr erwischt wird, ist das in Ordnung, solange die Melodiestimme gut herauszuhören ist. Akkord- und Melodietöne, die gleichzeitig mit den Bässen auf 1 und 3 klingen, werden grundsätzlich gezupft. Die Und-Zählzeiten sollten gezupft oder mit Aufschlag gespielt werden, sofern nicht die Greifhand zuständig ist. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, kann man die letzten vier Takte A-Moll aus dem Intro separat üben. Grifftechnisch gibt es wenig Probleme. Im Schlussteil greift McCartney die Basstöne mit dem Daumen und kann so die hohe E-Saite (bzw. hier d) freilassen. Auffällig ist die unregelmäßige Form von ‚Jenny Wren’.

... der vollständige Text incl. Noten und Tabs befindet sich in Heft 1/06 auf Seite 36. Aktuelle Ausgabe bestellen...

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