Familienaffäre - Holly Williams von Stefan Woldach

Sie sieht nicht nur blendend aus, sie besitzt beachtliches musikalisches Talent und hat ein fantastisches Debütalbum eingespielt. Ganz nebenbei ist sie auch die Enkelin des legendären US-Country-Stars Hank Williams.
Holly Williams


Eine unbeschwerte Kindheit sieht anders aus. Wenn sich die Eltern trennen und der Vater als Musiker immer unterwegs ist, liegt eine Möglichkeit, seelische Defizite und latente Trauer zu kompensieren, in der Musik. Auch für Holly Williams. Von ihrer Mutter, einer klassischen Pianistin, erhält sie das Handwerkszeug zum Klavierspielen. Das musikalische Erbe ihres berühmten Großvaters ist nur in der Ferne präsent. Immerhin war selbst Hollys Vater gerade mal drei Jahre alt, als der berühmte Hank Senior starb. Und doch ist es erstaunlich, welche inhaltlichen Parallelen sich trotz musikalischer Eigenständigkeit zwischen Großvater und Enkelin finden lassen.

Ist es seine Last, mit einem so berühmten Großvater aufzuwachsen, der die Musikszene maßgeblich geprägt hat?
Holly Williams:
Kaum. Wenn ich den einfachen Weg gegangen wäre, also in Nashville geblieben wäre, einen Deal mit einem Country-Label geschlossen hätte und nicht meine eigenen Songs singen würde, wäre es vielleicht einfacher gewesen. Mein Name ist hilfreich und eine Last zugleich, besonders bei den Leuten, die aufgrund meiner Herkunft meine Songs nicht mal hören wollen; auf der anderen Seite hören mir viele Menschen gerade deshalb zu. Es hält sich das Gleichgewicht..

Wie war das für dich, den Namen deines Großvaters in Songs von Leonard Cohen oder Van Morrisson zu finden, oder Bob Dylan und Bruce Springsteen zu hören, die ihn als Einfluss nennen?
Am Anfang hat mich das umgehauen! Für mich als Kind war der eigentliche Star mein Vater, der im Fernsehen auftrat, Awards gewann und Konzerte spielte. Hank Senior war für mich als Kind nur ein Country-Sänger, der ein paar Songs geschrieben hatte und den ich nicht kannte. Es war mir überhaupt nicht bewusst, was für ein Erbe er hinterlassen hatte. Je älter ich wurde, desto mehr bin ich dann in sein Songwriting und seine Texte abgetaucht.

Du hast stilistisch deinen eigenen Weg abseits des typischen Nashville-Sounds gefunden. Welche Einflüsse haben dir dabei geholfen?
Alles mögliche. Von Songwritern wie Tom Waits, Neil Young und Nick Drake bis zu modernen Bands wie Radiohead und Nirvana. Mein Feld ist weit gesteckt. Was für mich zählt, ist ein unverwechselbarer künstlerischer Ausdruck. Leute, die ihre Musik leben und wissen, wovon sie sprechen. Diese unterschiedlichen Einflüsse ziehen sich auch durch meine Musik. Wenn ich mit einer Band spiele, kann ich rocken. Wenn ich allein Klavier spiele, vergleicht man mich mit Norah Jones. Und mit diesem akustischen Gitarrenalbum bin ich das, was ich eigentlich bin: Eine Songwriterin.

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