Homerecording: Monitoring


Eines der wichtigsten und am meisten unterschätzten Werkzeuge des Studios ist die Abhöranlage. Man braucht die Studio-Monitore sowohl zur Beurteilung einzelner Signale beim Aufnahmen der Einzelspuren als auch beim schlussendlichen Mixdown, dem Zusammen-Mischen aller aufgenommenen Tracks.

Das Wichtigste vorneweg: neben allen technischen Details und Empfehlungen zum Thema Monitor-Boxen müssen Sie Ihre Abhöre vor allem gut kennen! Wer um die Schwächen seiner Monitor-Anlage weiß, kann selbst mit technisch und klanglich weniger hochwertigem Equipment gute Aufnahmen und Mischungen erstellen.

Grundlagen

Damit man überhaupt einigermaßen sicher beurteilen kann, was man in seinem Studio eigentlich so aufnimmt, benötigt man eine zuverlässige Abhöre. Als Verstärker leistet anfänglich ein gewöhnlicher Hifi-Verstärker gute Dienste, man sollte nur nicht den Fehler machen, die Loudness-Taste zu drücken. Das vermeintlich angenehmere Klangbild mit Bass- und Höhenanhebung relativiert sich nämlich schnell, wenn die ach so wohlklingende Mischung auf einer anderen Anlage dünn klingt. Ähnliches gilt für die Monitorboxen. Die Investition in gute Studio-Monitore, die heute durchaus in erschwingliche Preisregionen

JBL Control One
Ein Mini-Monitor: JBL Control One

gerückt sind, ist eine der lohnendsten Anschaffungen überhaupt, die man für das heimische Studio tätigen kann. Noch ein Tipp zum Mixdown: Hilfreich ist es, das eigene Produkt mit einer in Klang, Stil und Instrumentierung vergleichbaren kommerziellen CD zu vergleichen. Oft genug hört man beim direkten Hin-und-Her-Schalten sofort die gröbsten Fehler – sofern vorhanden – der eigenen Aufnahme. Es ist keineswegs ungewöhnlich, ein Stück mehrmals im direkten Nebeneinander mit einer erwiesenermaßen „amtlichen“ Aufnahme abzumischen und sich so Schritt für Schritt an den perfekten Mix heranzutasten.

Nahfeld-Monitoring und Abhörlautstärke

Wenn im Heimstudio der Abstand der Lautsprecherboxen zur Abhörposition zu groß ist, spielt für das Klangerlebnis die Raumakustik eine Rolle. Im Heimstudio wird diese nur selten optimal sein, daher ist die normale Homerecording-Abhörsituation das so genannte Nahfeld-Monitoring. Der Abstand der Boxen untereinander und zum Hörer ist dabei sehr gering (ca. 1,50 bis 3 m), daher ist der Direktschall deutlich lauter als der Raumschall. So können Sie den Mix unabhängig vom Abhörraum beurteilen und gezielt bearbeiten. Die erforderliche Leistung von Verstärker und Boxen ist geringer, Sie können recht kleine Boxen verwenden. Einziges Problem: eine schwache Wiedergabe tiefer Bass-Frequenzen. Entscheidend ist die Aufstellung der Boxen und die eigene Position. Ideal ist ein gleichseitiges Dreieck: der Kopf sollte sich mittig zwischen den Boxen befinden; nur so ist die Stereo-Verteilung ernsthaft zu beurteilen. Natürlich müssen die Lautsprecher in Ohrhöhe aufgebaut sein. Normalerweise werden Sie stehende Boxen verwenden. Liegende Boxen müssen spiegelsymmetrisch angeordnet werden, die Hochtöner müssen außen sitzen. Wenn es nicht möglich ist, die Boxen auf Ohrhöhe anzuordnen, kippt man sie. Vorsicht: Platzieren Sie die Lautsprecher nicht in den Raumecken – hier kann es zu unkontrollierbaren Bass-Betonungen kommen. Achten Sie auch darauf, dass nichts mitschwingt, v.a. wenn die Boxen auf einem Regal oder dem gleichen Tisch stehen wie der Rest Ihres Studios. Schaumstoffmatten oder vergleichbare Unterlagen können eine akustische Trennung bewirken. Auch eine große glatte Fläche als Unterlage ist nicht zu empfehlen; hier können Reflexionen produziert werden, die das Klangbild in den Höhen verfälschen. Im Fachhandel gibt es spezielle höhenverstellbare Monitorständer, die man in idealer Hörposition hinter dem Mischpult, der Workstation oder dem Rechner aufbauen kann.

