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In Rockgitarrenkreisen genießt Steve Vai einen
geradezu legendären Ruf. Er ist ein großartiger Performer,
ein Wahnsinnstechniker und eine extrovertierte Persönlichkeit. Als
Gitarrist ist er mit allen Wassern gewaschen. Kein Wunder bei seiner Vita:
nach einer Reihe eher unbekannter Bands und einer Zeit am Berklee College
Of Music war sein erster echter Profi-Job eine Gitarristenstelle in der
Band von Frank Zappa. Ausgerechnet Zappa. Mitte der 80er Jahre veröffentlichte
Vai sein erstes Soloalbum „Flex-able“. 1985 bis 1989 zupfte
er die Saiten für David Lee Roth, ein Job, der ihm zu weltweiter
Bekanntheit verhalf. Seitdem arbeitet Vai hauptsächlich an seiner
eigenen Musik, geht seinen ganz persönlichen Weg, und hat vor einigen
Jahren ein Label gegründet.
Steve Vai in AKUSTIK GITARRE? Klar, warum nicht. Schließlich
gibt es auch akustische Parts, außerdem zählt er Gitarristen
wie Wes Montgomery zu seinen wichtigsten Einflüssen. Als erstes Beispiel
habe ich für euch den David-Lee-Roth-Titel „Damn Good“
ausgesucht. Diese Gitarrenstimme (Abb. 1 bis 3) wird mit dem Plektrum
gespielt und arbeitet mit weit klingenden offenen Akkorden. Wichtig sind
die Artikulations-Varianten, die in der Transkription vermerkt sind. Manche
Stellen lassen sich nur mit Einsatz von Hammerings oder Pull-Offs spielen,
andere klingen erst gut, wenn Slides eingebaut sind. Besonders sorgfältig
müsst ihr euch auf den letzten Takt vorbereiten: für die Kombination
gegriffener Noten mit Flageoletts muss die linke Hand schön locker
sein.
Unser zweites Workshop-Stück heisst „Sister“ und stammt
von Steves CD „Passion And Warfare“. Im Original wurde es
mit einem cleanen Strat-Sound gespielt; es eignet sich aber wunderbar
als reines Akustik-Stück. Die Einflüsse von Jimi Hendrix sind
hier nicht zu überhören – wer „Little Wing“
kennt, wird diese orchestrale Spielweise bei „Sisters“ wiedererkennen.
Lasst euch nicht vom komplexen Notenbild abschrecken. Bei Tempo 63 ist
das Ganze gut spielbar. Allerdings ist das Klangbild dermaßen dicht,
dass man Takt für Takt in Zeitlupe üben muss. Es lohnt sich,
denn diese Spielweise ist musikalisch überaus wirksam, außerdem
gibt es eine Reihe guter Voicings und trickreicher Fills zu entdecken.
Achtet wieder auf die exakte Ausführung der Verzierungen mit Hammerings,
Pull-Offs und Slides. Abb. 4 und 5 zeigen die ersten Takte des Stückes
mit Variationen einer zweitaktigen Harmoniefolge. Unter Abb. 6 habe ich
noch einen besonders schönen Auszug notiert. Der Akkord ist Cmaj7/9,
gespielt in Kombination von gegriffenen Noten und Obertönen am XII.
und V. Bund. Viel Spaß mit der Musik von Steve Vai.
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