Das menschliche Gehör weist einige Besonderheiten auf, die bestimmte Konsequenzen für das Monitoring haben. So ist die Wahrnehmung geringer Lautstärken nicht linear; mittlere Frequenzen erscheinen gegenüber Bässen und Höhen überhöht. Große Lautstärken dagegen ermüden das Gehör und können sogar ernsthafte und dauernde Schäden nach sich ziehen (Schwerhörigkeit oder

Beyerdynamic DT 880 M
Studiokopfhörer Beyerdynamic DT 880 M

Ohrgeräusche, den so genannten Tinnitus). Fazit: pflegen Sie eine mittlere Abhörlautstärke (max. 85 dB über längere Zeiträume und 95 dB kurzzeitig). Das Gehör bleibt in Form, man macht weniger Misch- und Aufnahmefehler. Wenn Sie lange Sessions in Ihrem Studio einlegen, empfehlen sich kurze „Hörpausen“. Mit kurzen Einspielungen bekannter Aufnahmen können Sie Ihr Hörempfinden wieder „eichen“ und grundlegende Fehler vermeiden. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, den ermüdeten Ohren Ruhe zu gönnen und am nächsten Tag weiterzumachen. Noch ein Tipp: hören Sie auch einmal kurzzeitig ordentlich laut ab, sowie extrem leise an der Grenze der Hörwahrnehmung. In beiden Fällen sollten die entscheidenden Informationen (etwa der Lead-Gesang oder das führende Instrument) noch deutlich wahrzunehmen sein.

Monitorboxen

Studiomonitore gibt es in zwei Varianten: aktiv und passiv. Passive Monitore werden von einer zusätzlichen Endstufe mit Leistung versorgt, die Studioverkabelung sieht dann so aus: Monitorausgang des Mischers ? Endstufe oder Hifi-Verstärker ? Monitore. Man sollte nach Möglichkeit gut dimensionierte Lautsprecherkabel mit ausreichendem Querschnitt verwenden und dünne „Strippen“ ebenso vermeiden wie unnötige Kabellängen. Aktive Monitore besitzen im Gehäuse integrierte Endstufen, sie sind damit automatisch teurer in der Anschaffung. Aktive Monitore brauchen eine eigene Stromversorgung; Sie verkabeln den Monitor-Out Ihres Mixers oder Kompaktstudios direkt mit dem Eingang des Monitors. Der Vorteil integrierter Endstufen ist die bereits von Hersteller optimierte Zusammenarbeit von Leistungsverstärker und Lautsprechern. Viele Aktivmonitore haben mehrere Endstufen. Im Heimstudio wird man – sofern man sich überhaupt für die aktive Lösung entscheidet – in aller Regel Zwei-Weg-Boxen benutzen. Diese haben separate Endstufen für den Bass-Lautsprecher und den Hochtöner. Bei manchen Boxen findet man Einstell-Optionen (Regler oder Minischalter), mit deren Hilfe man das Klangbild an den persönlichen Geschmack oder an Besonderheiten der Raumakustik anpassen kann.
Sie möchten sich ordentliche Studio-Monitore anschaffen? Besuchen Sie einen Musikladen, in dem Sie mehrere Systeme im direkten Vergleich hören können. Studieren Sie aussagekräftige Tests in Fachzeitschriften, aber kaufen Sie nie etwas nur aufgrund einer Testbeurteilung. Hören Sie sich einige CDs verschiedener Stilistik an, die Sie gut kennen, außerdem ein paar eigene fertig gemischte Stücke. Ist Ihnen Ihr Musikalienhändler wohlgesonnen, weil Sie bereits einige Monatsgehälter in seiner Kasse gelassen haben? Dann überreden Sie ihn, dass Sie das von Ihnen ausgesuchte Modell übers Wochenende ausleihen können, um es im eigenen Studio zu testen. Achten Sie auf:
• Die Frequenzverteilung: stehen Bässe, Mitten und Höhen in einem ausgewogenen Verhältnis? Ist der Gesang klar und mit guter Textverständlichkeit zu hören? Sind die Bässe trocken, die Höhen seidig ohne zu zischeln?
• Die Auflösung: Sind auch Instrumente im Hintergrund gut zu orten? Können Sie die verwendeten Hallräume zuverlässig beurteilen? Wie ist die Tiefenstaffelung und die Stereoauflösung?
• Das Format der Anschlüsse: möglich sind Klinke, XLR oder Klemmen für Kabellitzen.
• Individuelle Anpassungsmöglichkeiten für Eingangsempfindlichkeit, Equalizer-Voreinstellungen, Höhen- oder Bass-Dämpfung.

Die weit verbreiteten Zwei-Weg-Boxen besitzen eine Frequenzweiche, die das Signal so aufteilt, dass jeder Lautsprecher nur den jeweils optimalen Frequenzbereich wiedergeben muss. Bei passiven Boxen ist die Weiche vor den Lautsprechern, bei aktiven vor den Endstufen angeordnet. Wegen des in der Regel kleinen Gehäusevolumens haben die typischen Homerecording-Nahfeld-Monitore eine recht Bass-schwache Wiedergabe. Daher werden sie manchmal mit Subwoofern kombiniert. Diese Zusatzlautsprecher geben nur die extrem tiefen Frequenzen wieder. Da das Gehör echte Bassfrequenzen nicht orten kann, ist die Aufstellung eines Subwoofers relativ unkritisch. Auch Subwoofer gibt es in aktiver und passiver Ausführung.
Recht neu sind digitale Monitore. Hier kann man ein digitales Signal im AES/EBU- oder S/PDIF-Format einspeisen, sofern Mixer, Rechner oder Kompaktstudio über digitale Ausgänge verfügen. Dieses Signal landet zunächst auf einem D/A-Wandler und wird dann weiter zur Frequenzweiche , den Endstufen und den Lautsprechern geführt.

Kopfhörer

Man darf nie vergessen, dass Musik in der Regel über Lautsprecher gehört wird. Was auf einem Kopfhörer gut klingt, kann im Raum per Lautsprecher wahrgenommen durchaus kritisch sein, außerdem ermüdet ein Kopfhörer das Gehör. Erfahrene Tonleute hören beim Mixdown immer mal wieder zwischendurch per Kopfhörer in die Mischung, um vielleicht verborgene Mängel aufzudecken und das Klangbild zu vergleichen. Raumakustik und eventuelle äußere Störgeräusche spielen keine Rolle mehr, die Stereoposition lässt sich sehr genau orten und die tiefen Frequenzen werden (bei guten Hörern) im Gegensatz zu kleinen Monitorboxen exakt wiedergegeben. Dennoch sollten Sie einen Mix nie ausschließlich mit dem Kopfhörer vornehmen. Zu unterschiedlich kann das Klangerlebnis im Vergleich zu Lautsprecherboxen sein.
Im Studio empfiehlt sich der geschlossene Kopfhörer. Hier sind Außengeräusche abgeschirmt, außerdem dringt der Klang des Hörers selbst nicht nach außen (wichtig bei Overdub-Aufnahmen). Nicht alle Musiker kommen mit Kopfhörern gut klar. Vor allem Sänger haben oft Schwierigkeiten mit der kompletten akustischen Abschirmung und dem Gefühl, dass der Klang „im Kopf“ entsteht. Die in dieser Hinsicht unproblematischeren offenen Kopfhörer können leider durch Übersprechen eine Aufnahme unbrauchbar machen. Achten Sie beim Kauf eines Kopfhörers auf den Frequenzgang (ideal 20 Hz bis 20 kHz) und vor allem auf angenehmen Tragekomfort. Einige Hersteller betonen die Studiotauglichkeit bestimmter Modelle mit Namenszusätzen wie „Monitor“ oder „Studio“.
Wenn Sie mehrere Musiker mit einem Kopfhörer-Mix versorgen müssen, helfen Kopfhörer-Verstärker (Headphone-Amps). Sie verteilen das Eingangssignal auf mehrere Kopfhörer-Endstufen, die sich unabhängig regeln lassen. Hochwertige Geräte bieten vier oder mehr Kanäle, einen Stereo- und einen Mono-Ausgang, Stummschaltung (Mute) und Pegelanzeigen.